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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Handchirurgen machen Druck

Die rasante Entwicklung in der Handchirurgie spricht für eine profunde Aus- und Weiterbildung, um Qualitätsstandards zu sichern und den Anschluss an das Ausland nicht zu verlieren.

Durchschnittlich 25.000 Verletzungen an Handgelenk, der Hand und den Fingern werden jährlich stationär behandelt. Anlässlich des 46. Symposiums der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie (DAH) forderte deshalb die Österreichische Gesellschaft für Handchirurgie (ÖGH) die seit dem Jahr 2000 fällige Anerkennung der Spezialisierung im Fach Handchirurgie durch Ärztekammer und Gesundheitsministerium.

Hohe Verletzungsquoten

Allein 20.000 Patienten mit Verletzungen der Hand, dem Handgelenk und den Fingern versorgt das Wiener Lorenz-Böhler-Krankenhaus der AUVA pro Jahr am-bulant. Daher, so der wissenschaftliche Leiter des 46. Symposiums der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Handchirurgen, Dr. Martin Leixnering, muss der Qualität der Behandlung von Fingerverletzungen wesentlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Leixnering, Unfallchirurg in Wien, fordert Ärztekammer und Gesundheitsministerium dringend auf, umgehend die Anerkennung der Spezialisierung der Handchirurgie durchzuführen. Nicht zuletzt sei diese für Österreichs Handchirurgen auch auf internationaler Ebene von entscheidender Bedeutung.

Gesundheitsministerium lässt Antrag seit Jahren liegen

Im Jahr 2002 wurde die Ausbildungsordnung durch die Österreichische Ärztekammer novelliert und die Unterlagen für die Spezialisierung der „Handchirurgie“ dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt. Dieses Ansinnen blieb bis heute ohne Ergebnis. Mit Ausnahme von Griechenland, Polen, Portugal und Spanien gibt es in den nunmehr 21 EU-Ländern die Spezialisierung und damit die Anerkennung der Handchirurgie. Österreich befindet sich unter den fünf letzten EU-Ländern ohne Anerkennung der Zusatzbezeichnung Handchirurgie – ein für Leixnering „unannehmbarer Zustand“. In diesem Zusammenhang verweist Leixnering darauf, dass der überwiegende Teil deutschspra-chiger Ausbildungskurse in Handchirurgie in Wien stattfindet. Diese vom österreichischen Pionier der Handchirurgie, Prof. Dr. Jörg Böhler, in Wien abgehaltenen Ausbildungskurse in Handchirurgie werden in großem Maße durch die AUVA unterstützt.

Immense Folgekosten

Anlässlich des 46. Deutschsprachigen Symposiums für Handchirurgie vom 15. bis 17. September in Wien hat die ÖGH die Kosten von Handverletzungen, die auf Arbeitsunfälle zurückzuführen sind, erheben lassen. Nach Berechnungen der AUVA fallen bei einem etwa 30-jährigen Unfallopfer mit einer Finger-/Daumenverletzung (hochgerechnet auf die individuelle statistische Lebenserwartung) 51.222 Euro allein für die Unfallrente an. Dazu kommen 10.000 Euro für betriebliche Kosten (Endgeltfortzahlung für Krankenstand, Sozial- und Rehabilitationsleistungen etc.). Legt man den beruflichen und privaten Ausfall eines Unfallopfers nach einer Handverletzung zu Grunde, entstehen volkswirtschaftliche Kosten von rund 73.000 Euro. Im Durchschnitt gibt es in Österreich jährlich rund 20 Unfallrentner nach Handverletzungen.

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