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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Evaluation der Ärzteausbildung zeigt Wirkung

Bis Mitte der 90-er Jahre war die Ausbildungskommission der Ärztekammer ein „zahnloser Tiger“, dem so mancher pragmatisierte Primar durch „Nicht-Erscheinen bei der Anhörung“ auf der Nase tanzte. Mittlerweile beginnt es langsam Realität zu werden, dass die Aberkennung oder Teilaberkennung von Ausbildungsmonaten durch die Ärztekammer dem „guten Ruf“ des leitenden Abteilungsvorstandes und des Spitals nicht dienlich ist.

„Prinzipiell stellt die Ausbildungskommission der Österreichischen Ärztekammer den Landesärztekammern frei, die Ergebnisse der Visitation zu veröffentlichen oder eben nicht“, berichtet Prof. Dr. Peter Birner, Leiter der Ausbildungskommission der Ärztekammer für Wien, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. „Tatsache ist, dass die Ausbildungskommission der Ärztekammer für Wien die Visitationsergebnisse des Jahres 2003 veröffentlicht hat.“ Daraufhin gab es auch einige heftige Reaktion. „Bezüglich der Visitationen des Jahres 2004 ist zu sagen, dass die formellen Abschlüsse einiger Verfahren erst kurz vor der Sommerpause erfolgen konnten, sodass eine Veröffentlichung vorher gar nicht möglich gewesen wäre“, so Birner. Auch sei noch keine Entscheidung gefallen, ob die Ergebnisse heuer wieder veröffentlicht werden oder nicht - zumal nur ein kleiner Teil der Landesärztekammern die Visitationsergebnisse publiziert. Birner: „Es gibt keinen Rechtsanspruch der visitierten Abteilungen, dass die Ergebnisse publiziert werden, falls diese gut ausfallen, aber auch keinen Unterlassungsanspruch, wenn sie es nicht tun.“
Aufgrund einer versäumten Frist hatten knapp 40 Abteilungen des Wiener Krankenanstalten-Verbundes (KAV) seit 1.1.1995 keine Berechtigung mehr, Allgemeinmediziner auszubilden. Im Zuge der Anerkennungsverfahren als Ausbildungsstätte für den Arzt für Allgemeinmedizin hat die Wiener Ausbildungskommission alle betroffenen Abteilungen besucht bzw. wird das noch tun, um die Ausbildungsqualität zu evaluieren.„Für den gigantischen Umfang des gesamten Verfahrens stellte sich die Visitation nach Ärztegesetz als zu umständliches Instrument heraus“, resümiert Birner, „stattdessen wird von der Wiener Ausbildungskommission jeweils ein Ermittlungsverfahren nach dem Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetz durchgeführt. Das hat sich als sehr  praktikable, präzise Methode zur Evaluierung der Ausbildungsqualität erwiesen.“

Primar und Krankenanstalten Träger er halten eine schriftliche Zusammenfassung des Visitationsergebnisses und der empfohlenen Verbesserungsvorschläge. Die Turnusärzte, um deren Ausbildung es geht, werden jedoch offiziell nicht in Kenntnis gesetzt. Warum nicht?
Birner: In den Visitationsrichtlinien der ÖAK ist nicht vorgesehen, dass der Bericht an die Turnusärztevertretung des Hauses übersandt wird, obwohl dies zweifellos wünschenswert wäre. Jedoch ergibt sich hier das prinzipielle verfahrensrechtliche Problem, dass die Turnusärzte eigentlich nicht „Partei“ sind, sondern eher „Zeugen“.

Die ärztliche Ausbildung wird seit mindestens einem Jahrzehnt in vielen Spitälern mit dem Prädikat „mangelhaft“ assoziiert. Steht das Beispiel der internen Abteilung im Krankenhaus Floridsdorf für eine generell gute Ausbildungsqualität in den Wiener Spitälern?
Birner: Tatsache ist, dass die auf Wunsch von Professor Sertl durchgeführte Visitation eine sehr gute Ausbildungsqualität ergeben hat. Wie wir im Zuge der Ermittlungsverfahren in den KAV-Häusern jedoch feststellen konnten, ist dies glücklicherweise kein Einzelfall. Es gibt einige Abteilungen im KAV, deren Ausbildungsqualität zweifellos als „sehr gut“ zu bezeichnen ist. Dennoch gab es in der Vergangenheit an vielen Abteilungen in Wien große Mängel in der Ärzteausbildung, und zum Teil bestehen diese auch jetzt noch. Generell ist jedoch ein Umdenken zu bemerken. Beinahe überall wurde uns von den Turnusärzten bestätigt, dass es im Zusammenhang mit den Anerkennungsverfahren und den damit verbundenen Vorgaben der Wiener Ärztekammer zu einer deutlichen Verbesserung der Ausbildungsqualität gekommen ist. Die große Frage ist natürlich, ob all diese Entwicklungen entsprechend nachhaltig sind und zu einer dauerhaften Verbesserung der Ausbildungsqualität führen werden. Hier sind sowohl Träger als auch Ärztekammer gefordert, entsprechend „am Ball zu bleiben“. Generell ist zu sagen, dass die neue Direktion des KAV das Thema „Ärzteausbildung“ als relevanten Problemkreis erkannt hat und sich mit einem großen Projekt, in das auch die Ärztekammer eingebunden ist, um Verbesserungen bemüht.

Sabine Schneider, Ärzte Woche 38/2005

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