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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Entlastung für Hausarzt

In Oberösterreich wurde ein Pilotprojekt gestartet, mit dem multimorbide Patienten Zugang zu dezentralen Therapieangeboten bekommen.

Gerade im ländlichen Raum ist der dezentrale Zugang zu Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie und Psychotherapie oft nicht gegeben. Längere Fahrten sind trotz der durchwegs gegebenen Mobilität für viele Patienten eine unüberwindbare Barriere.„Besonders schwierig wird es, wenn Patienten eine Kombination aus diesen Therapieformen benötigen oder soziale Probleme dazu kommen“, analysiert Dr. Manfred Prömer, Facharzt für physikalische Medizin. Neben seiner Tätigkeit in der physikalischen Ambulanz der Gebietskrankenkasse (GKK) in Linz hat er die Koordination des Pilotprojekts „Therapie in Perg“ übernommen. Dem Projekt waren jahrelange erfolglose Bemühungen voraus gegangen, Stellen für Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie in der Region zu besetzen. Mit finanzieller Unterstützung der GKK hat der Verein für Prophylaktische Gesundheitsarbeit (PGA) in der GKK-Außenstelle drei Therapieräume eingerichtet und das Konzept dazu entwickelt. Das Team im Therapiezentrum Perg besteht neben Prömer aus jeweils einer Physio- und Ergotherapeutin, einer Logopädin und einer Psychotherapeutin. Jederzeit hinzugezogen werden kann der regionale Case-Manager der GKK.
Case-Manager sind für ihre oft schwierige Aufgabe speziell ausgebildet. „Sie werden vor allem dann gebraucht, wenn es um die Organisation von Heilbehelfen, Koordination mit Rehabilitations-Einrichtungen oder Alten- und Pflegeheimen bzw. die Vernetzung mit sozialer Unterstützung der Patienten oder sonstige komplexe Probleme geht“, erklärt Prömer.

Koordination und Begleitung

Der Projektkoordinator ist auch für die ärztliche Begleitung der verschiedenen Therapien verantwortlich. „Die unmittelbare Anwesenheit eines Arztes vor Ort abseits des oft enormen Drucks einer vollen Praxis bringt einen zusätzlichen Qualitätsaspekt in das Projekt ein“, ist Prömer überzeugt. Einen hohen Stellenwert hat die enge Kooperation mit den niedergelassen Ärzten der Region, insbesondere den Allgemeinmedizinern. Prömer: „In Gesprächen hören wir immer wieder, dass die Hausärzte bei der Betreuung von multimorbiden Patienten überfordert sind bzw. im Praxisalltag zuwenig Platz für ein umfassendes Eingehen auf deren Bedürfnisse bleibt.“ Obwohl „Therapie in Perg“ erst seit Mai 2005 bestehe, seien die Ärzte der Region immer wieder auf die Institution zugekommen. Prömer wird oft um eine ergänzende medizinische Begutachtung sowie Unterstützung bei der Koordination sozialer, medizinischer und therapeutischer Maßnahmen gebeten.„Ängste, dass ‚Therapie in Perg’ eine Konkurrenz oder Bevormundung der Ärzte sein könnte, tauchen dabei nicht auf“, resümiert Prömer. Es gehe um ein ergänzendes und entlastendes Angebot bei der Betreuung von Patienten mit einer komplexen Kombination an Symptomen, Begleitungs- und Betreuungsbedarf. Die betreuenden niedergelassenen Ärzte schreiben Überweisungen für die verschiedenen Therapien und bleiben zentrale Ansprechpersonen für die Patienten.

Projekt wird evaluiert

„Therapie in Perg“ ist als Pilotprojekt zunächst auf zwei Jahre anberaumt. Maßnahmen zur Qualitätssicherung und eine Evaluierung sind vorgesehen. „Gerade in Regionen abseits der großen Zentren sind solche Projekte sicher ein wichtiger Schritt zu einer besseren und vor allem ortsnahen medizinischen Versorgung in enger Kooperation mit den Hausärzten, die eine wichtige koordinierende Funktion haben“, so Prömer. Er kann sich vorstellen, dass ähnliche Projekte in anderen Regionen folgen werden.

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