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Gesundheitspolitik 28. November 2005

„Hospitation“ im Sinne der Patienten

Nach fast zweijähriger Vorbereitung sind die ersten Aktivitäten der von Ärzte-kammer und Krankenanstaltengesellschaft Steiermark gemeinsam getragenen Fortbildungsinitiative „Hospitation“ angelaufen. Das Projekt ist österreichweit bisher einzigartig.

Im „Pilotbezirk“ Deutschlandsberg arbeiten niedergelassene Ärzte im Spital mit und umgekehrt. Gefördert wird so ein unmittelbarer „Wissenstransfer, der zu einer besseren Kooperation und einer Optimierung der Patientenversorgung führt“, erklärt Dr. Norbert Meindl, Vizepräsident der Ärztekammer Steiermark. Für ihn ist das Projekt die logische Fortsetzung der seit 1996 bestehenden gemeinsamen Dialogforen und einer Projektgruppe zur Optimierung der Einweisungen in die Spitäler.„Es ist auch ein Zugang zu wertvollen Informationen über neue Techniken, Materialien und Arzneimittel. Dieser ist viel unmittelbarer als im Rahmen der üblichen Fortbildungsveranstaltungen“, unterstreicht der Arzt für Allgemeinmedizin, Dr. Erhard Wipfler, der auch Bezirksärztevertreter von Deutschlandsberg ist. Wipfler hat – als einer von bislang sechs niedergelassenen Ärzten – bereits einige Stunden im Spital verbracht.
Prim. Dr. Gottfried Filzwieser, ärztlicher Leiter des LKH Deutschlandsberg, ist einer von zwei Spitalsärzten, die bereits am Pilot-projekt „Hospitation“ mitgewirkt haben: „Die Patienten profitieren unmittelbar von der verbesserten Kommunikation, die durch die Hospitation entsteht.“ Für die Spitalsärzte wesentlich wäre zudem, „hautnah zu erleben, was Medizin in der Praxis eines niedergelassenen Arztes bedeutet, der an einem Vormittag vom einfachen Fußpilz bis zum Transplant-Patienten das gesamte Spektrum der Medizin zu bewältigen hat“. Wipfler und Filzwieser sind sich einig, dass neben der direkten Art der Aneignung von Fachwissen, der Verbesserung und Reflexion der eigenen Arbeit auch gegenseitiges Verständnis für die Abläufe und die Schwierigkeiten in den jeweiligen Bereichen gefördert werden. Ein Ziel des Projektes ist des weiteren die Verbesserung des Schnittstellenmanagements. Es fördert ein „Zusammenwachsen im Interesse der Patientinnen und Patienten“, so Wipfler.

Verhinderung der „Kursitis“

Für Dr. Eiko Meister, Fortbildungsreferent und Obmann der Sektion Turnusärzte in der steirischen Ärztekammer, ist die „Verhinderung der Kursitis“ ein wichtiger Nebeneffekt des neuen Projekts. Zum Beispiel könne sich ein Internist in einem Echokar-diographie-Labor hochspezifisch updaten. „Es ist also eine hochqualitative und zugleich individuelle Art der Fortbildung“, ist Meister überzeugt. Ein Zusatz-nutzen für einige Spitalsärzte sei neben dem Kennenlernen der Abläufe im niedergelassenen Bereich auch das Schnuppern von Praxisluft vor der Errichtung einer eigenen Wahlarztpraxis.
Die Teilnahme am Projekt wird mit DFP-Fortbildungspunkten belohnt und ist dort mit vier bis maximal 40 Stunden anrechenbar. Vorerst gibt es über die genauen Inhalte der Hospitationen keine detaillierten Vorgaben; die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt sollen aber später in beispielhafte Curricula und Stundenpläne einfließen.

Das Interesse nimmt zu

Meister betont, dass bereits an-dere Spitäler, wie jene in Bad Radkersburg und Hartberg, Interesse am Projekt angemeldet haben und auch bei den Bezirksärztetreffen immer wieder davon die Rede ist. Die Vermittlung interessierter Ärzte läuft über die Ärztekammer, und Meister ist sich sicher, dass die Beteiligung in den nächsten Wochen und Monaten noch deutlich zunehmen wird. Das Projekt sei auch ein wichtiger Beitrag zur politisch geforderten Verschränkung von intra- und extramuralem Bereich. Mit dem Projekt sind weitreichende Pläne verknüpft. So sollen die Erfahrungen aus Deutschlandsberg „für einen Ausbau der Hospitation auf die gesamte Steiermark ab 2006“ (Meister) genutzt werden. Die Einbeziehung von Ordens- und anderen Privatspitälern ist vorgesehen. Meister: „Das Projekt Hospitation kann sicher auch in anderen Teilen Österreichs umgesetzt werden und versteht sich als Initialzündung dafür.“

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