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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Sparpaket für Medikamente am Prüfstand

Die mit dem Arzneimittelsparpaket verbundenen Maßnahmen sind noch lange nicht abgeschlossen: nach dem EKO kommen ABS, e-Rezept und Co.

Die Steigerungen der Medikamentenkosten betragen derzeit im Jahresvergleich 2,9 Prozent. „Damit befinden wir uns im geplanten Korridor von drei bis vier Prozent. Wir haben unser Ziel sicher nicht übererreicht“, sagte Dr. Martin-Clemens Auer, Kabinettchef der Gesundheitsministerin, beim 18. Pharma Forum am 26. September in Wien. Es gebe nicht weniger Verschreibungen, sie hätten sich allerdings verlagert. Der Generikaanteil steige. Das sei wichtig, um einen „Headroom of Innova-tion“ für Neuentwicklungen zu schaffen.„Unser Ziel war, die Kostenzuwächse zu dämpfen, ohne die Versorgung der Österreicher zu gefährden“, sagte Auer. Kritischen Anmerkungen aus dem Publikum, dass durch das Boxenmodell sehr wohl Probleme in der Versorgung aufgetreten seien, nahm er den Wind aus den Segeln: „Wir werden im Jahr 2006 eine Evaluierung des Arzneimittelpaketes machen und diese Fälle genau prüfen.“ Bis dahin solle man die Entwicklungen mit „Gelassenheit“ abwarten.
Im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HV) habe sich bereits eine Task Force für ebendiese Evaluierung gebildet, berichtete Mag. Beate Hartinger, Stellvertretende Generaldirektorin im HV und seit April 2005 für Ärzte- und Medikamentenangelegenheiten zuständig. Sie räumte ebenfalls ein, dass es durch die Änderung der chefärztlichen Bewilligung zu Unklarheiten bei einigen Verschreibungen gekommen sei.

ABS und e-Rezept

Auch die bevorstehende Einführung des ABS (Arzneimittel Bewilligungs Service) via e-Card-Technologie werde zu Diskussionen führen. „Große Change-Prozesse haben Lernphasen, und die sind mit Schwierigkeiten verbunden. Für Ärzte ist es neu, Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie. Der ABS-Probebetrieb im Burgenland werde von den Medizinern jedoch „begeistert“ aufgenommen. Die elektronische Abwicklung soll eine Vereinheitlichung und Standardisierung der Bewilligungen bringen sowie mehr Qualität durch nachträgliche Kontrollen und Einsparungen. Auch vom e-Rezept erhofft sich Hartinger Vorteile: „Es wird uns helfen, Medikamentenhortungen und Mehrfachverordnungen in den Griff zu bekommen.“ Auch Kontraindikationen sollen damit automatisch überprüft werden können. Derzeit ist die Finanzierung allerdings noch offen.
Ein wichtiges Anliegen ist dem HV auch die Optimierung der Arzneimittel-Schnittstelle zwischen Krankenhaus und niedergelassenem Bereich. Hartinger: „Die Verschreibungen im Krankenhaus machen zwar nur einen geringen Anteil an den Medikamentenkosten aus. Sie spielen wegen der Weiterverschreibungen allerdings eine Schlüsselrolle im gesamten Arzneimittelmarkt“. Seit der letzten Artikel 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern seien nun auch die Krankenanstalten zur Einhaltung der Richtlinien über die ökonomische Verschreibweise verpflichtet. Das müsste dazu führen, dass auch intramural Generika in Zukunft eine größere Rolle spielen, meinte Hartinger. Daraus sollte auch eine Erleichterung der Weiterverschreibung für niedergelassene Ärzte resultieren.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 40/2005

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