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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Ärzte in Kärnten wehren sich gegen Sparpläne

Seit Monaten wird heftig über neue Dienstpläne am LKH Klagenfurt diskutiert. Jetzt eskaliert die Situation, die Spitalsärzte bekommen Rückendeckung von den Niedergelassenen.

Vor dem Sommer wurden neue Dienstpläne für das Landeskrankenhaus Klagenfurt angekündigt, die eine deutliche Reduzierung anwesender Ärzte bringen. Konkret geht es um die Abteilungen für Kinderchirurgie und Psychiatrie, auf denen künftig in der Nacht keine Turnusärzte mehr anwesend sein sollen.„In Kärnten gibt es ohnehin pro Bett die wenigsten Ärzte, jetzt soll die Situation noch verschlechtert werden – das ist untragbar!“ ärgert sich Dr. Othmar Haas, Präsident der Kärntner Ärztekammer.

Betroffen seien jedenfalls zwei Bereiche, die wegen ihrer Spezialisierung wichtige Stellen sind, an die niedergelas-sene Ärzte zuweisen. Zu wenige Ärzte an den Abteilungen würden unerträglich lange Wartezeiten bedeuten. Gerade in Krisensitua-tionen habe dieser Faktor zentrale Bedeutung für die Versorgungsqualität. Die Direktion des LKH bezeichnete die Reaktionen der Ärzte als Panikmache.

Demonstration und Resolution

Trotz intensiver Verhandlungen hat sich noch keine Lösung für das Problem ergeben. Ende September kam es zu einer Demonstration von über 100 Kärntner Ärzten vor dem LKH Klagenfurt, 90 Prozent der dort tätigen Ärzte unterschrieben eine Resolution. „Vor allem wenn mehrere Akut-Patienten gleichzeitig aufgenommen und versorgt werden müssen, ist die Versorgung nicht gewährleistet“, wird darin betont.Öl ins Feuer goss zunächst Kärntens Gesundheitsreferent Peter Ambrozy. Er verwies auf einen Rechnungshofbericht, wonach Kärnten vier Spitäler zu viel habe und 42 Millionen Euro eingespart werden müssten. Trotzdem gebe es eine Standortgarantie für alle Krankenhäuser, „allerdings müssen die Ärzte dabei mithelfen“. Zudem meinte er, Ärzte würden ohnehin genug verdienen.
Die Proteste sorgten jedenfalls für Nervosität bei den Kritisierten. Ärzte, die sich an der Demonstration beteiligten oder öffentlich ihren Unmut kundtaten, wurden von der Direktion des LKH per Dienstanweisung zum Schweigen aufgefordert; auch mit Entlassungen wurde gedroht.„Ärzte geraten in einen unlös-baren Konflikt zwischen den Weisungen der Direktion und dem Recht der Patienten auf eine schnellstmögliche und umfassende Behandlung und Betreuung“, fasst Haas die Situation zusammen. Kranke Menschen müssten mehr als Norm- und Kostengrößen sein, Ärzte dürften nicht zu Erfüllungsgehilfen von Personen degradiert werden, die fern jeder Praxis agieren würden. Haas betont, dass inzwischen auch der Unmut und Druck bei den Ärzten im niedergelassenen Bereich zunehme. Befürchtet werde eine immense Zusatzbelastung, wenn Patienten im Spital nicht ausreichend versorgt werden können. Gefordert wird in der Resolution, die Dienstanweisungen und Entlassungsdrohungen sofort zurückzunehmen und für eine „medizinischen Erfordernissen entsprechende medizinische Besetzung aller Stationen im LKH Klagenfurt und auch anderen Spitälern zu sorgen“. Umgehend müsse eine unabhängige Kommission eingerichtet werden, die den nötigen Personalstand objektiv und anhand österreichweiter Daten prüft.

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