zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 28. November 2005

Schulärzte stoßen oft an Grenzen

Kinder mit Epilepsie bzw. Typ-1-Diabetes stehen im Mittelpunkt kürzlich angelaufener Projekte im schulärztlichen Dienst. Bei beiden Themen gibt es große Unsicherheiten, manchmal sogar Ängste von Lehrern.

Wenn Lehrkräfte mit kranken Kindern zu tun haben, treten mitunter Grenzsituationen auf. „Was ist zu tun, wenn ein Diabetes-Kind zusammenklappt?“ nennt Dr. Lilly Damm ein Beispiel. Die Ärztin ist im Bildungsministerium für die Schulärzte, deren Fortbildung und Vernetzung zuständig (Internet: www.schularzt.at). „Ein Ziel von speziellen Projekten ist, Aufmerksamkeit für diese Gruppen zu schaffen und fundiertes Wissen zu vermitteln“, so Damm. Dies erfolgt zum Teil durch Fortbildungsangebote für Schulärzte, die auch Multiplikatoren für Lehrer sind. Ein weiteres Ziel sei, „dass Betroffene nicht das Stigma ‚schwierige Schüler’, sondern entsprechende Unterstützung erhalten“ (Damm). Laut aktuellen Studien haben Kinder mit chronischen Krankheiten, wie Epilepsie, oft große Lernschwierigkeiten und benötigen gezielte Förderung. „Auch bei Diabetes spielt die psychosoziale Ebene eine große Rolle“, ergänzt Damm.

Vernetzung ausbauen

Wichtig bei beiden Projekten ist die Vernetzung zwischen speziellen Behandlungszentren, niedergelassenen Ärzten, therapeutischen und sozialen Berufsgruppen bzw. Institutionen, Selbsthilfegruppen usw. „Schulärzte spielen in diesem Setting eine nicht zu unterschätzende Rolle, etwa wenn es um Früherkennung und Prophylaxe oder gezielte Förderung geht“, betont Damm. Etwa 1.000 Ärzte arbeiten als angestellte Schulärzte, wobei über 500 Bundesschulärzte in den AHS und ca. 600 Mitarbeiter von Magistraten oder Stadtverwaltungen sind. „Bei diesen Schulärzten ist ein niederschwelliger Zugang möglich“, analysiert Dr. Lilly Damm. Gesundheitsförderung müsse aber mehr sein als die alleinige Durchführung von Reihenuntersuchungen. Ein Problem bei den Schulärzten sind aus Damms Sicht die teils großen Unterschiede der verschiedenen Dienstgeber sowie die konkrete Gestaltung des Arbeitsverhältnisses bzw. des Arbeitsauftrages.

Schwerpunkt Adipositas

Aktuelle Schwerpunkte der Arbeit von Schulärzten sind nach wie vor Übergewicht und Adipositas. Dieses komplexe Thema erfordert Ansätze in der Prophylaxe, Früh-erkennung und Behandlung, aber auch eine geschlechtssensible Vorgangsweise. Eine vorbildliche Ak-tion dazu konnte im Burgenland umgesetzt werden. Vor kurzem wurden alle 15-Jährigen (9. Schulstufe) einer Ernährungsschulung und einer Screening-Untersuchung (BZ, RR, BU, BMI) unterzogen. „Zudem gelang es, alle wichtigen Institutionen an einen Tisch zu holen“, berichtet Damm. Dies waren neben Schulärzten die Sozialversicherungen, Spitäler und niedergelassene Ärzte sowie der Landesschulrat und der Burgenländische Arbeitskreis für Vorsorgemedizin (BAKS). „Ein wichtiger Aspekt der Fortbildung zum Thema Adipositas ist die psychosoziale Komponente“, betont Damm. „Beim ersten Kontakt gilt es, eine Abwertung des Kindes zu vermeiden und das Problem ernst zu nehmen.“ Es sollte gelingen, eine tragfähige Beziehung auch auf Ebene der Schulärzte aufzubauen und bei der Begleitung das soziale Umfeld einzubeziehen, welches Bewegungs- und Ernährungsverhalten wesentlich prägt. Schulärzte könnten auf die gut dokumentierten Vorteile z.B. von „Bewegtem Lernen“ hinweisen und die Übernahme längst funktionierender Projekte fördern.
Sowohl in Bezug auf die derzeit aktuellen Themen Epilepsie, Diabetes und Adipositas als auch in der umfassenden Gesundheitsförderung hofft Damm auf eine „möglichst kontinuierliche Ein-bindung der Schulärzte“. Bei den Rahmenbedingungen sei noch einiges zu tun (siehe Kasten), um die schulärztliche Arbeit zu fördern.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben