zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 28. November 2005

Integrative Betreuung dementer Patienten

Mit Granny-Kids-, Tier- und Musiktherapie soll die Lebensqualität für ältere psychiatrische und DemenzpatientInnen im Geriatriezentrum an Wienerwald (GZW) gesteigert werden.

„Integrative Demenzbetreuung heißt, alternative Therapieangebote zusätzlich zur optimalen medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Versorgung gerontopsy­chiatrischer und demenzkranker Patienten anzubieten“, erläuterte Prim. Dr. Eva Fuchswang, Vorstand der 8. Medizinischen Abteilung am GZW anlässlich der Wiedereröffnung ihrer Station im September. „Es heißt aber auch, unsere Bewohner wieder zu aktivieren“, ergänzte Prim. Dr. Andreas Walter, Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung, die in Zukunft eng mit der neu eröff-neten Station von Fuchswang kooperieren wird.
Unter dem Schlagwort „Em­powerment“ sollen in Zukunft demente und gerontopsychiatrische PatientInnen vermehrt revitalisiert und gefördert werden. Die integrative Demenzbetreuung am GZW bietet beispielsweise Tiertherapie an, weil diese gezeigt hat, dass sich der Kontakt der dementen PatientInnen zur Außenwelt, etwa einem Hund, deutlich verbessern lässt. Bereits seit zehn Jahren wird am GZW erfolgreich die Granny-Kids-Therapie durchgeführt, bei der Kindergarten- und Volksschulkinder die PflegeheimbewohnerInnen wöchentlich besuchen. Dadurch sollen Berührungsängste abgebaut und der Kontakt zwischen Jung und Alt hergestellt werden. „Ganz neu ist ein Angebot, das wir gemeinsam mit der Hochschule für Musik und darstellende Kunst realisieren“, so Walter. „Seit Anfang Oktober kommen Studenten dieser Hochschule zu uns ans GZW, um Musiktherapie anzubieten.“
Auch die Gartentherapie wird von beiden Abteilungen gemeinsam angeboten. „Diese soll vor allem den geriatrischen LangzeitpatientInnen die Möglichkeit geben, wieder mit der Natur in Kontakt zu kommen, die Jahreszeiten wieder zu erleben“, so Fuchswang. Zur integrativen Demenzbetreuung gehören für Fuchswang und Walter aber auch die bestmögliche Aus- und Weiterbildung des Pflegepersonals sowie der Ausbau einer psychiatrischen Konsiliar-ambulanz, die das gesamte Geriatriezentrum versorgen soll.
Nicht zuletzt soll durch die Schaffung eines Integrationspavillons in naher Zukunft auch ein Umdenken in der Gesellschaft in Bezug auf alt, psychisch krank und dement bewirkt werden. „Wir glauben, dass die Vernetzung der beiden Abteilungen zu einem Multiplikator an Fachwissen und Ressourcen führen wird“, zeigte sich Fuchswang überzeugt.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 43/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben