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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Für Patienten in die Luft gehen

Kranke nach Hause zu bringen, bedarf guter Nerven und ausgeklügelter Logistik. Prim. Dr. Herwig Feik, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH Tulln, ist seit 15 Jahren unter den betreuenden, flugbegleitendenÄrzten. Er hat Patienten aus allen Kontinenten nach Österreich begleitet und dabei auch schon allerhand erlebt.

Die OAFA fliegt Ziele in der ganzen Welt an. Meist läuft alles nach Plan, aber nicht immer. Dramatisch und höchst kritisch war einmal die Situation in Lagos, Nigeria. „Wir hatten einen schwer Brandverletzten, der beatmet und intensivmedizinisch betreut werden musste, bereits an Bord, als sich Militärs vor dem Flugzeug aufpflanzten und die Fluggenehmigung verweigerten, wenn wir sie nicht zahlten“, erzählt Feik. „Nach über einer Stunde Verhandlungen zahlten wir zähneknirschend 1.000 Dollar, natürlich ohne Quittung! Dann durften wir endlich abfliegen. Wir hätten dort niemanden anrufen oder sonst wie kontaktieren können. Das bisschen Infrastruktur, das es dort gab, war in den Händen der Militärs.“ Vorfinanzieren müssen die fliegenden Ärzte öfter, und nicht überall werden Kreditkarten akzeptiert. Normalerweise gibt es aber Belege für die getätigten Ausgaben.

Beeindruckende Logistik

Gewaltig ist die Logistik hinter den Flügen. Das beginnt damit, dass direkt Versicherte einfach in Österreich anrufen und gleich mit einem Arzt oder einer Ärztin in der Einsatzzentrale sprechen. Dieser oder ein anderer Arzt, der sich mit den lokalen Ärzten verständigen kann, kontaktiert das Spital, in dem der Patient liegt, und klärt Krankheit und Transportfähigkeit ab. Feik: „Allein die Geschäftsführerin hat Spanisch zur Muttersprache, was für den gesamten südamerikanischen Raum sehr wichtig ist, und spricht fünf weitere Sprachen.“
Der Flug samt Genehmigungen muss organisiert werden. Die Ärzte stehen einerseits nach Dienstplänen bereit, andererseits schöpft die OAFA aus einem großen Pool an Notärzten und Intensivmedizinern, die man bei Bedarf anrufen kann. Schließlich ist es völlig unberechenbar, wann und wo welcher Notfall auftritt.

Flugzeuge mit Intensivmedizin

Für schwerkranke Patienten stehen einige Spezialflugzeuge mit intensivmedizinischer Einrichtung bereit. Bei diesen Flügen ist neben dem Arzt auch eine Intensivschwester oder ein Intensivpfleger dabei. Ist der Patient mobil und kann auf einem Linienflug betreut werden, wird auch diese Methode des Rücktransportes eingesetzt.„Die medizinische Abklärung ist meist telefonisch sehr gut durchführbar“, erzählt Feik. „Spannend sind aber immer wieder die logistischen Probleme. Oft muss der Weitertransport am Boden vom Flughafen zum Patienten erst vor Ort organisiert werden, und in manchen Gegenden ist auch das Hotel nicht von Wien aus zu buchen.“ Wie hektisch das werden kann, zeigt ein Beispiel aus Kuba. „Wir landeten um 17.30 Uhr abends. Ich hatte nicht viel Zeit, ein Auto und einen Fahrer für die Weiterfahrt zum Zielort aufzutreiben. Wäre mir das an diesem Abend nicht mehr gelungen, hätte uns das einen halben Tag gekostet“, erklärt der Anästhesist.
Der Lohn für die Mühe ist – neben dem Honorar und der Befriedigung, Menschen zu helfen – nicht zuletzt, dass zumindest manchmal die Gelegenheit besteht, ein oder zwei Tage vor Ort zu bleiben und neue Gegenden kennen zu lernen. „Die schönsten Plätze merkt man sich schon mal für den nächsten Urlaub vor“, so Feik.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 44/2005

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