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Dr. Herwig Lindner
 
Gesundheitspolitik 22. September 2017

„Für eine nachhaltige Lösung muss das Kassensystem neu aufgestellt werden“

3 Fragen, 3 Antworten

Dass immer weniger Ärzte ins GKK-System wollen, untermauert die langwierige Kinderarzt-Suche in Bruck an der Mur. Der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner bietet der GKK nun grundsätzliche Gespräche zur Erneuerung des veralteten Kassensystems an.

Wie lange wird schon ein Kinderarzt in Bruck gesucht? Und wie viele offene Kassenstellen gibt es in der Steiermark?

Lindner:Die Stelle in Bruck wurde erstmals im März ausgeschrieben, dann österreichweit im Juni. Trotzdem fanden sich keine Bewerber. Es ist das ein Alarmsignal, das hoffentlich auch die Gebietskrankenkasse aufweckt. Insgesamt zählen wir derzeit 13 offene Facharzt- und 20 offene Hausarztstellen. Schwierigkeiten gibt es auch in anderen Bundesländern. Aber die Steiermark liegt leider weit vorne. Im Schnitt bewerben sich die Ärztinnen und Ärzte mit 50 Jahren.

Was könnte helfen?

Lindner: Die GKK spricht immer nur von einem Landarztproblem und sucht die Schuld bei den Gemeinden, statt zu erkennen, dass die Ärzteschaft dem Kassensystem und nicht dem Land den Rücken zukehrt. Kurzfristig wird die ÄK Steiermark alles tun, um den Gemeinden weiter zu helfen, etwa durchs unbürokratische Einleiten einer österreichweiten Ausschreibung wie in Bruck oder das kostenlose Schalten von Stelleninseraten im Ärztekammermagazin.

Für eine nachhaltige Lösung wird es aber notwendig sein, das Kassensystem neu aufzustellen. Das Wichtigste ist, Jobsharing zu ermöglichen. Die Kassenmedizin ist überfrachtet mit Bürokratie, unterliegt massiven medizinischen Einschränkungen, und die Honorare sind schlecht. Kleine kosmetische Maßnahmen werden nicht mehr reichen, es braucht kreative Anstrengungen.

Das von der Gesundheitspolitik vorgestellte und hochgelobte Primärversorgungsgesetz haben Sie als Primärversorgungs-Verhinderungsgesetz bezeichnet. Warum eigentlich, wenigstens gibt es eins?

Lindner:Der Beschluss des Primärversorgungsgesetzes führt schon jetzt dazu, dass von Ärzten gestartete, ambitionierte Primärversorgungsprojekte ins Stocken geraten. Entsprechen sie nicht den exakten Vorgaben der Gebietskrankenkasse, gibt es wenig oder keine Unterstützung durch GKK und Gesundheitsfonds. Wir brauchen aber Vielfalt, und wir müssen zuerst Erfahrungen mit verschiedensten Modellen sammeln, bevor wir ein Regelwerk schaffen. Das hat die Politik leider nicht begriffen.

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