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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Gezielter Ausbau der Palliativbetreuung

Fünf Versorgungsregionen mit je einem hauptamtlichen Koordinator sieht der niederösterreichische Hospiz- und Palliativplan vor. In der ersten Ausbauphase wird der intensiveren Vernetzung der Ärzte mit dem Pflege- und Sozialbereich besondere Aufmerksamkeit zukommen.

Bereits 1998 entstanden in Niederösterreich stationäre Hospizbetten in Pflegeheimen. Im Anschluss daran begann der Aufbau mobiler Hospizdienste, von denen es inzwischen 25 gibt. Im vergangenen Herbst wurden auf Bundesebene die Weichen für eine umfassende Versorgung im Sektor Hospiz bzw. Palliativmedizin gestellt. Alle Bundesländer haben sich im Jänner dazu verpflichtet, eine umfassende Versorgung umzusetzen.Darauf aufbauend, wurde nun in Niederösterreich ein Stufenplan für den Ausbau bis 2012 erstellt. Dieser umfasst sechs Betreuungsformen: Mobile ehrenamtliche Hospizteams, mobile Palliativteams, die auch Ärzte beraten und unterstützen, Palliativ-Konsiliardienste für Heime und Spitäler, Palliativstationen in Spitälern, Tageshospiz und Hospiz in Heimen. Für diese Formen sind im Stufenplan auch einige zu erfüllende Kriterien bzw. die Ausbaugröße (siehe Tabelle) festgehalten.

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Erfahrungen aus Pilotprojekten

„Die Ärztekammer war in die Entwicklung dieses Konzepts von Anfang an involviert“, berichtet Dr. Herbert Machacek, Arzt für Allgemeinmedizin in Perchtoldsdorf. Aus seiner Sicht ist wichtig, dass bei der schrittweisen Umsetzung des Stufenplans auch auf die Erfahrungen aus vier niederösterreichischen Pilotprojekten bzw. jenen der mobilen Hospizarbeit zurückgegriffen werden kann. Umgesetzt wird der Plan in fünf Versorgungsregionen mit jeweils einem hauptamtlichen Koordinator. Diese werden in allen Bezirken auch „runde Tische“ mit Vertretern aller Gesundheits- und Sozialberufe organisieren. Für den Ausbau sind Kosten von ca. 6,9 Millionen Euro pro Jahr kalkuliert. Die Mittel dazu sollen zu ca. 77 Prozent aus dem noch zu beschließenden Reformpool der Gesundheitsplattform kommen, der Rest aus der Sozialhilfe bzw. von Selbstzahlern. Allerdings werden allein im Spitalsbereich durch die schrittweise umgesetzten Maßnahmen auch Einsparungen von mindestens ca. 1,7 Mio. Euro im Jahr erwartet.„Ein wichtiger Bestandteil der ersten Ausbauphase sind Weiterbildungsmaßnahmen zu Palliativ Care“, berichtet Machacek. Die Teilnahme von Ärzten ist ihm besonders wichtig. Das Interesse bei den Kollegen sei groß, in Wien und Innsbruck angebotene Lehrgänge seien bereits auf lange Zeit ausgebucht. Die intensivere Vernetzung der Ärzte mit dem Pflege- und Sozialbereich nimmt vor allem in der ersten Phase einen zentralen Stellenwert ein. „Palliativ Care und Hospizarbeit bedeuten interdisziplinäres Vorgehen“, betont Machacek. Wichtig wäre weiters, „dass immer der Patient im Mittelpunkt steht und seine Entscheidung, wo er die letzte Lebensphase verbringen möchte, ernst genommen wird“. Daher sei auch der geplante Ausbau der Angebote im mobilen Bereich besonders wichtig. Der Landesverband Hospiz Niederösterreich fordert die umgehende Erarbeitung von verbindlichen Regelungen und Vorgaben für den Ausbau von Palliativ- und Hospizangeboten im niedergelassenen Bereich. Am wichtigsten sei dabei eine gesicherte finanzielle Basis, die nicht vom jeweiligen politischen Willen abhängt, sondern langfristig festgelegt wird. „Es darf keine finanziellen Barrieren geben, wenn es darum geht, dass Menschen jene Betreuung und Versorgung bekommen, die sie brauchen“, wird in einer Resolution betont. Das Konzept des Ausbaus wird als Chance gesehen, tatsächlich eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung auf hohem Niveau umzusetzen. Die Caritas fordert als weitergehende Maßnahmen, Palliativ Care in das Medizinstudium zu integrieren, einen Lehrstuhl für Palliativmedizin zu schaffen und bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für die Ausbildung festzulegen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 22/2005

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