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Gesundheitspolitik 24. November 2005

Nicht jeder Arzt ist ein Schönheitschirurg

Fachärzte für plastische Chirurgie haben eine umfassende Ausbildung, als„Schönheitschirurgen“ betätigen sich aber auch andere Ärzte. Ein Anlassfall in Tirol hat jetzt Diskussionen über Qualitätssicherung zur Folge.

Das Kurzentrum in Bad Häring in Tirol verkündete vor zwei Jahren voller Stolz, dass den Patienten „ab sofort ein weiterer Facharzt für Schönheitschirurgie, ästhetische Medizin und Laserchirurgie zur Verfügung steht“. Der Leitung des Hauses legte der Facharzt für HNO Dr. Alain T. Bestätigungen für verschiedene Kurse vor, die er anscheinend besucht hatte. Der neue Schönheitschirurg führte Fettabsaugungen und diverse operative Eingriffe durch. Patienten klagten aber schon nach kurzer Zeit über die unsachgemäße Technik und durch den Eingriff verursachte Schmerzen sowie entzündete Operationswunden, die vom Arzt ignoriert wurden. Ein Verfahren wegen Körperverletzung wurde eingeleitet, Alain T. hat sich inzwischen abgesetzt.
Die SPÖ nimmt diesen Fall zum Anlass für eine parlamentarische Anfrage an Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. Damit soll ein erster Schritt zur Einführung von einheitlichen hohen Standards für den boomenden Zweig der Schönheitschirurgie gesetzt werden. „Zunächst möchte ich betonen, dass Fachärzte für plastische Chirurgie eine umfassende Ausbildung absolviert haben und sich laufend fortbilden“, so Dr. Manfred Stuffer, Vorsitzender der Österreichischen Fachgesellschaft für plastische Chirurgie. Er bedauert, dass beispielsweise Fettabsaugungen oder verschiedene ästhetische Eingriffe offensichtlich auch von Ärzten durchgeführt werden, die nicht dieser Fachrichtung angehören und auch nicht mit ästhetischen Chirurgen kooperieren.

Ruf nach Mindeststandards

„Ich halte es für sehr sinnvoll“, so Stuffer, „wenn in Österreich Mindeststandards gerade für den Bereich der ästhetischen Chirurgie eingeführt werden, an denen sich sowohl öffentliche und private Spitalsträger als auch Ärzte orientieren müssen.“ Er weist darauf hin, dass die Gesellschaft für plastische Chirurgie eine Hotline unter der Nummer 0820/820-600 eingerichtet hat, wo verunsicherte Patienten nach bereits erfolgten ästhetischen Eingriffen die Möglichkeit haben, eine kompetente fachliche Meinung einzuholen.

Wer definiert Schönheit?

Schönheitschirurgie ist, wenn es nach diversen Lifestyle-Zeitschriften bzw. ganzen Serien im Privatfernsehen geht, derzeit sehr gefragt. „Viele der so genannten Schönheitsexperten haben keinerlei vertiefende Ausbildung“, kritisiert Stuffer. Oft würde Schönheitschirurgie so dargestellt, als ginge es um etwas Alltägliches wie den Wechsel der eigenen Garderobe. Wann ein Eingriff mit Methoden der ästhetischen Chirurgie wirklich notwendig ist, darüber scheiden sich die Geister. Es gibt einige medizinische Indikationen, etwa wenn unter Fett-„Ringen“ Pilzinfektionen entstehen oder große Brüste nicht nur psychische Auswirkungen haben, sondern auch Symptome im Bewegungsapparat verursachen. In solchen Fällen übernimmt die Kasse die Kosten. Bei den meisten Eingriffen hat der Patient aber bewusst selbst zu entscheiden „Jeder seriöse Facharzt für plastische Chirurgie weist dabei darauf hin, dass Schönheits-ideale häufig auch Trends unterworfen sind bzw. stärkt das Selbstbewusstsein der Patienten in Bezug auf ihr jetziges Aussehen“, meint Stuffer.

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