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Gesundheitspolitik 1. September 2017

Apothekern eine stärkere Stimme verschaffen

Gesundheitskompetenz. Seit Kurzem ist mit der oberösterreichischen Apothekerin Dr. Ulrike Mursch-Edelmayr zum ersten Mal eine Frau an der Spitzer der österreichischen Apothekerkammer. Zu ihren Zielen zählen die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Patienten und die noch stärkere Betonung der Beratungskompetenz der Berufsgruppe, wie sie betont.

Sie haben in Ihrem Statement bei Antritt der Präsidentschaft erklärt, dass Sie die Achse der Systempartner stärken möchten. Welche Systempartner sind hier angesprochen?

Mursch-Edelmayr: Die Apothekerinnen und Apotheker sind ein wichtiger Teil des Gesundheitssystems. Um besser gehört zu werden, ist es erforderlich, dass wir uns auch eine stärkere Stimme verschaffen und auf Augenhöhe mit den anderen Gesundheitsberufen, den Verwaltungen, den öffentlichen Stellen und den Organisationen zusammenarbeiten.

Welche Angebote/ Projekte stellen Sie sich vor oder sind schon geplant?

Mursch-Edelmayr: Wir möchten klare Gesundheitsvorsorge und –versorgungsziele umsetzen. Durch die demografische Entwicklung und den prognostizierten gleichzeitigen Verlust von Arztstunden wird eine niederschwellige professionelle Gesundheitsversorgung immer wichtiger. Das heißt, wir Apothekerinnen und Apotheker werden künftig noch stärker Patienten begleiten, nicht zuletzt, um die Ärzte zu entlasten. Das bedeutet aber auch, dass wir die Gesundheitskompetenz der Patienten weiter stärken und unsere Beratungskompetenz noch mehr in den Mittelpunkt stellen.

Wo lässt sich anknüpfen? Welche Kooperationen bestehen bereits und sollen ausgebaut werden?

Mursch-Edelmayr: Im Zentrum unserer Arbeit werden die Optimierung der Arzneimittelversorgung, praxisnahes Medikationsmanagement und eine Adherence-Offensive sowie die spürbare Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Österreicher stehen. Das heißt: darauf schauen, dass die Menschen die ihnen verordneten Medikamente nach entsprechender Wechselwirkungs- und Interaktionsprüfung überzeugt und richtig einnehmen.

Gleichzeitig werden wir den Menschen Gesundheitskompetenz vermitteln und sie so umfassend beraten, dass sie wissen: Dies ist gut für mich, jenes nicht, mit diesen Beschwerden muss ich zum Arzt, mit jenen nicht. Als Gesundheitsdrehscheibe haben wir das Know-how, den Menschen dabei zu helfen, diese Kompetenz zu entwickeln. Und auch hier baue ich auf die Zusammenarbeit und Synergien mit der Ärzteschaft und allen anderen Gesundheitsberufen. Wir sollten gemeinsam im Sinne und zum Wohle der Patienten arbeiten – niemals gegeneinander.

OÖ ist ein gutes Beispiel mit Pilotprojekten wo die interprofessionelle Zusammenarbeit funktioniert – lässt sich manches in größerem Maßstab ausbauen? Welche Erfahrungen gibt es, die man nützen kann?

Mursch-Edelmayr: Wir haben in Oberösterreich ein gutes Einvernehmen mit unseren Partnern aufgebaut, sei es mit dem Land, aber auch mit den anderen Berufsvertretungen oder Institutionen. Sehr gute Erfahrungen konnten wir bereits bei Vorsorge- und Screening-Maßnahmen sammeln, die letzte erst jetzt bei der Gefäßalter-Messung in den Apotheken.

Sie möchten auch die Leistungen der Apothekerschaft im gesamten Gesundheitswesen klarstellen – als ein Beispiel könnte man die Honorierung der Beratung in Kooperation mit der UNIQA sehen. Kann dieses Projekt als Vorbild für andere Versicherungen dienen? Auch für andere Leistungen?

Mursch-Edelmayr:Im Zentrum unserer Arbeit werden die Optimierung der Arzneimittelversorgung, praxisnahes Medikationsmanagement und eine Adherence-Offensive sowie die spürbare Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stehen. Dazu appelliere ich an die Politik, das Potenzial der Apothekerinnen und Apotheker anzuerkennen und auszuschöpfen. Wir haben hohe Beratungskompetenz in strukturierter Form, hohe soziale Kompetenz und sind ganz nah am Menschen.

Wenn die Politik die deklarierten Gesundheitsziele erreichen will, wird sie nicht umhin können, die Apotheker entsprechend ihrem Ausbildungs- und Leistungsportfolio einzubeziehen. In der Apotheke passiert mehr als nur die Abgabe von Medikamenten. Gerade unsere Beratungsleistung ist in strukturierter Form ein ganz wesentlicher Beitrag zur Vorsorge und Versorgung. Eine Honorierung spezialisierter Beratungsleistungen ist heutzutage eine Notwendigkeit.

Gibt es für das von Ihnen angesprochene Miteinander von selbstständigen und angestellten Apothekern konkrete Pläne oder Projekte zur Stärkung?

Mursch-Edelmayr: Innerhalb unserer Standesvertretung geht es mir um ein Miteinander von selbstständigen und angestellten Apothekerinnen und Apothekern als echte Erfolgspartnerschaft, mit der wir unsere Position nachhaltig verankern. Das soll nicht an einzelnen Projekten festgemacht werden, sondern ist eine Grundeinstellung.

Würden Sie sich eine stärkere Einbindung der Apotheker in die Primärversorgungszentren bzw. in die Primärversorgungsnetzwerke wünschen oder ist die bestehende/geplante Einbindung schon adäquat?

Mursch-Edelmayr: Die Apotheken müssen natürlich auch ein Teil des Primärversorgungsnetzwerkes sein. Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene müssen die Apotheken strukturiert in die Gesundheitsversorgung und Gesundheitsvorsorge und selbstverständlich auch in die Zielsteuerungsverträge miteinbezogen werden.

Stichwort: Versorgung in ländlichen Gebieten. Ist sie in der derzeitigen Form ausreichend oder sollte es Anpassungen an die demografische Entwicklung geben? Was würden Sie sich diesbezüglich von der Politik wünschen?

Mursch-Edelmayr: Die Landflucht ist spürbar, die Schwierigkeit, entlegene Ordinationen zu besetzen ebenso. Neue Konzepte sind hier erforderlich. Die Apotheken sind ja flächendeckend über ganz Österreich verteilt, die Hälfte davon am Land oder in Kleinstädten. Wir bauen auch unseren Zustelldienst am Land sukzessive aus.

Die technischen Veränderungen betreffen auch die Apotheken – wie sehen Sie die Zukunft der Apotheken in Österreich?

Mursch-Edelmayr: Die Apotheken kombinieren in einer sehr schönen Art und Weise Tradition und Innovation. Neue Techniken zu nutzen ist für uns täglich Brot, alleine durch die vollelektronische Rezeptabrechnung, die technischen Möglichkeiten in der Logistik und die Erfahrungen mit der Apo-App sind die Apotheken als eher technikaffin einzuordnen.

Wir bedienen uns aller sinnvollen Möglichkeiten, die die Technik zu bieten hat. Wobei: Am Ende des Tages will der Mensch mit einem Menschen sprechen.

Wir haben hohe Beratungskompetenz in strukturierter Form, hohe soziale Kompetenz und sind ganz nah am Menschen.

Dr. Ulrike Mursch-Edelmayr

Verena Kienast
, Apotheker Plus 7/2017

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