zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. November 2005

Honorareinbußen für Ärzte durch Kassenfusion

Die Verhandlungen über den neuen ­Gesamtvertrag sind abgeschlossen. Bei den Ärztehonoraren werden im Schnitt Einbußen bis zu acht Prozent erwartet.

Von der neuen „Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau“ (VAEB) werden nach der seit Jahresanfang gültigen Zu sammenlegung insgesamt etwa 300.000 Menschen betreut, sowohl im Bereich der Krankenversicherung als auch der Pensionsvor-sorge. Die Regierung erhofft sich davon Einsparungen, weil auch diese Kassen seit langem defizitär arbeiten. Als eine der Maßnahmen sollen Posten, die durch „natürliche Abgänge“ frei werden, nicht nachbesetzt werden. Immerhin sind bei der VAEB 513 Mitarbeiter im Verwaltungsbereich und 337 in den Gesundheitseinrichtungen tätig. In den Bahnhöfen von Villach und Linz werden in Beratungszentren künftig auch spezifische Gesundheitsberatungen wie Raucherentwöhnung, Ernährungsberatung, etc. angeboten. Erweiterungen mit Themen wie Stress, Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Zahngesundheit und betriebliche Gesundheitsförderung sind geplant. Als Serviceleistung soll auch Schnittstellenmanagement bei der Vermittlung von mobiler sozialer und medizinischer Hilfe sowie von Kontakten zu Selbsthilfegruppen umgesetzt werden. Außenstellen der VAEB finden sich auch in Salzburg, Innsbruck und Graz.

Reduktionen im Laborbereich

„Im 2003 beschlossenen Gesetzestext wurde von Anfang an festgehalten, dass sich die Honorarverhandlungen an den finanziellen Möglichkeiten der VAEB zu orientieren haben“, berichtet Dr. Günther Wawrowsky, Bundesfachgruppen-Obmann Innere Medizin. Die Verhandlungen sind nun ab-geschlossen und bringen im Schnitt bis zu acht Prozent Einbußen bei den ärztlichen Honoraren. Diese ergeben sich vor allem durch Reduktionen im Laborbereich, was insbesondere Allgemeinmediziner und Internisten betrifft. In manchen Bundesländern, darunter Wien, gibt es relativ wenige Versicherte der VAEB. Deshalb werden die Auswirkungen dort nicht so stark spürbar sein wie in anderen Regionen, wo auf VAEB-Versicherte ein relativ großer Anteil entfällt.

Ein „Ja mit Bauchweh“

Dem Ergebnis der Honorarverhandlungen müssen noch dieÄrztekammern aller Bundesländer zustimmen. Aus Niederösterreich wird es aus „taktischen Gründen“ ein „Ja“ geben. Eine Alternative wäre der Wechsel aller Versicherten in den §2-Bereich, was Honorareinbußen von bis zu 30 Prozent bringen würde. Das jetzige „Ja mit Bauchweh“ erfolgt auch auf Grund der sozialen Situation vieler Versicherten der VAEB.„Es sollte das letzte Mal sein, dass wir Ärzte solche herben Kürzungen akzeptieren“, betont Wawrowsky, „vor allem in einem Umfeld, das davon geprägt ist, dass Beamte ständig neue Auflagen für die Ärzte ersinnen oder in Aktionen wie der Chefarztpflicht Neu den bürokratischen Aufwand vervielfachen.“ Wawrowsky erinnert auch an Pläne, wonach Ärzte, die seit Jahren in ihrem Beruf tätig sind, Kurse über Verbandwechsel nachweisen müssten.

Belastungsgrenzen erreicht

„Der Bogen der Belastungen ist überspannt“, so der Internist. „Es ist Zeit, dass wir Ärzte deutlich zeigen, wo unsere Schmerzgrenzen sind bzw. Grenzen, innerhalb derer noch eine qualitative medizinische Versorgung möglich ist.“ Wawrowsky meint damit unter anderem die mit Jahresbeginn 2006 vorgesehene Zusammenlegung der Sozialversicherungsanstalten der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) mit jener der Bauern. Viele der aktuellen Belastungen für Ärzte wären auch durch das kontinuierliche Lobbying der Wirtschaftskammer entstanden, die eigentlich nur 10 Prozent der Österreicher vertritt. „Sie geben Ziele für Steigerungsraten im medizinischen Bereich vor und knüpfen diese an das Bruttoinlandsprodukt, als würde man beim Schuhkauf die Kragenweite als Maß nehmen“, kommentiert Wawrowsky und fordert einen Ausstieg aus dem Vertrag mit der SVA. Diese Zusammenlegung würde massive finanzielle Einbußen für die Ärzte bringen, obwohl die SVA positiv bilanziert.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben