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Hans Peter Hutter
 
Gesundheitspolitik 25. August 2017

„Ein Schuss vor den Bug, der uns wachrütteln sollte“

3 Fragen, 3 Antworten

Auch wenn die Folgen einer Fipronil-Vergiftung – im Vergleich zu Verunreinigungen mit Dioxinen – überschaubar sind – Skandale bei Lebensmitteln sind ein Alarmsignal. Sie sind zumindest indirekt eine Folge des westlichen Lebensstils, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

Wie wirkt sich Fipronil beim Menschen aus? Hutter: Selbst wenn man vom Worst Case ausgeht, sind belastete Eier oder Teigwaren für einen Erwachsenen kein Problem. Selbst für einen Bodybuilder, der eventuell sehr viele Eier zu sich nimmt. Bei Kindern kann die sogenannte „akute Referenzdosis“ hingegen erreicht werden. Allerdings hat dies auch hier nur kurzfristig subtile Auswirkungen und zeitigt keine Langzeitfolgen. Anschaulich ist vielleicht folgender dokumentierter Vergiftungsfall: Eine Frau, die aus Versehen einen fipronilhaltigen Ameisenköder gegessen hatte, hatte damit 0,14 mg in einem Stück aufgenommen. Sie hatte dennoch nur milde Beeinträchtigungen des Sensoriums. Denken Sie hingegen an den Fall von dioxinverunreinigtem Futtermittel vor einigen Jahren. Konkret wurde das Fett im Futtermittel tonnenweise verseucht. Dioxin ist hochgiftig, ein Ultragift, da geht es um Picogramm. Damals (2011, Anm.) lag allerdings keine kriminelle Handlung vor, sondern eine unabsichtliche Verunreinigung. Wenn nun Betriebe mit Millionen Hühnern betroffen sind, werden die verbotenen Stoffe kreuz und quer verteilt. Daraus ergibt sich die Frage, ob diese enormen Mengen Fleisch, die erzeugt werden, notwendig sind. Aus ernährungsmedizinischen Erhebungen und Verzehrsdaten geht eindeutig hervor: Wir essen zu viel Fleisch. Jeder Skandal ist Anlass über diese Zusammenhänge nachzudenken, ein Schuss vor den Bug, der uns wachrütteln sollte.

Wie stark reichert sich Fipronil im Organismus an?

Hutter:Wenn das Huhn kontaminiert ist, ist das Pestizid im Ei und im Küken nachweisbar. Es gibt definitiv eine Anreicherung im tierischen Organismus, daher gehe ich davon aus, dass die lipophile Substanz im menschlichen Gewebe gespeichert wird.

Sorgen wir uns wegen der falschen Stoffe?

Hutter:Es gibt eine verbreitete Kritiklosigkeit z. B. bei Duftstoffen. Duftlampen, duftende Mistsackerln und Radiergummis werden wohlwollend angenommen. Dahinter verstecken sich Chemikalien unterschiedlicher Provenienz, viele praktisch ohne Daten hinsichtlich chronischer Effekte. Auch Kaminfeuer werden positiv beurteilt, dabei sind sie eine passive Feinstaubquelle im Haus.

 

 

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