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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Ein direkter Draht zum Arzt

Wie erreichen Patienten am schnellsten den diensthabenden Arzt? Die Ärztekammer für Kärnten geht einen neuen Weg, wobei jeder Anruf etwas mehr als normal kostet. Dafür erntete sie Kritik von mehreren Seiten.

Österreichweit war die Alarmierung von diensthabenden Ärzten lange Zeit dezentral organisiert. In vielen Bundesländern, darunter Tirol, Niederösterreich und eben Kärnten, werden derzeit Bezirksfunkzentralen des Roten Kreuzes auch aus Kostengründen zu Leitstellen zusammengeschlossen. Klaus Pabautz vom Roten Kreuz Kärnten sieht darin „einen Weg zur Verbesserung der Versorgungsqualität. In der Leitstelle arbeiten speziell ausgebildete Disponenten mit optimaler EDV-Unterstützung.“ Pabautz weist den Vorwurf zurück, mangelnde Kenntnisse über lokale Gegebenheiten würden Probleme verursachen: „Mit der zentralen Leitstelle kann der Einsatz aller verfügbaren Rettungsmittel besser koordiniert werden. Es ist bedauerlich, dass in diesem Punkt keine gute Kooperation mit der Ärztekammer wie in Niederösterreich (siehe Kasten) möglich ist.“„Aus Sicht der Ärzte muss ich leider sagen, dass die Kooperation mit den Rettungsorganisationen in einigen Regionen Kärntens nicht optimal läuft“, sagt Dr. Gert Wiegele, Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte in Kärnten. Bei Notfällen würde der diensthabende Arzt in vielen Fällen nicht informiert. Zu oft kämen Rettungswagen bzw. Hubschrauber zum Einsatz, obwohl dies nicht nötig bzw. der diensthabende Arzt manchmal schneller vor Ort wäre.

Bessere Koordination möglich

„Oft haben Kollegen von Notfällen nur dadurch erfahren, dass sie die Rettung vorbeifahren sahen“, merkt Wiegele an. Mit dem neuen System der Ärztekammer würde sich auch ein ökonomischer Vorteil ergeben, weil der Arzt besser koordinieren könne. Ab Oktober wird in Kärnten mit einem privaten Telefonanbieter eine 0900-Mehrwertnummer angeboten, an die der Patient die Postleitzahl anfügt und so direkt mit einem Arzt verbunden wird.„Aufgebaut wird auf das kärntnerische System der diensthabenden Ärzte, das im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut funktioniert“, sagt Wiegele. Er sieht dies „als Serviceleistung, als innovatives Projekt“. Wenn es sich bewährt, werde es über die Landesgrenzen hinaus Vorbildwirkung haben. Den Vorwurf in Medien, damit finanzielle Interessen zu verfolgen, weist Wiegele zurück: „Wir Ärzte verdienen an den Telefongebühren keinen Cent und rufen die Patienten natürlich auch gerne zurück.“
Ein Anruf bei der neuen Service-Telefonnummer kostet 1,80 Euro pro Minute, wobei ein durchschnittliches Gespräch laut Wiegele zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten dauert. Mit der verrechneten Gebühr würde der technische Aufwand abgegolten bzw. die Verbindungssicherheit gewährleistet. „Ich kann nicht verstehen“, so der Kurienobmann, „wieso es nicht möglich ist abzuwarten, wie sich das neue System technisch bewährt bzw. von den Patienten angenommen wird.“ Stattdessen werde das Vorhaben vorverurteilt. Eine große Tageszeitung verglich die Ärztekammer sogar mit Anbietern von Sex-Hotlines. Nach wie vor aufrecht bleibt die für ganz Kärnten gültige Nummer 141. „Sollte also ein Arzt nicht erreichbar sein, weil er gerade im Einsatz oder außerhalb des telefonischen Versorgungsgebietes ist, wird der Anrufer direkt an die Landesleitstelle des Roten Kreuzes weitergeleitet“, betont Wiegele.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 34/2004

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