zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 23. November 2005

Ablehnung der Chefarztpflicht Neu in Wien

Scharfe Kritik am offiziellen Begutachtungsentwurf zur Neuregelung der Chefarztpflicht. Vor allem die Kosten für die Übergangslösung mit Faxgenehmigung seien hinausgeworfenes Geld.

Der Begutachtungsentwurf des Gesundheitsministeriums wird sowohl von der Ärztekammer für Wien als auch von der Wiener Gebietskrankenkasse und der Pharmig, dem Branchenverband der österreichischen Pharmaindustrie, zur Gänze abgelehnt. Der neue Entwurf gehe dramatisch zulasten der österreichischen PatientInnen, die durch die Fax- und E-Mail-Bewilligung längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Zudem erfordere der höhere bürokratische Aufwand auch höhere Kosten, die nicht in Relation zu den Einsparungen stünden, die durch die Nicht-Bewilligung chefarztpflichtiger Medikamente eingespart werden könnten, so die Kritik. Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer: „Die besondere Chuzpe bei dieser Verordnung ist, dass die Ärztinnen und Ärzte ein Fax an einen anonymen Chefarztfaxserver schicken sollen, wo ein eigener ’Fax-Chefarzt‘ inner-halb von 30 Minuten entscheidet, obwohl er den Patienten noch nie zu Gesicht bekommen und keine Ahnung von seiner Krankengeschichte hat.“ Für den Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, ist der vorliegende Verordnungsentwurf nur „ein weiteres Beispiel für die mangelhafte Umsetzung eines positiven Zieles in der österreichischen Gesundheitspolitik“. So seien der Administrationsaufwand und die Bürokratie bei der geforderten Dokumentation und bei der Bewilligungsabwicklung beträchtlich. Den Möglichkeiten für Zielvereinbarungen würden extrem enge Grenzen gesteckt, kreativen Lösungen kein Raum gegeben. Die so genannte „Fax-Lösung“ würde gegenüber der heutigen Handhabung für eine große Gruppe von Patienten eine Verschlechterung bedeuten. Bittner will eine konsensuelle Lösung mit der Ärzteschaft. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig, betont, dass die Pharmabranche schon seit Jahren die ersatzlose Streichung der Chefarztpflicht fordert. Huber: „Der Verordnungsentwurf bedeutet das Aus für moderne Medikamente in Österreich, die Rechnung dafür zahlen die Patienten.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben