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Gesundheitspolitik 11. November 2005

Ärzte? – Pfui!

Die ständigen Erschwernisse, Belastungen und Schikanen für uns niedergelassene Ärzte sind ja evident. Unklar war nur, welcher Plan dahinter steckt. Ich wollte bisher nie glauben, was man da und dort hinter vorgehaltener Hand munkeln hörte: dass nämlich im Ministerium eine streng geheime Abteilung damit beauftragt ist, möglichst alle freiberuflichen Ärzte in ein Burn-out-Syndrom und damit in die Berufsunfähigkeit zu treiben, um den Weg für ein staatliches Gesundheitssystem frei zu machen. Durch Zufall gelangte das folgende „Dokument“ aus dem Gesundheitsministerium in meine Hände. Nun erscheint alles in einem neuen Licht.

Eines Tages im Gesundheitsministerium …

… zwei Ministerialräte unterhalten sich. Da betritt ein junger Mann das Zimmer.

Dr. Lerner: Entschuldigung die Störung, aber wegen der Haus-apothekenbetriebsordnung hätt‘ ich ein paar Fragen.

Min.-Rat Finkel: Fragen‘S nur!

Dr. Lerner: Den Sinn von der optischen Kontrolle hab ich nicht ganz durchschaut. Der Arzt kann ja höchstens schauen, ob das Schachterl vertepscht is oder sowas. Das macht er eh, wenn er‘s verschreibt und ausgibt. Was soll er denn sonst noch kontrollieren? Könnt‘ ma das net ersatzlos streichen ohne Schaden? Und dann ...

Min.-Rat Finkel (unterbricht ihn): Nicht so ungestüm, junger Mann! Die Farbe der Tabletten, die Unversehrtheit der Kapseln, fehlende Trübung bei flüssigen Zubereitungen, Vollständigkeit des Inhalts und tausend andere Sachen.

Dr. Lerner: Aber es gibt ja immer mehr verschlossene Packungen, die man aufreißen müsste und dann kaum mehr ausgeben kann. Außerdem sind ja schon viele Spezialitäten so eingeblistert, dass man den Inhalt gar nicht mehr sieht. Ich glaube ...

Min.-Rat Finkel (ungehalten): Glauben können‘S in der Kirche! Oder glauben‘S ma wenigstens, dass das alles schon seinen Sinn hat.

Min.-Rat Gscheit (zu Finkel): Soll‘n ma ihm‘s sag‘n?

Min.-Rat Finkel: Später, wenn er sich bewährt. (Zu Lerner): Haben Sie verstanden? Ihre Aufgabe ist ja nur, unsere Gedanken in eine juristische Form zu bringen, weil wir das einfach selber nimmer schaffen – sind ja 92 Verordnungen geplant noch in dieser Periode. Dass uns halt nicht wieder das Justizministerium dazwischenfunkt wie bei der Korruption. Das mit der Freiheitsstrafe bei mehr als zehn Kugelschreiber im Jahr hamma ja dann eh net rein-gschrieben in den Entwurf.

Min.-Rat Gscheit und Dr. Lerner (zugleich): 92 Verordnungen?! Sapperlot!

Min.-Rat Finkel: Die Frau Minister wünscht das. Der gesetzlose Zustand in den Praxen der Ärzte muss ein Ende haben. Die EKGs müssen wir in die Spitäler bringen, da hamma schon was geplant, dann hamma die Blutabnahmen-Vereitelungs-, nein, jetzt soll sie ja BAKQS-VO, also Blutabnahmenkontroll-und-Qualitätssicherungs-Verordnung heißen, also dass zum Beispiel eine Qualität der Blutabnahme nur bei einer gewissen Mindestanzahl, sag‘n ma, zehn oder zwanzig täglich, gesichert ist, dann muss ein Sanitäter dabei sein, dann soll ... jetzt hab ich den Faden verloren.

Dr. Lerner (nützt die Pause): Aber dann gibt‘s ja bald keine Ärzte mehr draußen.

Min.-Rat Finkel und Min.-Rat Gscheit wechseln bedeutungsvolle Blicke.

Min.-Rat Gscheit (zuerst zu Finkel gewandt): Ach was, jetzt sag ich‘s ihm. (Zu Lerner): Das is ja der Sinn von die ganz’n Sachen, Sie Tschapperl. Tschuldigen, wenn ich Sie so nenn; is ja lieb gemeint, sie könnten ja mein Sohn sein.

Dr. Lerner: --- ??

Min.-Rat Finkel: Schaun‘s, da is einfach die Qualität net so gegeben wie in den Kliniken. Und diese Freiberufler lassen sich halt so schwer gängeln, wenn ich ganz ehrlich sein soll. Sie sind uns ja als verschwiegen empfohlen worden. Das is ja klar, dass da nix nach außen dringen darf? In zehn Jahren soll die Provinz draußen ordinationsfrei sein. – Schad nur, dass ich‘s nimma derleb‘.

Min.-Rat Gscheit: Freilich derlebst es. Aber tun ma uns nicht verzetteln, wir müssen heute noch die wesentlichen Punkte der Haus-besuchs-QS-Verordnung festmachen, damit Sie‘s dann nächste Woche gleich in den Gesetzestext gießen können. Und jetzt, wo‘S eh schon alles wissen ...

Min.-Rat Finkel (wirft ein): Nicht alles! Min.-Rat Gscheit: ... können‘s gleich da bleiben und beim brain storming helfen.

Dr. Lerner (begeistert): Gern!

Min.-Rat Gscheit: Also das meiste hamma eh schon: Behördliche Überprüfung des Visitenautos, wahrscheinlich wiederkehrend, das is noch offen, Video-Aufzeichnung der Visite, dann, dass der zuständige Amtsarzt – für die müss ma auch a bissl was tun – bei jeder zehnten Visite mitfahrt kontrollieren, oder sagen wir besser: qualitätssichern.

Min.-Rat Finkel: Wie soll denn das gehen, ich mein organisatorisch, wenn da zum Beispiel eine dringende Visite ist und ...

Min.-Rat Gscheit: Was ist denn auf einmal los mit dir? Um das hamma uns doch noch nie kümmert. Willst leicht an guten Eindruck machen bei dem jungen Kollegen? Müssen sie sich halt z‘sammreden die Herren Ärzte. Und Damen Ärztinnen natürlich, politisch korrekt, hihihi!

Dr. Lerner (plötzlich ganz eifrig): Könnt‘ ma net auch die Autofahrt selbst mit Video aufzeichnen lassen – wegen der StVO und so.

Min.-Rat Gscheit: Bravo! Prima Idee! Ich glaub, jetzt haben‘S es erfasst.

Die Frau Minister betritt das Zimmer.

Frau Minister: Guten Morgen, die Herren! – Wen hamma denn da? Ein neuer Kollege?

Min.-Rat Finkel: Guten Morgen, Gräfin! Ja, des ist der Doktor ... jetzt hab ich den Namen vergessen.

Frau Minister (stirnrunzelnd): Doktor? Doktor? Min.-Rat Finkel (beeilt sich, schnell): Er ist Jurist.

Frau Minister (an Dr. Lerner gewandt): Dann is ja gut. Jetzt hab ich schon einen Moment lang glaubt, Sie sind Mediziner! – Philosophie, Psychologie, Theologie, Wirtschaft, alles andere ist mir recht. (Zu allen dreien): Soll ich den gelben oder weißen Hut in Ascot nehmen? Sie wissen ja, ich fahr jetzt mit meinem Mann auf ein paar Tage nach England, keine Vergnügungsreise, Herr Doktor, sondern das Gesundheitssystem studieren und am Donnerstag bin ich dann wieder da – Welchen Hut soll ich jetzt nehmen?

Min.-Rat Gscheit: Ähem. Wir hätten da noch ein paar Unterschriften, Frau Minister.

Frau Minister (jovial): Na gut! Geb‘ns her! Was hamm denn da? Hygieneverordnung, sehr gut! Ich tu mir auch immer die Händ waschen, wenn ich heimkomm vom Reiten.

Min.-Rat Gscheit: Da geht‘s mehr drum, dass die Ärzte draußen nimma so mir-nix-dir-nix Wunden versorgen, sondern halt alle ins Krankenhaus schicken, sie wissen schon (leise, verschwörerisch): das Fernziel!

Frau Minister: Ah, ja. Wissen mir schon was über die Burn-out-Rate?

Min.-Rat Finkel: Bald. Die Maßnahmen beginnen schon zu greifen, aber das dauert halt eine Zeit, bis das in der Statistik zu sehen ist.

Frau Minister: So jetzt muss ich aber weg. Der Serafin kommt heut abend, der weiß auch a Menge über Xundheit und so. (Tritt ab)

Min.-Rat Gscheit: Ich geh dann auch ins Wochenende. Dr. Lerner, sie könnten ja die HBQS-VO ausarbeiten derweil und – fast hätt ich‘s vergessen: Unbedingt mit die Ärzte reden, dann können wir wieder sagen – wie bei un-serem Meisterstück, dem EKO (weiter in höhnischem Tonfall): „Die Ärzte waren immer eingebunden!“ (Er und Finkel lachen schallend.)

Dr. Lerner (in einem letzten Anfall von Aufmüpfigkeit): Aber war das nicht schon ein bissl viel verlangt ... über Silvester ... und manche Ärzte …

Min.-Rat Finkel (scharf): Hör‘n’S auf, sind sie vielleicht eingschleust worden? Mein Sohn geht ins Gymnasium Unterstufe und hat übers Wochenende den ganzen Larry Potter oder wie der heißt ausg‘lesen. Da kann man von Akademikern doch verlangen, dass sie die paar Hundert Seiten in 24 Stunden lesen. Hör‘n’S jetzt auf mit dem Larifari, sonst lass ich sie wieder versetzen. Wir müssen doch an einem Strang ziehen! Die EKO hat uns überhaupt ein gutes Stück weiterbracht. Da gibt‘s ein Fernziel, wenn Sie das noch nicht kapiert haben.

Min.-Rat Gscheit (beschwichtigend): Er macht das schon. (Zu Lerner): Lieber Kollege, knien sie sich da hinein bis nächste Woche! Ganz wichtig ist, dass die Öffentlichkeit und vor allem die Zeitungsleute keinen Wind von der Sache bekommen, sonst hamma ein Problem. Solange nur die Ärzte maulen – wen kümmerts! Gut wär halt, wenn ma a bissl am Image von die Ärzte kratzen könnten: kriminalisieren, als unfähig hinstellen, ... alles halt, was Erfolg verspricht. Schwer wird‘s trotzdem. Da hamma noch viel Arbeit.

Frau Minister (steckt den Kopf herein): Hat wer meinen Ohrring gesehen, ich muss ihn irgendwo da verloren haben?

Die drei Herren beginnen am Boden zu suchen.

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