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ÖVP-Chef Kurz und SPÖ-Chef Kern: Was wollen die Spitzenkandidaten zur Verbesserung der Gesundheit ihrer Wähler tun

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Dr. Florian Stigler, Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Graz
(c) privat

 
Gesundheitspolitik 7. Juli 2017

Dr. Stigler macht Druck

Wahl 2017. Ein Forscher will sich den Wahlkampf nicht erste Reihe fußfrei geben, sondern aktiv eingreifen und sogar Themen setzen. Grund dafür: Maßnahmen wie jene für die rauchfreie Gastronomie dürften nicht mehr zurückgenommen werden. Stigler überprüft Wahlprogramme auf Herz und Nieren.

Ob Peter Pilz demnächst Post von seinem steirischen Landsmann Dr -Florian Stigler bekommt, war zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht absehbar. Alle anderen Parlamentsparteien – auch die nicht mehr antretende Liste Stronach-Sprecherin Ulla Weigerstorfer wurde bedacht – dürfen sich auf eine eingehende wissenschaftliche Analyse ihrer gesundheitsrelevanten Aussagen und Festlegungen gefasst machen. „Wie gesund sind die Wahlprogramme der Parteien", fragt der Forscher der MedUni Graz. Die Antworten gibt er Mitte September.

Die Ausgangslage skizziert Stigler so: Im EU Vergleich leben Österreicher um ein Jahr länger, sind jedoch auch fünf Jahre länger krank. Diese hohe Krankheitslast lasse sich vor allem durch ungesunde Ernährung, Rauchen und Alkoholkonsum erklären. Es scheine in Österreich schwieriger zu sein, einen gesunden Lebensstil zu führen, als anderswo. Hauptgrund dafür ist eine zahnlose Gesundheitspolitik, die anderen Ländern um Jahrzehnte hinterher hinkt. Was die Parteien dazu zu sagen haben und welche Maßnahmen sie planen, das will Stigler genau unter die Lupe nehmen.
Wie viel einfacher hätte er es sich machen können, würde er Ja/Nein-Themen vornehmen, oder auch Themen, über die sich streiten lässt wie Integration und soziale Ungleichheit, noch dazu wo Migration wohl das politische Leitthema in diesem Wahlkampf sein wird. Aber Stigler bleibt grundsätzlich: „Prioritär beschränken wir uns auf die drei Haupt-Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung, Anm.). Sonst hätten wir auch die Diskussion um eine verpflichtende Masern-Impfung oder über den Ausbau der Primärversorgungszentren zugrunde legen können. Wenn jede Partei eine gut überlegte Maßnahme zu jedem dieser drei Hauptproblemen vorlegen kann, dann haben wir schon was richtig gemacht."

Gesundheitsthemen werden eher selten zu Wahlkampfschlagern, es sei denn der Gesundheitszustand eines Kandidaten steht zur Debatte – im Vorjahr sah sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen genötigt, den Krebsspezialisten Christoph Zielinski von der ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden. Stigler nimmt sich selbst bei der Nase: „Ich hoffe, dass Gesundheitsthemen eine Rolle spielen werden und ich hoffe, dass so eine Ankündigung dazu beitragen kann. Ich glaube, dass die Gesundheitsgemeinde bisher nachlässig war und sich zu wenig darum bemüht hat. Andere schreien wesentlich lauter."

Der Grund für die ärztliche Zurückhaltung: „Es gibt die große Angst, dass beschlossene Rauchgesetze, die ja grundsätzlich in die richtige Richtung gehen, nicht zur Umsetzung gelangen könnten. Wie z. B. im Fall der rauchfreien Gastronomie. Hier liegt Österreich im internationalen Vergleich weit hinten. Wir haben es spät aber doch geschafft, wichtige Maßnahmen zu setzen. In der Gesundheitsgemeinde wird gemunkelt, dass eine Partei überlegt, etwas zurücknehmen."

Der Hintergrund der Befürchtungen ist zwar bekannt, man kann ihn aber nicht oft genug hören: Rund 11.000 Österreicher sterben jährlich an den Folgen des Rauchens. „Schon wer eine bis vier Zigaretten pro Tag raucht, verdreifacht sein Risiko für Herzinfarkt bzw. Lungenkrebs", sagt Prof. Dr. Manfred Neuberger.

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