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Gesundheitspolitik 23. November 2005

Missbrauch ärztlicher Leitlinien durch Politik?

Vorstand der Ärztekammer für Wien fordert die sofortige Aufhebung des Gesundheitsqualitätsgesetzes.

Der Vorstand der Ärztekammer für Wien hat sich vergangene Woche einstimmig gegen das Gesundheitsqualitätsgesetz mit den darin angeführten Behandlungsrichtlinien und -leitlinien ausgesprochen und eine sofortige Aufhebung des Gesetzes gefordert. Grund dafür ist die strikte Ablehnung jeglicher Priorisierung und Präjudizierung ärztlicher Entscheidungen. Genau das sei aber Bestandteil des Gesetzes, kritisierte Ärztekammerpräsident MR Dr. Walter Dorner. Dorner sprach dabei wörtlich vom „Missbrauch ärztlicher Leitlinien durch die Politik“. Für die Behandlung von Patienten seien Leitlinien nämlich nur insofern von Bedeutung, als vorhandenes Wissen leichter erschlossen und zugeordnet werden kann. „Daher sind die in der Leitlinie dargelegten Verfahrensweisen in keiner Weise geeignet“, so Dorner, „im betreffenden Einzelfall konkrete Entscheidungen ausreichend zu begründen.“ Der im Gesundheitsqualitätsgesetz verwendete Begriff von Leitlinien bevorzuge hingegen ausschließlich so genannte Handlungskorridore, wo Abweichungen im Einzelfall ausführlich zu begründen sind. Dorner: „Wir lehnen das dezidiert ab, da solche Korridore die konkrete Patientensitua-tion nicht umfassend berücksichtigen und den Arzt aufgrund von abstrakten Vorgaben eventuell zu unnötigen und unsachgerechten Entscheidungen und Handlungen und zu einer Rechtfertigungs- und Defensivmedizin nötigen.“ Bestrebungen von staatlichen Stellen, Leitlinien, Disease-Management-Programme etc. zu erlassen, deren Nichteinhaltung unter Sanktion steht, seien zudem als unethisch abzulehnen.

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