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© MARTIAL TREZZINI / picture alliance
Der designierte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus tritt sein Amt am 1. Juli an.
 
Gesundheitspolitik 30. Mai 2017

Plötzlich Direktor

WHO. Der äthiopische Malariaforscher Tedros wird Chef der Weltgesundheitsorganisation. Tedros übernimmt das Amt von seiner umstrittenenen Vorgängerin Margaret Chan. Doch auch der Neue wird heftig kritisiert.

Der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus ist zum neuen Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewählt worden. Das teilte die UN-Behörde am Dienstag mit. Bei der Abstimmung setzte er sich im dritten Wahlgang gegen zwei weitere Kandidaten durch – den Briten David Nabarro und die Pakistanerin Sania Nishtar. Nabarro galt innerhalb der WHO eigentlich als Favorit bei der Wahl. Tedros übernimmt das Amt von der bisherigen WHO-Direktorin Margaret Chan aus Hongkong, deren zehnjährige Amtszeit von heftiger Kritik am Umgang der WHO mit der Ebola-Epidemie in Westafrika mit mehr als 11.000 Toten überschattet wurde.

Licht und Schatten

Der 52-jährige Tedros war von 2005 bis 2012 Gesundheitsminister in Äthiopien. In seiner Heimat hatte er mit dem Bau tausender Kliniken die Gesundheitsversorgung stark ausgeweitet und die Versorgung in den Gemeinden vorangetrieben. Kritiker werfen Tedros allerdings vor, drei Cholera-Epidemien in seinem Land vertuscht zu haben.

Tedros tritt sein Amt am 1. Juli an. Er ist der erste Afrikaner an der Spitze der WHO und erhielt die einstimmige Unterstützung der Afrikanischen Union. Es war das erste Mal, dass die 194 Mitgliedstaaten der WHO über ihre künftige Führung abstimmten. Bislang hatte das Exekutivkomitee lediglich einen Kandidaten vorgeschlagen, den die Mitglieder dann absegnen sollten.

Vor der Stimmabgabe sagte Tedros zu, die WHO mit „Spitzenkräften“ ausstatten und zugleich eine strikte Rechenschaftspflicht einführen zu wollen. Kritikern zufolge war dies bei der in Genf ansässigen UN-Behörde erheblich vernachlässigt worden.

Pro und Contra

Als wichtigste Priorität nannte Tedros eine universelle Gesundheitsversorgung, insbesondere für die ärmsten Menschen der Welt. Er lehne es ab, „zu akzeptieren, dass Menschen sterben, weil sie arm sind“, sagte er. Er kündigte zudem „starke Antworten“ auf künftige gesundheitliche Krisen an.

Vor dem Völkerbundpalast protestierten mehrere Dutzend Äthiopier, einige für, andere gegen Tedros. Die Gegner behaupten, Tedros sei korrupt und gehöre zum inneren Zirkel eines repressiven Regimes. Tedros versprach, die WHO und sich persönlich jederzeit rigorosen Prüfern zu stellen. Letzte Woche wurden zudem Vorwürfe laut, Tedros habe – wie schon erwähnt – als Gesundheitsminister Cholera-Epidemien verschwiegen, um seine schöne Bilanz nicht zu gefährden. Er hat das zurückgewiesen.

„Wir stehen vor großen gesundheitspolitischen Herausforderungen – so wird die Bevölkerung immer älter und die chronischen Krankheiten nehmen zu. Darauf müssen wir nicht nur in Österreich Antworten finden“, skizziert die heimische Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) die Aufgaben, die auf den neuen Generaldirektor zukommen. „Gleichzeitig gilt es, vermeidbare Krankheiten endlich auszurotten – die vermehrten Masernausbrüche in Europa haben uns vor Augen geführt, dass hier noch Handlungsbedarf besteht. Dem müssen wir uns auf globaler Ebene stellen“, sagt die Ministerin und betont, „ich bin mir sicher, dass Tedros Adhanom Ghebreyesus wichtige Impulse setzen wird und freue mich auf die Zusammenarbeit“.

Herausforderung Ebola. Beim Ebola-Ausbruch im Kongo hat sich die Zahl der Fälle von 29 auf 43 erhöht. 38 davon gälten aber weiterhin nur als Verdachtsfälle, sagte ein Sprecher der WHO. Nach wie vor wurden erst zwei Fälle durch Labortests nachgewiesen, in drei Fällen halten Ärzte die Ansteckung für sehr wahrscheinlich. Vier Menschen seien inzwischen gestorben.

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