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Gesundheitspolitik 11. November 2005

Kommt die Grippe-Pandemie?

Die Ausweitung der in Südostasien grassierenden Vogelgrippe auf Geflügel in Russland und Kasachstan hat auch in Europa zu erhöhtem Druck auf die Regierungen geführt, ihre Pläne für eine mögliche Influenza-Pandemie zu konkretisieren.

Gesundheitsministerin Maria Rauch Kallat will am 6. September den bereits schon seit einiger Zeit ausgearbeiteten Pandemie-Plan 2005 im Ministerrat absegnen lassen. Dabei soll auch eine Entscheidung darüber fallen, ob der Bund größere Mengen des Neuraminidasehemmers Oseltamivir (Tamiflu®) als Vorrat ankaufen wird. Abhängig davon werden in der Folge auch die Länder ihre Notfallsrationen beschließen.
Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche hat den Wirkstoff weltweit Regierungen als Pulver in Sieben-Kilo-Fässern zu einem günstigeren Preis von 7,70 Euro pro Therapie angeboten. Mehr als 25 Länder, darunter auch Deutschland, sollen nach Firmenangaben bereits geordert bzw. einen „letter of intent“ unterschrieben haben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits vor längerem empfohlen, Oseltamivir für den Fall einer Epidemie einzulagern. Es soll damit die Zeit bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes überbrückt werden. In Österreich hat man noch gezögert, weil die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie niedrig eingestuft wurde.
„Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, Steuergelder in Millionenhöhe verschwendet zu haben“, hatte noch im Winter ein Sprecher der Gesundheitsministerin gesagt. Rund 38,5 Millionen Euro müssten Bund oder Länder derzeit im „Vorverkauf“ für fünf Tonnen Oseltamivir mit einer Haltbarkeit von zehn Jahren auf den Tisch legen. Damit könnten rund fünf Millionen Menschen behandelt bzw. die Prophylaxe für etwa eine Million Österreicher ermöglicht werden.Wissenschafter berichten in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins „Nature“, dass eine Elimination einer aufkeimenden Pandemie möglich wäre, wenn „eine geographisch abgestimmte Prophylaxe mit Isolierungsmaßnahmen in der Bevölkerung kombiniert würde“. Das Problem ist, dass sich vor allem ärmere Staaten in Südost-asien eine flächendeckende Versorgung mit dem Neuraminidasehemmer Oseltamivir nicht leisten können. Laut APA hat Roche bereits drei Millionen Packungen von Tamiflu® an die WHO gespendet, um zu ermöglichen, eine neue Grippewelle schon am Enstehungsort zu bekämpfen.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 35/2005

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