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Gesundheitspolitik 11. November 2005

„Zehn Gebote“ für Ärzte mit „Null Toleranz“

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) hat in einem Verhaltenskodex Umgangsregeln für Ärzte und Zahnärzte gegenüber der Pharma- und Medizinprodukte-Industrie festgeschrieben.

Jetzt wird‘s ernst, besser gesagt ernster als bisher. Der vergangene Woche in einer Pressekonferenz vorgestellte Verhaltenskodex versteht sich nicht als reine Empfehlung, denn Vergehen gegen den Kodex sind als Disziplinarverfehlungen zu ahnden. Zusätzlich zur Sicherung des korrekten Verhältnisses zwischen Ärzten sowie der Pharma- und medizinisch technischen Industrie wird die ÖÄK einen Ehrenrat mit der Überprüfung der Einhaltung der Bestimmungen befassen. ÖÄK- Präsident Dr. Reiner Brettenthaler betonte die „Null-Toleranz-Politik“ der Standesvertretung gegenüber Ärzten, die den Bestimmungen zuwider handeln. Aus der Ärzteschaft kommen auch kritische Stimmen zu den jetzt fest geschriebenen „Zehn Geboten“ mit dem Grundtenor, dass ein derartiger Kodex auch einer Zustimmung der Basis bedürft hätte.

Der Arztberuf ist seit jeher einer der am strengsten geregelten freien Berufe. So finden sich vor allem im Ärzte- als auch im Arzneimittelgesetz Passagen, die den Umgang des Arztes mit Arzneimitteln bzw. der Pharmaindustrie streng regeln und ermöglichen, dass Zuwiderhandeln verwaltungs- oder strafrechtlich geahndet wird.

Unmissverständliche Regeln

Zusätzlich dazu hat die Standesvertretung nun einen Verhaltenskodex erstellt, der sehr detailliert die Verpflichtungen des Arztes im kooperativen Umgang mit der Pharma- und Medizinprodukteindustrie beschreibt. „Hier sind in Kurzform die wichtigsten Themen angesprochen, die der Arzt beachten muss. Sozusagen die ‚Zehn Gebote’ für den Arzt, aus denen er essentielle Regeln auf einen Blick unmissverständlich ersehen kann“, begründet ÖÄK-Präsident Dr. Reiner Brettenthaler. Der vorliegende Kodex bezeuge die „Null-Toleranz-Politik“ der Standesvertretung, was Beeinflussung von Ärzten durch die Industrie angehe. Zu diesem Zweck werde auch ein Ehrenrat für ärztliches Verhalten, bestehend aus dem ehemaligen Präsidenten des OGH, Dr. Walter Melenitzky, sowie weiteren noch zu benennenden Experten, befasst. Er hat die Aufgabe, Vorwürfe hinsichtlich unethischen ärztlichen Verhaltens auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und die Einhaltung des Verhaltenskodex zu unterstützen und zu fördern. „Ärztinnen und Ärzte, die sich nicht an diese Spielregeln halten, können nicht mit dem Verständnis der Ärztekammer rechnen“, erklärte Brettenthaler.

Fortbildung, Geschenke & Co.

Die Standesvertretung informiert derzeit im Rahmen einer Aufklärungskampagne alle Ärztinnen und Ärzte über die gesetzlichen Vorschriften und die Regelungen des Verhaltenskodex. Im ÖÄK-Kodex geht es vor allem um sechs Hauptregelungsbereiche, darunter die thematischen Dauerbrenner „Fortbildungsveranstaltung“ (Teilnahme an medizinisch-wissenschaftlichen Veranstaltungen) und „Geschenke“ bzw. andere Vorteile. Ebenso sind Verhaltensregeln für die Annahme von Ärztemustern, klinische Prüfungen und Forschung, die Verschreibung von Medikamenten und Anwendungsbeobachtungen sowie Formvorschriften festgelegt, um beispielsweise den Abschluss von „Scheinverträgen“ auszuschließen.
Die ÖÄK-Vollversammlung hat den Kodex beim Kammertag im Juni 2005 verabschiedet. Für die Erarbeitung herangezogen wurden – in Ermangelung vergleichbarer europäischer Kodizes – die Richt-linien der American Medical Association (AMA) sowie die Deklara-tion der Word Medical Association von Helsinki (Oktober 2004). Zu dem am 1. Jänner 2005 in Kraft getretenen „Code of Conduct“ des Dachverbandes der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) gibt es Berührungspunkte, etwa bei der Frage der Geschenkannahme oder auch der Kongresse.

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