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Dr. Pamela Rendi-Wagner
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Gesundheitspolitik 24. April 2017

Hotline für Scheue

Pilotphase. „Wenn’s weh tut! 1450“ will in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg medizinische Hilfe per Telefon anbieten, bei der man sich auch nicht zu genieren braucht, wegen möglicher Bagatellen anzurufen. Die Hotline soll das Gesundheitssystem entlasten und Patienten Orientierung bieten.

Soll ich ins Spital fahren oder nicht? Schnelle Hilfe am Telefon bei Krankheits- und Gesundheitsanliegen verspricht die Beratung unter der Telefonnummer 1450, die vor Kurzem in Wien, Niederösterreich und Vorarlberg gestartet ist. Das Pilotprojekt wurde von Gesundheitsministerin Dr. Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) und Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) vorgestellt. Anrufer sollen unter der Telefonnummer 1450 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr und sieben Tage die Woche eine telefonische Beratung bei gesundheitlichen Problemen und Anliegen erhalten.

Diese Hotline wird – vorläufig – nur in deutscher Sprache angeboten und soll Erstanlaufstelle bei Gesundheitsfragen und akuten Symptomen sein. Speziell geschultes medizinisches Personal soll die Anrufer durch ein „medizinisch-wissenschaftliches und international bewährtes Abfragesystem“ – einen „Fragebaum“ – lotsen, die Dringlichkeit des Anliegens einschätzen und entsprechende Verhaltensempfehlungen abgeben.

„Es geht um die Dringlichkeitseinschätzung, Wissenslücken der Bevölkerung sollen geschlossen werden“, sagte Rendi-Wagner. Die Telefonberatung sei kein „Service, das Ferndiagnosen trifft“, aber: „Nicht jeder ist in einer Ambulanz gut aufgehoben.“ Die Pilotphase des Projekts von Gesundheitsministerium, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und der drei Bundesländer läuft bis Ende nächsten Jahres. Ein Angebot solle die Telefonberatung sein, für das Politiker gern das Wort „niederschwellig“ verwenden, und der Vermeidung von „Dr. Google“ soll es auch dienen, wie Frauenberger erklärte. Man orientiere sich dabei an international bewährten Standards. In Ländern wie Großbritannien, Dänemark, Israel und der Schweiz gebe es nämlich bereits erfolgreiche Projekte in ähnlicher Form. Die Wiener Gesundheitsstadträtin sieht die telefonische Beratung als „tolle Ergänzung zu unserem Gesundheitssystem“: „Wir rechnen mit 100.000 bis 200.000 Anrufern pro Jahr“.

Triagierung am Telefon

Durch die ersten Fragen im Rahmen eines Gesprächs wird festgestellt, ob es sich um einen Notfall handelt. Die Telefonberater sind während der gesamten Zeit des Anrufs in Kontakt mit einem Arzt, der stets erreichbar ist und während des Dienstes als Leiter des Teams fungiert, sagte Volker Schörghofer, stv. Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger. Im Falle einer falschen Einschätzung seien die haftenden Rechtsträger – je nach Bundesland – der Fonds Soziales Wien, die Notruf Niederösterreich GmbH oder der Landesverband des Roten Kreuzes (Vorarlberg). Grundsätzlich, hieß es vonseiten der Gesundheitsministerin, sei das Abfragesystem „eher vorsichtig“, in fraglichen Fällen erfolge daher eher eine Weiterleitung an Krankenhäuser oder Ärzte.

Die Überlegung, Ärzte ans Telefon zu setzen, sei nie im Raum gestanden, sagte Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse. Aus ihrer Sicht solle das Projekt vor allem der Orientierung der Patienten sowie der Zeitersparnis dienen: „Die Menschen ersparen sich unnötige Wege.“ Viele würden gar keine medizinische Betreuung brauchen. Man erwarte nicht nur eine „bessere Versorgung für unsere Versicherten, sondern auch eine generelle Entlastung unseres Gesundheitssystems“.

Weiterführung nicht gesichert

Welche konkreten Effekte die Gesundheitsberatung haben wird und wie hoch die Einsparungen bei Ambulanzen, Spitälern und Ärzten dadurch tatsächlich sein werden, könne man laut Schörghofer jedoch erst am Ende der Pilotphase sagen, da gebe es noch keine Einschätzungen. Ende 2018 soll das Ergebnis der Evaluierung feststehen und die Entscheidung fallen, ob das Projekt auf das ganze Land ausgeweitet wird.

Dr. Burkhard Waller, Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte von der Ärztekammer Vorarlberg, meldete bereits Zweifel an der Effizienz der neuen Hotline, da man mit rund 15 Minuten Dauer je Anruf rechnen müsse.

Der Wiener Ärztekammerpräsident Dr. Thomas Szekeres sprach hingegen von einem Schritt in die richtige Richtung. Auch der Sprecher der Patientenanwälte Gerald Bachinger zeigte sich von dem Vorhaben überzeugt. Die Hotline sei eine Anlaufstelle für Ersteinschätzungen, und sie ermögliche den Patienten, gleich zum „best point of sercvice“ zu kommen.

Wissenslücken der Bevölkerung sollen geschlossen werden.

Dr. Pamela Rendi-Wagner

Gesundheitsministerin, SPÖ

APAmed/MB

, Ärzte Woche 17/2017

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