zur Navigation zum Inhalt
Prof. Dr. Gerald Gartlehner
 
Gesundheitspolitik 24. April 2017

„Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen und gegen Irrationalität anzugehen“

3 Fragen, 3 Antworten

Wissenschaftler in den USA machen seit der Wahl Trumps auf die Gefahren für die freie Forschung aufmerksam. Der Protest ist nun auch in Europa angekommen. Prof. Gartlehner von der Donau-Uni Krems weilt jedes Jahr in den USA und weiß aus erster Hand, dass dort die Faktenleugner stark in den Vordergrund drängen.

Warum unterstützen Sie den March of Science? Es gibt dazu in der scientific community ja unterschiedliche Ansichten. Manche Forscher wie der Geologe Robert Young warnen davor, weil Wissenschaftsskeptiker in ihrem Urteil bestärkt würden, dass Forscher nur eine weitere Interessensgruppe seien.

Gartlehner: Aus prinzipiellen Gründen, weil wir für Transparenz in der Wissenschaft eintreten und ein Zeichen gegen die verschiedenen postfaktischen Tendenzen setzen wollen. Aber auch aus persönlichen Gründen, weil ich 25 Prozent meiner Arbeitszeit in den USA verbringe und Trumps Ansichten mir persönlich nahegehen.

Nun ist Donald Trump nicht der erste wissenschaftsfeindliche Politiker, der krude Thesen öffentlich äußert oder – wie Viktor Orbán – die Schließung einer unliebsamen Universität vorantreibt. Was macht die Lage heute so bedrohlich, dass man demonstrieren muss?

Gartlehner: Das hat es immer gegeben, das ist richtig. Nur macht es einen Unterschied, ob es sich um Impfskeptiker handelt, die wenig Einfluss haben, oder um jemand wie Trump, der das NIH-Forschungsbudget (National Institutes of Health, Anm.) gleich um ein Drittel bis ein Viertel kürzen will. Darum glaube ich auch, dass es wichtig ist, ein Zeichen zu setzen.

Gegen irrationale Argumente kann man mit vernünftigen Argumenten sonst nur schwer dagegenhalten. Wenn Trump sagt, er glaubt nicht an den Klimawandel, und das trotz all der Studien, was soll man darauf antworten?

Wird der Wert der Forschung überhaupt verkannt? Selbst die Evolutionstheorie von Darwin, die ja bis heute weiterentwickelt wird, ist nicht allgemein anerkannt.

Gartlehner: Sie sprechen die Kreationisten an. Das ist meist religiöse oder ideologische Verblendung. Da steht nichts Logisches, Rationales mehr dahinter, und dagegen muss man angehen.

3x3

Prof. Dr. Gerald Gartlehner Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie, Krems.

© Michael Janousek

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben