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© ROBERT JAEGER / picture alliance
LR Darabos und die SP-Spitze wollen Krages-Chef Schnedl offenbar um jeden Preis loswerden.
 
Gesundheitspolitik 7. April 2017

Roter Weisel mit Blaulicht

Burgenland. Warum der Krages-Chef gehen musste, weiß der selbst nicht. Die Landesregierung spricht von „Unzulänglichkeiten“ und weist den Vorwurf, einen unbotmäßigen Manager loswerden zu wollen, weit von sich.

Der Geschäftsführer der Krages (Burgenländischen Krankenanstalten-Gesellschaft m.b.H.), Rene Schnedl, muss gehen. Schnedl sei heute in seiner Funktion „vorzeitig abberufen“ worden, hieß es dazu in einer Mitteilung des Landesmedienservice Burgenland. Der gebürtige Steirer hatte die Position am 1. Juli 2014 übernommen.

Was zu der Entscheidung geführt hat, blieb vorerst unklar: „Über die Gründe der Abberufung wurde Stillschweigen vereinbart“, hieß es in der Aussendung. Die Geschäftsführer-Position soll nun neu ausgeschrieben werden. Bis zur Bestellung eines Nachfolgers – Schnedls Arbeitsvertrag wäre bis 2019 gelaufen – übernimmt Finanzdirektor Karl Helm interimistisch die Aufgaben der Geschäftsführung.

Er wisse immer noch nicht, was ihm vorgeworfen werde, rätselte Schnedl. Aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) war nur zu erfahren, dass die per Regierungsbeschluss in die Krages geschickten Anwälte und Wirtschaftsprüfer aufgrund der Sachlage eine klare Empfehlung abgegeben hätten. Das Land habe auf dieser Grundlage sofort handeln müssen. Aus dem Büro von Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz hieß es, es habe eine Krages-Prüfung gegeben: „Dabei sind Unzulänglichkeiten zutage getreten“, sagte ein Sprecher.

Der Darstellung der Regierungsspitze, dass es sachliche Gründe für die Abberufung gebe, glauben nicht alle. Gesundheits-Landesrat Norbert Darabos von der SPÖ sagte gegenüber dem ORF zum Vorwurf eines politisch motivierten Hinauswurfs: „Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß nicht, wer wo politisch steht, das ist auch nicht relevant. Ich hab den Herrn (Leiter der Rechtsabteilung, s. u.), der ebenfalls entlassen wurde, auch nicht persönlich gekannt.“

Der wilde Osten

Zwei Anwälte wurden zum Zweitwohnsitz des Krages-Managers in Gloggnitz geschickt, um das Dienstauto zu kassieren, wie der Kurier berichtete. Der dort zufällig anwesende Krages-Jurist Yalcin Duran – er hatte dem erkrankten Schnedl Dienstpost gebracht – stoppte beide an der Gartentür und machte sie darauf aufmerksam, dass sie „keine Exekutivgewalt“ hätten. Einer der beiden habe ihn beiseite geschubst, ehe der zweite Anwalt kalmierend eingriff. Im Zuge der verbalen Auseinandersetzung habe man Duran auch gleich für entlassen erklärt. Als die von Schnedl gerufene Polizei eintraf, hätten die Wiener Anwälte das Grundstück schon wieder verlassen. Ihnen drohen Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und Besitzstörung. Die Opposition ortet Erklärungsbedarf. Das Ganze sei „vielleicht ein Fall für den Rechnungshof“ oder eine andere Einrichtung“, sagte ÖVP-Landesgeschäftsführer Christoph Wolf. Manfred Kölly, Obmann des Bündnis Liste Burgenland (LBL): „Er (Schnedl, Anm.) hat sich auch etwas zu sagen getraut – und das war sein Verhängnis.“

In der 100-prozentigen Tochter des Landes – Dachgesellschaft von 2.600 Mitarbeitern in vier Spitälern und drei Pflegeheimen, im Geschäftsbericht 2015 werden der Umsatz mit 142,4 Mio. Euro und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) mit 6,4 Mio. Euro angegeben – knirscht es schon länger. Der Geschäftsführer habe sich immer wieder gegen Wünsche quergelegt, die der Eigentümer auf kurzem Weg erfüllt haben wollte, meldete die Tageszeitung Der Standard. Zum Beispiel eine zwischen dem Land und dem Betriebsrat zwar vereinbarte, nicht aber von den zuständigen Gesellschaftsorganen beschlossene Gehaltserhöhung etwa.

Ausschreibung nach Ostern

Der Chefposten wird vermutlich erst nach Ostern ausgeschrieben. Hoch im Kurs steht die neue ärztliche Direktorin des Krankenhauses in Eisenstadt, PD Dr. Anette Severing. Was eventuell gegen sie spricht: Sie wurde erst im März Primaria.

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 15/2017

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