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Prof. Dr. Hellmut Samonigg
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Felix Mansbart
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Gesundheitspolitik 28. März 2017

Die Rückkehr der Bader?

MedUni light. Immer mehr Anbieter buhlen um die Medizinstudenten. Seit die steirische Bezirksmetropole Mürzzuschlag zum neuen Unicampus werden will, ist die Diskussion um die Zwei-Klassen-Ausbildung virulent geworden.

Das Studium an privaten Hochschulen erfreut sich großer Beliebtheit. Die Angebote steigen in gleichem Maße wie die Kritik daran. Das Vorurteil: die Geldbörse der Eltern entscheidet, ob der Sprössling die Uni mit akademischen Würden verlässt oder nicht. Die erkaufte „light“-Variante hat den Beigeschmack eines wenig gehaltvollen Abschlusses. Wird die Berufspraxis zur Bewährungsprobe, sind womöglich Leib und Leben der Patienten in Gefahr.

Die Rektoren der öffentlichen Unis fürchten um das Niveau der Absolventen. Sie sehen für einen „Dr. med light“ Tür und Tor geöffnet, wenn die Lehre ohne Forschung stattfindet. Um die nötige Evidenz sicherzustellen, wird habilitiertes Personal von den öffentlichen Unis abgeworben. Strengere Konkurrenzklauseln sollen dieser Entwicklung entgegensteuern. Insgesamt scheinen die privaten Universitäten den Ruf, teures Geld für billige Titel zu bieten, nicht loszuwerden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Neben den universitären Fakultäten und den Humanmedizin-Studienmöglichkeiten an privaten Universitäten in Salzburg, Wien oder Krems gibt es neuerdings Standorte wie Mürzzuschlag, an denen Studenten ihr Glück beim Aufnahmetest versuchen können. Freilich kann es sich nicht jeder leisten einige Tausend Euro Semestergebühren zu berappen.

Der Fokus der Privatunis ist auf andere Ziele gerichtet als jener öffentlicher Stellen, weniger auf forschungsorientierte Lehre oder auf die Sicherung einer hochwertigen medizinischen Versorgung, vielmehr geht es um das Ausnützen von Strukturproblemen. Wenn in strukturschwachen Regionen‚ Ärzte ausgebildet werden, heißt das nicht, dass sich die Graduierten auch dort ansiedeln.

 

Die Abwertung unserer Ausbildung irritiert

Medizinische Universitäten sind durch die Trias von Lehre, Forschung und Patientenversorgung geprägt. Wir von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) haben den Stellenwert dieser Trias von Anfang an sehr hochgehalten und besonderes Augenmerk auf die Forschung gelegt. Dazu gehört, dass ein Plan vorliegt, wohin wir uns in fünf bis zehn Jahren entwickeln wollen. Da wir uns in Salzburg um eine öffentliche Universität bemüht haben, waren bei uns Vorarbeiten im Gange, die uns den Start erleichtert haben. Ziel des Diplomstudiums der Humanmedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität ist es, handlungskompetente und wissenschaftlich denkende Ärzte auszubilden. Unsere Absolventen sollen den Anforderungen der modernen Medizin gewachsen sein und eine humane, patientenorientierte Medizin praktizieren. Das Curriculum der Humanmedizin der Paracelsus Universität wurde 2002 akkreditiert und seitdem regelmäßig reakkreditiert. Inhaltlich orientiert sich das Studium an jenem moderner amerikanischer Medical Schools. Die Absolvierung des ersten Teils der amerikanischen Zulassungsprüfung, dem USMLE, ist verpflichtend und Voraussetzung für den Abschluss. Das machen wir nicht, damit wir Absolventen fördern, ins Ausland abzuwandern, sondern um eine externe, anerkannte Evaluierung zu haben, die für unsere Standortbestimmung wichtig ist. Unsere Studierenden absolvieren ein verpflichtendes 16-wöchiges Forschungstrimester, hier entscheidet sich rund die Hälfte für Auslandsaufenthalte an renommierten Einrichtungen, wie der Mayo Clinic, Yale oder Harvard. Wir haben Kooperationen mit niedergelassenen Allgemeinmedizinern, da wir unsere Absolventen breit und praxisnah ausbilden möchten. Das Aufnahmeverfahren läuft dreistufig ab. Die besten 300 Bewerber werden zu einem Gespräch vor eine Jury geladen und wir nehmen pro Jahr jeweils 50 Studierende an den Standorten Salzburg und Nürnberg auf. Wir vergeben Stipendien und die Zahl der Stipendiaten liegt mit 19 Prozent praktisch gleichauf mit öffentlichen Universitäten. Insgesamt sehe ich bei diesen vielen Qualitätsmerkmalen keinen Grund, von einer Zweiklassenausbildung zu sprechen. „MedUni light“ trifft mich besonders, denn unsere Studierenden haben es mit Sicherheit nicht leicht, ihren Abschluss zu machen. Die Abwertung der Ausbildung als „MedUni light“ irritiert auch unsere Studenten und wird ihren Leistungen nicht gerecht.

Prof. Dr. Herbert Resch, Gründungsvater und Rektor der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg

Die privaten Anbieter sind eine Mogelpackung

Die Rektoren der öffentlichen Medizinischen Universitäten sind sich einig, dass die Ausbildung zum Arzt neben der Lehre auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem aktuellen Stand bzw. dem Fortschritt in der Forschung sowie die praktische Ausbildung am Patienten beinhalten muss. Aus unserer Sicht ist es keine ausreichende Basis für ein Medizinstudium, wenn diese Faktoren nicht erfüllt sind. Die rasante Entwicklung in der medizinischen Forschung macht es dringend notwendig, dass die Evidenz in der Lehre auch im Spiegel der wissenschaftlichen Entwicklungen gesehen wird. Andernfalls entsteht eine „Pseudosicherheit“ für den Studenten, die nicht mit den Fakten übereinstimmt. Studenten in der Medizin sollen von Lehrern ausgebildet werden, die selbst forschen. Ist das nicht der Fall, dann rutschen wir in das Mittelalter zurück, als der „Medicus“ viel probierte und jene Methoden, die gut funktionierten, weitergab. Eine wissenschaftsgeleitete Ausbildung gab es nicht. Das ist weit weg von der Entwicklung in der Medizin, die ohne Forschung keinen Fortschritt vorweisen könnte. Mit Ausnahmen ist diese Basis an keiner der derzeit existierenden oder noch geplanten privaten Medizinunis in Österreich gegeben. Viele der neuen Universitäten legen ambitionierte Konzepte vor und haben auch genug Ausreden, dass am Beginn einer Laufbahn noch nicht viel Forschung vorzuweisen ist. Doch wenn man nach einigen Jahren nachfragt, hat sich diese Ausgangslage praktisch nicht verändert. Daran ändert auch die Idee nichts, diese Unis in Hochschulen umzubenennen. Daraus würde eine Zwei-Klassen-Ärztegesellschaft folgen, mit der wir uns international lächerlich machen. Der Patient im Krankenbett kann bei gleicher Graduierung nicht unterscheiden, ob der behandelnde Arzt einfach „Medicus“ ist oder State of the Art behandelt. Teilweise sollen Forscher aus öffentlichen Universitäten auch an privaten Unis lehren, doch auch das halte ich für bedenklich. Der Brain Drain dorthin, wo vielleicht das Geld zu Hause ist, aber nicht das flächendeckende evidenzbasierte Wissen, wird dem Gesundheitssystem auf den Kopf fallen. Die zum Teil öffentlichen Mittel, die zu den privaten Unis fließen, fehlen an den öffentlichen Einrichtungen. Damit stecken die privaten Anbieter klar in einer Mogelpackung, denn so privat sind sie dann bei genauem Hinsehen doch nicht. Sinnvoller wäre es, die Mittel an den bestehenden Med Unis zu bündeln und dort für eine bessere Ausstattung zu sorgen.

Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Rektor der MedUni Graz

Kostenlose Studien sind ein Luxus

Nach dem Studium an der WU und einem Job in einer Bank habe ich mich dazu entschlossen, Medizin zu studieren und ich bereue den Schritt keineswegs. Ich habe mich an der MedUni Wien und der PMU in Salzburg beworben. Die Entscheidung ist für Wien gefallen, nicht weil es eine öffentliche Universität ist, sondern weil ich hier mein gesamtes soziales Umfeld habe. Die Kosten für das Studium an einer privaten Universität waren für mich kein Entscheidungskriterium, denn als Mediziner habe ich gute Jobchancen und hätte gegebenenfalls die Ausbildung auch über einen Kredit finanziert.

Als Student sehe ich ein zusätzliches Angebot von privaten Anbietern als Bereicherung. Ich habe mich mit den Curricula der einzelnen Universitäten intensiv befasst und man bekommt schon aufgrund des Auftretens einen ersten Eindruck von der Professionalität des Anbieters. Dazu habe ich mit Absolventen Kontakt aufgenommen und bei Ärzten nachgefragt. Es ist schwierig, verlässliche Information über die Qualität des Studiums zu erhalten, auch hier sehe ich keinen Unterschied zwischen öffentlich und privat. Subjektive Meinungen und Erfahrungen prägen das Bild und es hängt von der Motivation und dem Engagement des Einzelnen ab, was aus dem Studium herausgeholt wird. Ich halte den Eingangstest für sehr gut, auch wenn man über die inhaltliche Ausrichtung geteilter Meinung sein kann. Ich sehe es als Selbstüberprüfung, um festzustellen, ob Medizin wirklich „mein“ Fach der Wahl ist. An der MedUni Wien ist der Vorteil jedenfalls die Zusammenarbeit mit dem AKH Wien und anderen öffentlichen Spitälern. Die PMU kooperiert mit ausländischen Fakultäten aus den USA, was eine spannende Perspektive eröffnet. Mir ist wichtig, einen Praxisbezug zu haben, egal auf welcher Uni das ist. Ich bin überzeugt, dass die theoretischen Inhalte alle gleich gut sind, doch entscheidend ist für einen Mediziner das Anwenderwissen. Und das bekommen wir in Wien von hochkarätigen Experten vermittelt. Ich bin jetzt erst im zweiten Semester, aber die Startphase war exzellent und die Qualität der Vortragenden sowie die Arbeit in Kleingruppen haben mich begeistert. Ich denke, dass die Ausbildung an den privaten Unis verschulter ist. An der öffentlichen MedUni ist man selbst verantwortlich, das Maximum herauszuholen. Wer das nicht macht, wird auch durchkommen, darunter leidet aber der Ruf aller Absolventen.

Felix Mansbart, BSc, Medizinstudent, MedUni Wien

Renate Haiden, Ärzte Woche 13/2017

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