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Gesundheitspolitik 22. März 2017

Das wird teuer

Grüne. Wolfgang Mückstein und David Ellensohn wollen in Wien ein Stufenmodell realisieren. Voraussetzung dafür: Ein Drittel der für die Primärversorgung vorgesehenen 200 Mio. Euro werden in Wien ausgegeben.

Im Vorfeld der Ärztekammerwahl in Wien baut die dortige grüne Fraktion bereits für einen etwaigen Beschluss des PHC-Gesetzes vor. Sie präsentierte vor Kurzem im Rathaus einen Plan, wie das Gesetz auf Landesebene umgesetzt werden soll. Kernpunkt ist eine Angebotsausweitung auch in kleinen Einheiten, Primärversorgungszentren sollten erst der „letzte Schritt“ sein.

Dr. Wolfgang Mückstein von den Grünen Ärztinnen und Ärzten – eine von 17 antretenden Listen bei der Wiener Kammerwahl am 25. März – geht davon aus, dass die Regierung das PHC-Gesetz noch im Sommer beschließen wird. Danach müssten die einzelnen Bundesländer die rechtlichen Vorgaben ausgestalten bzw. umsetzen. Wie das in Wien aussehen soll, hat Mückstein gemeinsam mit Rathaus-Klubchef David Ellensohn skizziert.

Grundsätzlich sollten Mehrleistungen – also beispielsweise längere Öffnungszeiten, Blutabnahmen oder Vertretungsmöglichkeiten für Ärzte - nicht nur in den Erstversorgungszentren, sondern auch in kleineren Einheiten stufenweise angeboten werden, so die Idee. Die Bandbreite reicht vom „Hausarzt erweitert“ mit 25 statt 20 Wochenstunden über Gruppenpraxen mit zwei oder drei Partnern bis zu Medizinernetzwerken und eben PHC-Zentren. Je größer die Einheit, umso länger soll sie offen halten, umso mehr soll sie anbieten und umso höher sollen die Honorarzuschläge seitens der Gebietskrankenkasse ausfallen.

Die Teilnahme für Mediziner an einem der Modelle soll freiwillig sein. Auch der bestehende Hausarzt soll bleiben. Für Fachärzte wäre das Stufenmodell ebenfalls anwendbar. Es wäre ein Fehler, würden die vom Bund vorgesehenen Mittel für den Ausbau der Primärversorgung (200 Mio. Euro österreichweit, Anm.) nur in Primärversorgungszentren fließen, so Mückstein. Er rechnet damit, dass ungefähr ein Drittel für Wien reserviert wird, womit man für das grüne Umsetzungsmodell das Auslangen finden würde.

Was das PHC-Gesetz insgesamt betrifft, so lasse sich dieses noch gar nicht seriös beurteilen: „Zwei wichtige Punkte, der neue Gesamtvertrag und die Honorierung, fehlen im Referentenentwurf.“ Auf Linie mit der Kammerspitze sind die Grünen Ärzte jedenfalls in der Ablehnung von privaten Investoren als mögliche PHC-Betreiber: „Das würde die Zwei-Klassen-Medizin befördern.“ Und dass die Krankenkasse auch Einzelverträge in den Raum stellt, sollten Verhandlungen über einen PHC-Gesamtvertrag scheitern, sei kein Verhandeln auf Augenhöhe, so Mücksteins Kritik. Fix sei aber, dass sich etwas ändern müsse im Gesundheitssystem. „Denn allein, was wir hier in Wien machen, ist sehr teuer“, verwies der Fraktionsvertreter auf die hohen Kosten, die durch die vielen Ambulanzbesuche in Spitälern etwa wegen suboptimaler Öffnungszeiten im niedergelassenen Bereich entstünden. Ellensohn versicherte, dass durch das vorgelegte Modell sichergestellt werde, dass Kosten gesenkt und gleichzeitig die Situation für Ärzte und Patienten verbessert würden. Das Wiener Gesundheitssystem stehe vor großen Herausforderungen.

Klassische Primärversorgung

Auch Ärztekammerpräsident Dr. Artur Wechselberger plädierte für einen Ausbau der Primärversorgung, aber anders als es die Politik wolle. Er warf der Politik „Versorgungssandkastenspiele“ vor und betonte, dass eine Zentralisierung zu höheren Wartezeiten für die Patienten führen würde. Stattdessen plädierte er für einen Ausbau des funktionierenden Systems der Hausärzte, eine Attraktivierung der Ärzte-Arbeitsplätze, eine bessere Ausbildung und Zusammenarbeitsformen. Die Ärzte sollten als Angehörige eines freien Berufes die Zukunft mitgestalten.

MB/APAmed
, Ärzte Woche 12/2017

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