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© IRNA/picture alliance
Halabdscha, Irak, März 1988: Die Leichen einer Mutter und ihrer Kinder liegen nach einem Angriff mit chemischen Waffen vor der Tür ihres Hauses.
 
Gesundheitspolitik 5. März 2017

Todeschronik

Am 22. April 1915 setzt das deutsche Militär an der Front bei Ypern (Belgien) 167 Tonnen Chlorgas bei einem Blasangriff gegen die britischen und französischen Truppen ein. Dieser erste Großeinsatz chemischer Massenvernichtungswaffen, der schätzungsweise 4.000 Gasverletzte und 1.000 Tote zur Folge hatte, markiert eine welthistorische Zäsur.

Im Zweiten Weltkrieg gilt der Kampfstoff Tabun als Geheimwaffe der Deutschen. Das Derivat der Phosphorsäure ist eine Flüssigkeit mit fruchtigem Geruch. Die Substanz wirkt in kleinsten Mengen tödlich. Ein Kriegsgefangener steckte den Alliierten die Einsatzpläne.

Am 16. März 1988, gegen Ende des ersten Golfkriegs, fliegt die Luftwaffe von Saddam Husseins einen Angriff auf die eigene Bevölkerung: 5.000 Menschen fanden in der kurdischen Stadt Halabscha ein grausames Ende. Senfgas, Sarin und andere Kampfstoffe kamen zum Einsatz. „Die Opfer hatten keine äußeren Verbrennungen“, erinnert sich der Linzer Giftstoff-Experte Gerhard Freilinger, „die Menschen brauchten keinen plastischen Chirurgen. Die Verbrennungen waren inwendig. Die Lunge, die Nieren, die inneren Organe, alles war vergiftet.“

Am 21. August 2013 setzt das Regime von Baschar al-Assad in der Nähe von Damaskus Sarin ein. Hunderte sterben. Auf internationalen Druck hin legt das Regime seine Chemie-Waffen-Bestände offen. Syrien soll über 1.000 Tonnen Giftgas verfügen.

Vier Länder machen bei der Chemiewaffenvernichtung nicht mit: Ägypten, Israel, der Südsudan – und Nordkorea. Das kann ein Hinweis auf eine Verwicklung sein – muss es aber nicht. Denn gut ausgebildete Chemiker könnten zumindest kleinere Mengen Nervengift herstellen, sagt der belgische Chemiewaffenexperte Jean Pascal Zanders ( bit.ly/U8J9wN ).

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