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© Roland Schlager / dpa
 
Gesundheitspolitik 2. März 2017

Sabine Oberhauser ist tot

Nachruf. SPÖ-Politikerin starb im Alter von 53 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Auf dem Opernball gab es eine Schweigeminute.

Nicht der Opernball war vergangenen Donnerstagabend der Medienaufmacher, sondern die traurige Nachricht, dass Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) ihrem Krebsleiden erlegen ist. Die 53-jährige Gewerkschafterin und ausgebildete Ärztin starb in einem Wiener Spital. Politiker aller Parteien waren tief betroffen. Gewürdigt wurde nicht nur ihre große Kompetenz, sondern auch ihre herzliche verbindende Art.

Die 1963 in Wien geborene ÖGB-Vizepräsidentin und -Frauenchefin sowie (seit 2006) SPÖ-Abgeordnete wurde im September 2014 als Gesundheitsministerin in die Regierung berufen. Wenige Monate später, im Februar 2015 gab sie selbst über Facebook bekannt, dass sie an Unterleibskrebs leidet. Sie blieb trotz Operationen und Behandlungen im Amt, informierte darüber – und zeigte sich auch haarlos und stark abgemagert in der Öffentlichkeit. Im Juni 2016, als der neue Kanzler Christian Kern das Team umbildete, bekam Oberhauser noch die Frauenagenden dazu.

Oberhauser starb nur wenige Stunden vor der Eröffnung des Opernballes. Damit stand der „Ball der Republik“ zumindest für die Politprominenz im Zeichen der Trauer. Kern rief – „unbeschreiblich traurig“ den Tränen nahe – die rund 5.000 Ballbesucher zur Trauerminute auf. Die SPÖ-Riege und Bundespräsident Alexander Van der Bellen („meine Gedanken sind bei Sabine Oberhauser“) verließen die Staatsoper nach der Eröffnung.

Auch die ÖVP-Regierungskollegen – die meisten von ihnen hatten Staatsgäste geladen – blieben nicht lange. Die SPÖ-Politikerin sei ein „besonders liebenswert als Mensch“ gewesen, erklärte Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), warum auch dem Koalitionspartner nicht nach Feiern zumute war. Zahlreiche Politiker hatten den Gang über den Roten Teppich vermieden.

Dass Oberhauser über alle Parteigrenzen hinweg nicht nur als kompetente Politikerin, sondern auch für ihre Lebensfreude und Herzlichkeit sehr geschätzt war, war in zahlreichen Reaktionen aus allen Parteien, der Gewerkschaft, anderen Interessensvertretungen und Organisationen bis hin zur Krebshilfe und der Wiener Ärztekammer zu lesen. Allen voran äußerte sich Bundespräsident Van der Bellen in einer Aussendung „tief betroffen“: „Ihre Fröhlichkeit, ihre Kompetenz und ihr Engagement werden uns fehlen.“

Kern würdigte die Parteikollegin als „Frau, die für ihre Werte und für ihre Überzeugungen eingestanden ist, die im Rahmen ihrer Politik immer überlegt hat, wie möglichst viele Menschen von ihrer Arbeit profitieren können“. „Ihre Herzlichkeit war mitreißend. Die Republik hat eine erfahrene und profilierte Ministerin verloren“, trauerte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) um eine „liebe Freundin“. „Ihr Lachen und ihre fröhliche Art haben sehr oft Licht in den manchmal so grauen Politikbetrieb gebracht. Sabine, du wirst mir fehlen“, dankte SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil Oberhauser, dass sie ihm „viel geholfen“ habe als er vor einem Jahr neu in die Regierung kam.

Von Sympathie getragen und teils persönlich fielen auch die Nachrufe der ÖVP aus. „Sabine Oberhauser wird mir sehr fehlen“, sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling – und für Ex-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die künftige NÖ-Landeshauptfrau, war Oberhauser „nicht nur eine wertvolle Kollegin, sondern auch eine gute Freundin“, die „immer das Verbindende vor das Trennende gestellt“ habe. Nicht nur als kompetente Ministerin, sondern auch als „sympathische Kollegin“ sah Außenminister Sebastian Kurz die SPÖ-Politikerin.

Große Anerkennung zollte die Opposition: Fair und sachlich sei Oberhauser gewesen, sagte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer nannte die SP-Politikerin „einen unglaublich herzlichen Menschen mit Handschlagqualität“. „Sie hatte eine beharrliche und persönlich verbindliche Art, Politik zu gestalten“, war Grünen-Chefin Eva Glawischnig sehr betroffen von der Todesnachricht.

Besonderen Respekt drückten alle Seiten für Oberhausers offenen Umgang mit der Krebserkrankung aus. Sie habe durch ihren Lebenswillen vielen Schwerkranken Kraft gegeben, stellte Team Stronach-Klubchef Robert Lugar fest. Bis zuletzt sei die Ministerin ein „starker und beeindruckender Mensch“ gewesen, merkte NEOS-Chef Matthias Strolz an.

Selbstbewusst und bescheiden

Ärzte Woche-Chefredakteur Raoul Mazhar erinnert sich: „ Sabine Oberhauser durfte ich kurz nach ihrer Bestellung zur Gesundheitsministerin interviewen und hatte schon nach wenigen Minuten das Gefühl, dass sie wirklich authentisch ist und die Freundlichkeit nicht nur spielt. Im weiteren Verlauf des Gesprächs hat mich Sabine Oberhauser neben der Persönlichkeit auch von ihrer profunden Kenntnis der heimischen Gesundheitslandschaft beeindruckt. Sie zitierte nicht nur die Zahlen, sondern kannte sich auch mit den fachlichen Querverbindungen, Beziehungsgeflechten und Verstrickungen in der Gesundheitspolitik aus. Wichtige Fakten und ihre Ideen, was zukünftig zu tun sei, präsentierte sie mit einem bestechenden Selbstbewusstsein ohne dabei überheblich oder gar besserwisserisch zu wirken. Wenn ich jemanden zugetraut hätte, die verkrusteten Gesundheitspolitik aufzubrechen, dann der Frau mit dem Kurzhaarschnitt. Leider hat sie ihre Krankheit viel zu früh gebremst.“

Stöger übernimmt vorläufig

Bis zur Klärung der Nachfolge übernimmt Oberhausers Parteikollege Sozialminister Alois Stöger die Gesundheits- und Frauenagenden. Für die offizielle Übergabe der Amtsgeschäfte fand sich Stöger in Begleitung von Kern am Tag nach dem Opernball bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Hofburg ein.

Die Gesundheitsagenden sind für Stöger nicht neu– er war der Vorgänger von Oberhauser, die am 1. September 2014 als neues Regierungsmitglied angelobt worden war. Acht Tage vor ihrem Tod – am 15. Februar– hatte Oberhauser bekannt gegeben, dass sie Stöger wegen einer längeren Spitalsbehandlung gebeten hat, vorübergehend die Vertretung ihrer Amtsgeschäfte wahrzunehmen.

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 9/2017

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