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Prof. Dr. Éva Rásky Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, MedUni Graz
 
Gesundheitspolitik 20. Februar 2017

„Sozialmedizin hat im Ausbildungsfächerkanon eine geringe Bedeutung“

3 Fragen, 3 Antworten

Das Interesse für öffentliche Gesundheit sollte schon im Studium geweckt werden. Warum das so schwer ist, verrät die Grazer Medizinerin Éva Rásky.

Ist das Interesse der Studierenden, amtsärztlich tätig zu werden, generell eher gering?

Rásky: Ja. Das hat mit der Bezahlung, mit dem Image, mit Uninformiertheit über diesen Tätigkeitsbereich zu tun und mit der starken Orientierung der Ausbildung hin zur Individualmedizin. Sozialmedizin hat im Ausbildungsfächerkanon eine geringe Bedeutung, und die Integration sozialmedizinischer Fragestellungen in die anderen Fachdisziplinen ist nur marginal gegeben. In der neuen Ausbildungsordnung wird das Fach Sozialmedizin als Public Health bezeichnet. In den Ausbildungsinhalten erfolgte jedoch kaum eine Veränderung. Leider wurde es verabsäumt eine Verknüpfung der Ausbildungen a) zum öffentlichen Gesundheitsarzt/Physikatsarzt, b) zum Arbeitsmediziner und c) zum Public Health Facharzt zu machen.

In Frankfurt wurde Medizin-Studierenden ermöglicht, das praktische Jahr im Amt zu absolvieren. Wäre das auch in Österreich denkbar?

Rásky:Wir haben hier in Graz Studierende zu Beginn ihres Studiums im Gesundheitsamt hospitieren lassen, ich war selbst für dieses ambulante Eingangspraktikum verantwortlich. Die Rückmeldungen waren sehr unterschiedlich. Meist wurde beklagt, dass dies wenig mit einer ärztlichen Tätigkeit zu tun habe. Ohne Begleitaufklärung und Fortbildung, was die Bedeutung und Philosophie einer bevölkerungsbezogenen Medizin ist, wird dies nicht gut funktionieren. In Deutschland haben die Amtsärzte auch im klassischen Sinn medizinische Tätigkeiten durchzuführen; in Österreich mit Ausnahme der Impfung nicht. Wenn man sich die Umsetzung der Ausbildung in Lehrpraxen in Österreich ansieht, so bin ich sehr skeptisch, ob ein praktisches Jahr im Amt funktionieren kann. Wenn man politisch möchte, dass die Amtsarzttätigkeit in Zukunft über Nebentätigkeit von Individualärzten gesichert wird, wäre dies wiederum sinnvoll.

Was kann zur Bewusstseinsbildung beitragen?

Rásky: Amtsärztliche Tätigkeiten sind eine bedeutende Disziplin, das Image müsste verbessert werden – auch durch adäquate Bezahlung. Nachdem heute die Work-Life-Balance für viele Ärzte wichtig ist, könnten durchaus Teilzeitmöglichkeiten entwickelt werden.

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