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Dr. Karlheinz Kornhäusl
© blickwinkel / picture alliance
 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2017

Ein schwaches „Gut“

Umfrage. Jungärzte sind mit der Basisausbildung nur mäßig zufrieden, es gebe viel Verbesserungsbedarf, sagt der Turnusärzte-Vertreter in der ÄK, Dr. Karlheinz Kornhäusl.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Ärzteausbildung Neu in Kraft, mehr als 400 Absolventinnen und Absolventen habe die neunmonatige Basisausbildung im Spital bereits abgeschlossen. Die Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) hat die Erfahrungen der Jungmedizinerinnen und -mediziner in einer repräsentativen Umfrage erheben lassen.

Verbesserungspotenzial gebe es vor allem in der Umsetzung eines Ausbildungskonzepts, beim Bedside Teaching sowie in der Übernahme von Tätigkeiten in Diagnostik und Therapie, sagt der stv. Bundeskurienobmann und Obmann der Bundessektion Turnusärzte, Karlheinz Kornhäusl.

„Die Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt bei 2,53. Da ist noch Luft nach oben“, sagt Kornhäusl. Gut bewertet wurden die Erreichbarkeit der Stammmannschaft und die Einhaltung der Arbeitszeitbestimmungen, es gebe aber noch viel zu tun.

West-Ost-Gefälle

Insgesamt hätten von Juli bis November 2016 223 Ärztinnen und Ärzte an der Online-Befragung teilgenommen, 485 waren eingeladen worden. Die Rücklaufquote liege somit bei 46 Prozent. Die Teilnahmequote schwanke in den einzelnen Bundesländern zwischen 35 und 58 Prozent, auch in der Benotung der Qualität der Basisausbildung ließen sich Unterschiede innerhalb der Bundesländer erkennen. Kornhäusl: „Überdurchschnittlich gut haben Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg sowie die Steiermark abgeschnitten. Hier bewegen sich die Bewertungen zwischen 2,18 und 2,50 auf der Schulnotenskala.“

Abgefragt habe man unter anderem, welche beruflichen Ziele der medizinische Nachwuchs anstrebe. „37 Prozent der Befragten wollen die Ausbildung zum Allgemeinmediziner in Angriff nehmen, 60 Prozent haben eine fachärztliche Ausbildung begonnen“, fasste Kornhäusl zusammen. Ein kleiner Anteil mache derzeit keine weitere ärztliche Ausbildung, beispielsweise wegen Mutterschutzes oder eines PhD-Studiums.

Finanzierung der Lehrpraxis

Wichtig sei in diesem Zusammenhang die Finanzierung der verpflichtenden Lehrpraxis, sagt Kornhäusl: „Jene Kollegen, die sich für die Allgemeinmedizin entschieden haben, müssen am Ende ihrer praktischen Ausbildung mindestens sechs Monate in einer Lehrpraxis absolvieren. Solange die Finanzierung nicht zu 100 Prozent gesichert ist, steht dieser wichtige Abschnitt der Ausbildung jedoch auf äußerst wackeligen Beinen.“ Dabei komme die Lehrpraxis sehr gut an, wie frühere Befragungen gezeigt hätten.

Aus den insgesamt 223 eingelangten Bewertungen ließen sich Stärken und Verbesserungspotenziale der Basisausbildung ableiten. „Zu den Stärken gehören beispielsweise die hohe Erreichbarkeit der Stammmannschaft sowie die Unterstützung durch diese. Auch die Teilnahme an Visiten wurde vom Großteil der Befragten positiv beurteilt, ebenso die Einhaltung der Arbeitszeitbestimmungen nach Nacht- und Wochenenddiensten“, sagt Kornhäusl.

Verbesserungspotenzial gebe es hingegen beim Bedside Teaching und in der Umsetzung eines Ausbildungskonzepts. Zudem hätten viele Befragte angegeben, als Systemerhalter oder „bessere Sekretärinnen“ eingesetzt zu werden. Auch häufige Stations- und Abteilungswechsel seien negativ beurteilt worden.

„Wer an mehr als fünf Abteilungen war, empfand das als belastend und dem Lernerfolg nicht zuträglich. Vereinzelt wurde auch die Dauer von neun Monaten als zu kurz empfunden“, sagt Kornhäusl.

Man befinde sich mit der Basisausbildung durchaus auf einem guten Weg, die Verbesserungspotenziale müssten jedoch ausgeschöpft werden. Im kommenden Jahr wolle die Bundeskurie die Basisausbildung erneut evaluieren lassen, erklärt der stv. Bundeskurienobmann abschließend.

Generell sei die neue Ärzteausbildungsordnung aber „wirklich etwas Gutes“ und ein großer Wurf, betonte Kornhäusl. Es liege nun vor allem an den Ausbildnern und den betreffenden Spitalsabteilungen, diese im Sinne der Jungärzte umzusetzen. Die Politik sei gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen.

Martin Křenek-Burger , Ärzte Woche 4/2017

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