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©  Petra Spiola
Roland Paukner

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© privat 

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Taghleb Alzouni

 
Gesundheitspolitik 20. Jänner 2017

Nostrifikant im Selbststudium

Asyl-Ärzte. Aus Krisengebieten geflüchtete Ärzte hatten es bisher schwer, in Österreich ihre Ausbildung anerkennen zu lassen. Eine Ärztegesetznovelle bringt bei der Berufsberechtigung Erleichterungen – ist aber „nicht der große Wurf“.

Trotz des Ärztemangels vielerorts ist der Weg bis zur Berufsberechtigung für geflüchtete Mediziner im Asylland Österreich meist steinig. Bis zu fünf Jahre kann es dauern, dass selbst erfahrene Kollegen wieder mit Patienten arbeiten dürfen. Eine Ärztegesetznovelle, die kurz vorm Jahreswechsel im Nationalrat beschlossen wurde, bringt in zwei Punkten Neuerungen:

- Ausdrücklich verwiesen wird nun darauf, dass das Medizinstudium aus einem Drittstaat auch von Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten nostrifiziert werden muss, so wie es die medizinischen Universitäten schon bisher gehandhabt haben. Können Nachweise aus dem Herkunftsland aufgrund der Fluchtsituation nicht beigebracht werden, so soll dies künftig aber kein Hindernis für den Start des Nostrifizierungsverfahrens sein. Bei Glaubhaftmachung innerhalb einer angemessenen Frist und entsprechender Qualifikation kann Betroffenen auch direkter Zugang zur Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin oder zur Facharztprüfung und zu einer (verkürzten) turnusärztlichen Ausbildung gewährt werden.

- Die Ärztegesetznovelle eröffnet zudem Asylwerbern, Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten, die um Nostrifizierung ihres Medizinstudiums angesucht haben, die Möglichkeit, eine Famulatur zu absolvieren – ausreichende Deutschkenntnisse vorausgesetzt. Bisher war höchstens eine Hospitanz möglich.

Um wie viel weniger steinig sich der Weg zur Berufsausübung in Zukunft tatsächlich gestaltet, wird von der Umsetzung der Bestimmungen in der Praxis abhängen. Auf eine Famulatur nach Antrag auf Nostrifizierung z. B. besteht kein Rechtsanspruch ( bit.ly/2jygil7 ).

 

Schnelle Integration, jedoch ohne Qualitätsverlust

Während der Flüchtlingswelle 2015 war die Frau Bundesministerin für Gesundheit, Dr. Sabine Oberhauser, bemüht, Flüchtlinge mit Ausbildung in einem Gesundheitsberuf möglichst bald in das österreichische Gesundheitswesen zu integrieren. Allerdings war selbstverständlich gleichzeitig erforderlich, dass hier keine Sonderregelung getroffen wird und auch kein Qualitätsverlust in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung der österreichischen Bevölkerung eintritt.

Für Ärzte aus Drittstaaten gilt deshalb in jedem Fall, dass eine Nostrifizierung des Medizinstudiums durch die MedUnis in Österreich erforderlich ist. Die Österreichische Ärztekammer hat vom Gesetzgeber die Aufgabe übertragen bekommen, die postpromotionelle Ausbildung und die Sprachkenntnisse in Deutsch zu überprüfen, um eine klaglose Kommunikation mit den Patienten und innerhalb des Gesundheitswesens sicherzustellen.

Damit Ärzte schon während des Nostrifizierungsverfahrens berufsnahe tätig werden können, ist in der kommenden Ärztegesetznovelle festgelegt, dass sie in dieser Zeit Famulaturen absolvieren können und damit den österreichischen Medizinstudenten gleichgestellt sind. Das schafft Rechtssicherheit für die Betroffenen und auch für die Spitalsträger und Abteilungsvorstände. Bisher waren nur Hospitationen möglich.

Darüber hinaus wäre wünschenswert gewesen, wenn Ärzte aus Drittstaaten, die über gute Englischkenntnisse verfügen, eventuell notwendige Prüfungen im Rahmen der Nostrifizierung in Englisch ablegen könnten. Parallel zur Nostrifizierung hätte dann der Spracherwerb in Deutsch laufen können, der ja durch die Ärztekammer sowieso noch vor Erteilung der Berufsberichtigung überprüft wird. Für viele Ärzte hätte das eine wesentliche Zeitersparnis bedeutet, da sie derzeit oft davor zurückscheuen mit der Nostrifizierung zu beginnen, weil sie sich die Ablegung von Prüfungen in Deutsch noch nicht zutrauen. Davon konnten wir Ärztekammer und MedUnis aber nicht überzeugen.

Für nicht berufsberechtigte Mediziner ist in Österreich übrigens auch eine ärztliche Tätigkeit zu Studienzwecken möglich. Das Motiv muss sein, weitere Kenntnisse und Erfahrungen auf einem Gebiet der Medizin sammeln zu wollen bzw. das vorhandene Wissen zu vertiefen. Ich bin sicher, dass das auch bei Ärzten aus Drittstaaten zutrifft!

Dr. Roland Paukner, Koordinator für Flüchtlinge mit ärztlicher Ausbildung oder Ausbildung in nichtärztlichen Gesundheitsberufen / BMGF

In Deutschland kann Nostrifikant arbeiten

„Die Anzahl der arabischen Mediziner in Österreich kennen wir nicht, mir ist auch keine Statistik dazu bekannt. Ich würde sie aber auf sicher über 1.000 bundesweit schätzen. Insgesamt gibt es 250 bis 300 neue arabische Flüchtlingsmediziner, die in den letzten Jahren nach Ausbruch der Bürgerkriege gekommen sind – mehrheitlich aus Syrien und aus dem Irak. Probleme gibt es aus meiner Sicht auf drei Ebenen, nämlich vor, während und nach der Nostrifizierung:

- Vor der Nostrifizierung stellen das Warten auf einen geeigneten Platz im Deutschkurs und die Beschaffung der verlangten originalen, übersetzten und beglaubigten Zeugnisse und Dokumente die größte Barrieren dar.

- Während der Nostrifizierung gibt es keine genaue Bücherliste bzw. kein vorgegebenes Lesematerial zur Absolvierung der verlangten Prüfungen. Gemäß der alten Gesetzeslage fanden Stichprobentests an der MedUni Wien auch nur zweimal im Jahr statt.

- Nach der Nostrifizierung, genauer gesagt bei der Anmeldung bei der Ärztekammer, wird immer ein syrischer/irakischer Strafregisterauszug der letzten sechs Monate verlangt. Als geflüchteter ehemaliger syrischer/irakischer Staatsbewohner kann dieser aber natürlich nicht so leicht beschafft werden, zumal man oft aufgrund politischer Gründe geflohen ist. Auch ein „Goodstanding“-Dokument (Zuverlässigkeitsbescheinigung) der jeweiligen arabischen Ärztekammer ist schwierig zu bekommen, wenn man dort schon seit mehreren Jahren nicht mehr als eingetragener Arzt registriert ist, weil man im Asylland Österreich lebt.

Ich denke, dass die Gesetzesnovelle Erleichterungen mit sich bringen wird, insofern als der Stichprobentest in Zukunft vier Mal jährlich angeboten werden soll, und es nur zwei Pflichtprüfungen statt vier zu schaffen gibt. Doch auch Erschwernisse sind zu erwarten, etwa, dass zum positiven Bestehen der Stichprobentests 60 Prozent verlangt werden, nach vormaliger Gesetzeslage waren es nur 50 Prozent.Natürlich ist die Gefahr, dass Flüchtlingsmediziner nach Deutschland abwandern, mit der Gesetzesnovelle abgemildert. Sie besteht jedoch noch immer, da die Approbation in Deutschland leichter als hierzulande. Dort kann der Nostrifikant entgeltlich als Assistenzarzt bzw. Facharzt arbeiten – je nach Bundesland.

MR Dr. Tammam Kelani, Präsident der Österreichisch-Arabischen Ärzte- und Apothekervereinigung, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie mit Kassenpraxis in Gänserndorf/NÖ

Hoffnung auf Besserungen durch Gesetzesnovelle

„Ich habe mit der Nostrifizierung des Medizinstudiums in September 2015 angefangen und hoffe auf die Berufsberechtigung bis zum Sommer dieses Jahres, dann werde ich Arbeit suchen. Als Radiologin war es für mich etwas erstaunlich, dass ich mein erstes Medizinstudium nostrifizieren musste, und dass ein weiterer Nostrifizierungsschritt notwendig ist, um in meinem Fach arbeiten zu dürfen.

Der Prozess der Nostrifizierung barg viele Schwierigkeiten in sich und könnte meiner Meinung nach vereinfacht werden. Das fängt bei unzureichenden Informationen für die Nostrifikanten an, etwa limitierten Infos auf der Webseite der MedUni Wien. So war auch für mich nicht klar, wo und wie ich an wichtige Details herankommen kann. Am Ende war der Kontakt zu anderen Nostrifikanten der einzige Weg. Die Entscheidung durch den Stichprobentest, welche Fächer nachzuholen sind, fand ich nicht klar. Eine andere Schwierigkeit kam dadurch zustande, dass es keine Vorbereitungskurse gibt. So bleibt das Selbststudium als einzige Methode, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Kombiniert mit im Allgemeinen limitierten Deutschkenntnissen stellt das einen enormen Aufwand dar.

Nach Deutschland umzuziehen, wo der Prozess einfacher sein soll, kam für mich aus familiären Gründen nicht in Frage. Ich kenne aber Kollegen, die schon nach Deutschland gegangen sind oder es vorhaben. Ich finde es sehr schade, dass ich in meinem Fach als Radiologin nicht arbeiten darf. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele Fachärzte in derselben Situation. Persönlich würde ich es bevorzugen, zunächst einige Zeit in einer medizinischen Institution zu arbeiten, um Erfahrungen sammeln zu können.

Ich hoffe, dass die Änderung des Ärztegesetzes positive Ergebnisse für weitere Nostrifikanten mit sich bringen wird, so werden beispielsweise Tätigkeiten wie bei Famulaturen ermöglicht. Dennoch fehlen Punkte, die aus Sicht der Nostrifikanten extrem wichtig wären, wie eine Bezahlung für geleistete Tätigkeiten. Viele der Ärzte, die Asylberechtigte sind, sind hoch qualifiziert und haben mehrere Jahre an praktischer Erfahrung. Sie könnten durchaus voll-medizinische Tätigkeiten leisten. Ich glaube, dass es im Interesse Österreichs wäre, wenn hoch qualifizierte Ärzte arbeiten dürfen – wenn auch unter Aufsicht.“

Dr. Taghleb Alzouni, abgeschlossene Facharztausbildung Radiologie in Syrien (Universität Damaskus), seit September 2015 Nostrifizierung des Studiums an der MedUni Wien

Isabella Csokai, Ärzte Woche 4/2017

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