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Dr. Florian Stigler, MedUni Graz
 
Gesundheitspolitik 13. Jänner 2017

„Ein Verbot ist nicht die einzig wirksame Maßnahme“

3 Fragen, 3 Antworten

Ministerin Sophie Karmasins Vorstoß zur Anhebung des Raucheralters stößt auf Gegenwehr. Gegenargument: Was verboten ist, zieht Jugendliche sozusagen magisch an. Stimmt nicht, meint Florian Stigler, sonst hätte man international andere Erkenntnisse gewonnen.

Verbote machen Rauchen interessanter, was entgegnen Sie diesem u. a. in der Tageszeitung „Der Standard“ vorgebrachten Argument?

Stigler: Das Argument ist grundsätzlich nicht falsch. Jugendliche fangen oftmals zu rauchen an, um zu rebellieren. Wenn es einfach ist, Zigaretten zu kaufen, dann wird es ein naheliegendes Mittel der Rebellion bleiben. Aber es gibt auch andere Wege um zu zeigen, dass man erwachsen wird. Wege, die man nicht durch viele Jahre der Abhängigkeit bereuen muss.

Rebellion und Vernunft schließen sich mitunter aus, meinen Sie nicht?

Stigler: Oft fangen Jugendliche mit dem Rauchen an, gerade weil es verboten ist. Wenn man deshalb behauptet, dass ein solches Gesetz nichts bringen würde, dann ist mein einfaches Argument: die Beispiele aus anderen Ländern haben gezeigt, dass es funktioniert. Denn es geht dabei auch um Gruppenzwang, den Wunsch dazuzugehören. Wenn der Großteil der Klasse nicht mehr raucht, dann gehört man eben als Nichtraucher dazu.

Man weiß übrigens, dass kaum ein Jugendlicher die bewusste Entscheidung trifft, mit dem Rauchen anzufangen. Kaum einer weiß um die Gefahr, wie schnell man davon abhängig wird und wie schwierig es danach ist, wieder damit aufzuhören. Das ist eben das Problem und der Unterschied zu Wählen mit 16. Da geht es um eine bewusste Entscheidung, die ersten Zigaretten raucht man nicht in Ruhe unter informierter Abwägung der Konsequenzen.

Ist es nicht etwas schlicht gedacht, zu sagen, wir verbieten das Rauchen einfach und das Problem ist gelöst?

Stigler: Ich glaube nicht, dass ein Verbot die einzige wirksame Maßnahme ist und es damit getan sein wird. Aber nur weil wir mehrere Maßnahmen brauchen werden, sollten wir auf diese eine sinnvolle Maßnahme nicht verzichten. Das Gesetz alleine wird nicht ausreichen um das Problem gänzlich zu lösen, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung und überfällig. Wir wissen, dass ein Rauchverbot unter 18 wirksamer ist als härtere Strafen für Trafikanten. Es dürfte das Verbot an sich ausschlaggebend sein, das Zeichen, das damit gesetzt wird, und nicht so sehr die Strenge der Konsequenzen.

Martin Krenek-Burger, Ärzte Woche 3/2017

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