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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Orthopädischer Betreuungsbedarf steigt

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte für jeweils 54.000 Menschen ein Facharzt für Orthopädie zur Verfügung stehen.

„Vor allem im Bereich von Graz ist es jetzt schon schwer, zusätzliche Stellen zu erreichen“, berichtet Dr. Richard Trauner, Fachgruppensprecher der Steirer Orthopäden. Er verweist auf eine aktuelle Studie, wonach die WHO-Werte nicht mehr dem orthopädischen Betreuungsbedarf entsprechen. Die an der Grazer Universitätsklinik für Orthopädie erarbeitete Studie zeigt, dass die Zahl der in Graz ambulant behandelten Patienten von 8.600 (1998) auf 11.700 (2003) zugenommen hat. Im stationären Bereich ergab sich eine Steigerung von 850 auf 1.450 Patienten.

Psychische Komponenten

In der Studie wurde zudem die Lebensqualität von Ambulanzpa­tienten sowie von einer Gruppe zufällig ausgewählter Personen untersucht. Demnach haben vor allem Menschen über 45 orthopädische Probleme. Dabei wurde auch eine Wechselwirkung zu psychischen Problemen festgestellt. „Künftig wird sicher die Kooperation mit Psychologen und Psychotherapeuten noch wichtiger sein“, folgert Trauner. 55 Prozent der Normalbevölkerung gaben an, unter Schmerzen der Wirbelsäule, der Gelenke sowie in Händen und Füßen zu leiden. Aus der Sicht von Trauner bestätigt sich damit, „dass es sehr viele gibt, die Schmerzen sehr lange aushalten, bevor sie zum Arzt gehen“. So werden etwa Kreuzschmerzen als lästiges Übel betrachtet, ergeben aber zunächst oft keine massiven Einschränkungen der Lebensqualität. Trauner betont, dass diese Zahlen Relevanz für ganz Österreich haben und verweist auf Daten des Wiener Orthopäden Prof. Dr. Hans Tilscher, wonach bis zu 70 Prozent der Bevölkerung unter Beschwerden der Wirbelsäule leiden.

Motivation der Patienten

Diese Menschen müssten zum einen motiviert werden, früher zum Arzt zu gehen, zum anderen geht es generell um den Aspekt der Vorsorge sowie der bewussten Gestaltung des Lebensstils. „Gerade auch weil es etwa um sehr enge Bezüge zum Thema der Fettleibigkeit geht: Jeder dritte hat zu viel Gewicht, und das wirkt sich natürlich auch massiv auf den Bewegungsapparat aus“, so Trauner. Auch in der Grazer Studie wird der Aspekt der Vorsorge betont, dazu Dr. Reinhard Windhager, ärztlicher Leiter der Grazer Universitätsklinik für Orthopädie: „Wir müssen die Menschen motivieren, selbst initiativ zu werden und Beschwerden vorzubeugen.“ Starke Bedeutung hätte auch die betriebliche Gesundheitsförderung, ein Bereich mit viel Entwicklungspotenzial. Sowohl aufgrund des zunehmend wichtiger werdenden Vorsorgeaspektes, aber vor allem auch angesichts der demographischen Entwicklung der Bevölkerung ergibt sich für Windhager eine dringend nötige Aufstockung an Kapazitäten in der orthopädischen Betreuung: In der Steiermark müsste die Zahl der stationären Betten bis 2011 von 275 auf 360 steigen. Die Zahl der niedergelassenen Orthopäden müsste sich vervierfachen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 20/2005

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