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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Gesundheitsförderung schon im Kindergarten

In pädiatrischen Vorsorgeprogrammen ist oft von „Risikogruppen“ die Rede, also von Kindern, bei denen die Wahrscheinlichkeit für „Defizite“ besonders groß ist. Der Grundansatz ist häufig stark mit einem bestimmten Bild von „Krankheit“ oder „Behinderung“ verknüpft – was einer Problemlösung hinderlich sein kann.

„Die Defizitorientierung kann einem ganzheitlichen Ansatz von Gesundheitsförderung mit nachhaltigen Wirkungen im Weg stehen“, erklärt Alexandra Wucher. Sie ist beim Vorarlberger „Arbeitskreis für Sozialmedizin“ (AKS) für den Bereich der Vorsorgemedizin und Gesundheitsförderung zuständig. Der AKS fördert, initiiert bzw. realisiert Gesundheitsprogramme auch im Bereich der Kindergärten. Das Ernährungsprojekt „maxima“ (Details bietet die WebSite www.aks.at) ist aus Wuchers Sicht ein gutes Beispiel für einen nachhaltig orientierten Ansatz: Grundpfeiler ist ein umfassendes Materialpaket, das neben Informationen zu „gesunder Ernährung“ und Vorschlägen zur Gestaltung einzelner Tage im Kindergarten Lieder und Spiele enthält. Darüber hinaus werden Methoden für Eltern-Informationsabende vorgestellt. Neben der Ernährung an sich geht es insgesamt um die Gestaltung des Lebensstils und um Hygiene. „Maxima ist mehr als eine einzelne, zeitlich begrenzte Aktion. Es geht um eine Grundhaltung, die das ganze Jahr über umgesetzt werden kann“, betont Wucher. Der AKS bietet zudem Reihenuntersuchungen durch AllgemeinmedizinerInnen in den Kindergärten an. „Diese basieren auf freiwilliger Basis, die Eltern bezahlen einen Selbstkostenbeitrag – sie werden trotzdem sehr gut angenommen“, berichtet Dr. Guntram Hinteregger, Arzt für Allgemeinmedizin in Alberschwende. Ausgangspunkt sind Fragebögen, die an die Eltern und die KindergartenpädagogInnen ausgeteilt werden. Neben der körperlichen Untersuchung geht es um Lebenssituation und Lebensstil des einzelnen Kindes. Dieser Ansatz der Lebensberatung soll noch intensiviert werden: In einer Pilotphase wurde zuletzt eine noch weiter gehende Vorgangsweise erprobt.

Erhebung des Förderbedarfes

„Die Zahl der Inanspruchnahme von Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen ist rückläufig, besonders gilt dies für Kinder ab vier Jahren“, bedauert Hinteregger. Eltern bekommen über den AKS Informationen, daneben wird verstärkt auf eine standardisierte Beobachtung und Förderung der Kinder durch die PädagogInnen gesetzt. Nach genau festgelegten Kriterien wird auch erhoben, ob und in welcher Intensität Kinder Förderbedarf haben, etwa in Bezug auf die Sprachentwicklung oder die Körperkoordination. Eingesetzt wird auch ein Elternfragebogen, der den direkten Zugang zur Mutter-Kind-Pass-Untersuchung fördern soll. Da Kinder mit speziellem Förderbedarf im Alltag einer Kassenpraxis leicht untergehen können, ist die Einbeziehung des Settings Kindergarten besonders hilfreich und notwendig. Denn hier geht es nicht nur um die Wahrnehmung, sondern auch um die ganzheitliche Begleitung der Kinder – die PädagogInnen werden dafür von Ärzten geschult. Ein wichtiges Thema ist dabei weiters die frühzeitige Vorsorge gegen Schulprobleme. Hinteregger erhofft sich von diesem Projekt, das im Herbst starten wird, Impulse für ganz Österreich. „Es geht nicht nur darum, gesundheitliche Probleme rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Förderung sicher zu stellen, sondern generell von Anfang an einen gesunden Lebensstil in allen Bereichen zu unterstützen.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 20/2005

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