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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Forcierter Einsatz gegen Herz-Kreislauferkrankungen

Die Mortalitätsrate bei Herz-Kreislauferkrankungen ist zwar rückläufig, dennoch gehen nach wie vor mehr als die Hälfte der Todesfälle darauf zurück.

In Oberösterreich ist der altersbereinigte Rückgang der Herz-Kreislaufsterblichkeit bei Männern mit 20 Prozent deutlicher als bei Frauen mit 11 Prozent ausgeprägt. Damit ist das Gesundheitsziel, das sich Oberösterreich gesetzt hat, zwar erfüllt, aber „die Bekämpfung der Todesursache Nummer eins hat weiter große Priorität“, betont Gesundheitslandesrätin Dr. Silvia Stöger. Nach wie vor geht fast die Hälfte der Todesfälle im Land ob der Enns auf Herz-Kreislauferkrankungen zurück, 2003 waren dies etwas mehr als 5.600 Fälle. Damit liegt Oberösterreich bundesweit im Mittelfeld. Etwa 15 Prozent der Be-völkerung werden wegen dieser Erkrankungen medikamentös behandelt, die Zahl der Verordnungen ist im Steigen, ebenso jene der Krankenstände. Seit 2003 befasst sich ein Arbeitskreis der Oberösterreichischen Gesundheitskonferenz unter der Leitung des Linzer niedergelassenen Facharztes für Innere Medizin, Dr. Thomas Honsig, mit der Situation und möglichen Maßnahmen. „Die medizinische Versorgung von Herz-Kreislauferkrankungen ist gut abgedeckt“, sagt Honsig. „Um die Entstehung der Krankheiten zu verhindern, sind aber deutlich mehr Maßnahmen notwendig.“ Es gehe um den Ansatz der Salutogenese, der nicht nur Risikopatienten im Fokus hat und schon vor dem Auftreten erster Symptome greift.

Primärprävention fördern

Ein Vorgehen nach dem Ursache-Wirkungsprinzip wäre zu wenig, betont Honsig: „Die Ent-stehung von Krankheiten ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren und Einflüsse.“ Diese Sichtweise müsste auch in der Gesundheitspolitik stärker Beachtung finden. Eine weitere Konsequenz wäre die „Förderung und Öffnung von Handlungsspielräumen für eine gesunde Lebensweise“. Diese müsste bei der individuellen Lebenssituation ansetzen. In Bezug auf die Zielgruppe Gesamtbevölkerung bedeute das z.B. die Bevorzugung fettarmer und vegetabiler Ernährung, wobei dies sowohl für den persönlichen Konsum als auch für Gaststätten und Betriebsküchen gelten müsse. Neben sportlichen Angeboten sollten auch Aktivitäten zur Motivation von Alltagsbewegung, etwa zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Arbeitsplatz, gezielt gesetzt werden. Honsig setzt auch Hoffnung in dezentrale Raucherentwöhnungsprogramme: „Da könnten vor allem niedergelassene Ärzte mehr Aufgaben übernehmen.“ Weiters empfiehlt der Arbeitskreis Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, insbesondere im Konnex mit Stressbewältigung. Bei Risikopatienten sollte die primäre Intervention vor allem in den Händen niedergelassener Ärzte liegen. „Diese könnten finanziell entsprechend abgegoltene Lebensstilgespräche führen und auf spezifische Angebote verweisen“, regt der Internist an. Der Arbeitskreis schlägt auch die Einführung von Herz-Kreislauf-Pässen vor. Zur Umsetzung aller Maßnahmen wäre eine zentrale Organisation unumgänglich, ist Honsig überzeugt: „Ein Expertenteam mit entsprechenden Ressourcen sollte die Maßnahmen planen und umsetzen.“ Wichtig wäre aber auch die wissenschaftliche Erfassung der Risikositua-tion der oberösterreichischen Bevölkerung.

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