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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Familienmedizin mit sozialem Netz

Gesundheit und soziale Situation hängen eng zusammen. In diesem Sinne können vernetzte Angebote ein breites Spektrum der Versorgung bieten. Ein gutes Beispiel dafür ist das Familienzentrum in einem neuen Stadtteil von Linz.

Die „Solar City“ ist ein Stadtteil im Süden von Linz, der erst kürzlich fertig gestellt wurde. Schon beim Bau wurde auf den Einsatz ökologischer Materialien geachtet, der Energiestandard der meisten Gebäude ist sehr hoch. Teil des Konzepts ist eine bewusste „Dorfentwicklung“, die Begegnungen von Anfang fördern soll. Auch ein Familienzentrum wurde im Konzept berücksichtigt. Nach wie vor hält der Zuzug neuer Mieter in die „Solar City“ an, darunter sind viele junge Familien. „80 Prozent der Menschen, die hier leben, sind unter 40. Ebenso leben 80 Prozent der Kinder in Familien, die noch nicht von Trennungssituationen betroffen sind“, berichtet Heidi Haslhofer, Leiterin des Familienzentrums der Stadt Linz in der „Solar City“.

Erweiterte Mutterberatung

Dieses Zentrum besteht seit einem Jahr. „Schon von Anfang an gab es ein sehr großes Interesse an unseren Angeboten, da es vor Ort kaum andere Infrastrukturen für junge Familien gibt“, berichtet Haslhofer. So wird das Programm des Zentrums schrittweise ausgebaut. Geboten wird dabei auch eine erweiterte Form der „Mutterberatung“. Dazu Dr. Martina Sassmann, die in Linz auch als Schulärztin tätig ist: „Es gibt hier ein interdisziplinäres Team, das sich regelmäßig trifft und in das auch ich eingebunden bin.“ Mit dabei sind SozialarbeiterInnen, eine Ernährungswissenschafterin, eine Psychologin sowie eine geprüfte Stillberaterin IBCLC.

Vorteile für die Eltern

„Wenn Eltern kommen, ist es bei verschiedenen Problemsituationen unmittelbar möglich, sie weiter zu vermitteln“, so Sassmann. „Dies ist bei Erziehungsproblemen oder Fragen zum Thema Ernährung oder zur Entwicklung des Kindes bzw. bei Schulproblemen ein großer Vorteil.“ Der Zugang der Eltern könne dadurch von verschiedenen Seiten auf niederschwellige Weise erfolgen. Darüber hinaus gibt es im Familienzentrum die Möglichkeit, mit anderen Eltern unmittelbar Erfahrungen auszutauschen, bzw. Angebote wie Stillrunden, Rechts-, Sozial- und psychologische Beratung.„Die Kontakte werden schon in der Geburtsvorbereitung und teils noch früher aufgebaut. So kann ein Vertrauensverhältnis entstehen“, betont Sassmann. Sehr früh und umfassend könne auf Problemsituationen in der Familie und in Bezug auf die Gesundheit eingegangen werden. Ein wichtiger Teil der Arbeit bestehe auch darin, Eltern Orientierungshilfe im immer dichter werdenden Angebot von Informationen zum Thema Gesundheit der Kinder, Ernährung oder Erziehung zu geben. Sassmann sieht auch die spezielle Situation in der Solar City: „Viele erleben nach dem Umzug, der oft eine große Belastung darstellt, eine Phase der Isolation. Dieser Faktor spiegelt sich auch auf der psychosozialen und damit auf der gesundheitlichen Ebene wider.“ Kooperationen werden von Seiten des Familienzentrums auch mit den langsam zuziehenden Ärzten angestrebt. Seit Jahresbeginn sind eine Kinderärztin, ein Allgemeinmediziner sowie ein Zahnarzt vor Ort. „Ein von Anfang sehr wichtiges Element bei der Unterstützung der Familien ist, dass sich alle Institutionen, die im weitesten Sinn im gesundheitlichen und sozialen Feld tätig sind, alle zwei Monate treffen“, berichtet Haslhofer. Diese Art der vernetzten Herangehensweise wäre auch an anderen Orten realisierbar, wo zwar „Strukturen vorhanden sind, aber kaum kooperiert wird“ (Haslhofer). Für Sassmann zeigt sich eines deutlich: „Der Umgang mit Krankheit und Gesundheitsförderung gelingt besser, wenn vernetzt gearbeitet wird. Dabei braucht niemand Angst zu haben, dass ihm Patienten abspenstig gemacht werden.“ Vielmehr erhöhe der regelmäßige Informationsaustausch die Qualität der Versorgung.

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