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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Krankenhäuser auf neuen Wegen

Immer mehr Krankenhäuser wollen auch Gesundheitshäuser sein. Ein wichtiger Aspekt bei den diesbezüglichen Angeboten ist die Vernetzung mit dem niedergelassenen Bereich, besonders mit den Hausärzten.

Seit kurzem ist das Krankenhaus der Elisabethinen in Linz Mitglied des „Netzwerk gesundheitsfördernder Krankenhäuser“ (siehe Kasten). „Das Interesse am Thema Gesundheit ist in der Bevölkerung groß, speziell auch an Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Die Umsetzung in den Alltag erfolgt aber nach wie vor viel zu selten“, analysiert Dr. Franz Hanoncourt, Ärztlicher Leiter der Elisabethinen. Ein Krankenhaus werde dabei eher als Ort wahrgenommen, wo eigentlich niemand freiwillig hinein bzw. möglichst schnell wieder heraus möchte. Der Weg ins Netzwerk ging über mehrere Stufen. „Wir haben zunächst zusammengetragen, was es bei uns an gesundheitsfördernden Angeboten bereits gibt. Diese werden sowohl extern als auch von den Mitarbeitern des Hauses noch zu wenig wahrgenommen“, resümiert Hanoncourt. Geboten werden unter anderem Beratung und Entwöhnungsprogramme für Raucher, reisemedizinische Beratung, Gruppenschulungen für Übergewichtige, PSA-Untersuchungen sowie Kurse für Diabetiker und pflegende Angehörige.

Mittel aus dem Strukturfonds für neue Angebote?

Neue Angebote sollen entwickelt werden. „Dabei geht es sicher auch um das Thema, inwieweit die So-zialversicherung bereit ist, Kos-ten zu übernehmen, weil solche Schritte langfristig gesehen zu Kostensenkungen im Gesundheitswesen beitragen“, betont Harnoncourt. So ließen sich etwa Angebote für pflegende Angehörige durchaus ausbauen, Mittel dafür könnten z.B. aus dem Strukturfonds kommen. Innerbetriebliche Maßnahmen Ein wichtiger Baustein der Gesundheitsförderung sind für Hanoncourt innerbetriebliche Maßnahmen: „Unsere MitarbeiterInnen sind Botschafter der Gesundheit. Der persönliche Kontakt zu den Patienten und das Vorbild spielt für die Motivation zu einem gesunden Lebensstil eine große Rolle.“ Um dies zu fördern, gibt es Gesundheitstage für die Mitarbeiter, Angebote zur Supervision, auch mit psychosozial-medizinischen Schwerpunkten, sowie Krisenintervention, Bewegungstraining und Rückenschule, Ernährungsprogramme usw. Verstärkt vorgenommen werden Evaluierungen des Arbeits-platzes. „Das Thema Gesundheitsförderung sollte für immer mehr Spitäler eine wichtige Rolle spielen und neben den klassischen Angeboten ein zweites Standbein sein“, meint Hanoncourt. Sehr wichtig ist dem Ärztlichen Leiter die Kooperation mit dem niedergelassenen Bereich. Als Beitrag dazu soll die Möglichkeit, dass niedergelassene Ärzte sich zu verschiedenen Themen im Spital fortbilden können, ausgebaut werden. Auch eine intensivere Kommunikation wird angestrebt. „Wichtig dabei ist, eine Überschüttung mit Informationen zu vermeiden“, betont Harnoncourt. Sein Team arbeitet derzeit an der Umsetzung eines News-letters per E-Mail. In einer aktuellen Befragung gaben vor allem Hausärzte an, neben medizinischen Neuheiten auch über den Aspekt der Gesundheitsförderung und über Fortbildungsangebote des Spitals regelmäßig informiert werden zu wollen.

Hausärzte gefragt

„Wir sehen insbesondere die Hausärzte als Partner in der Gesundheitsförderung“, so Harnoncourt. „Diese setzen selbst Maßnahmen und verweisen Patienten auf Spezialangebote der Klinik, mit der Gewissheit, dass sie damit den Patienten nicht verlieren.“ Im forcierten Informationsangebot für Ärzte soll auf das Thema Kommunikation mit den Patienten und auf Motivation besonders Wert gelegt werden. „Gesundheitsförderung ist mehr als noch so gut gemeinte Anregungen zum Lebensstil oder das Fassen von Vorsätzen, die mit dem konkreten Alltag nicht vereinbar sind“, betont Harnoncourt.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 17/2005

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