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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Versorgungsengpässe ante portas

Die wachsende Zahl älterer Menschen mit Betreuungsbedarf und ein bevorstehender Generationswechsel in der Ärzteschaft erfordern strukturelle Veränderungen in der Patientenbetreuung außerhalb der Spitäler.

Im Land Salzburg gibt es derzeit über 4.800 Betten im Heimbereich. Mobile medizinische und soziale Dienste betreuen zudem etwa 4.000 Menschen. Von den Sozialhilfekosten fließt somit die Hälfte der Mittel – jährlich 65 Millionen Euro – in den Pflegebereich.

Betreuung zuhause hat Vorrang

Auch in Salzburg wird die Zahl der Personen, die älter als 75 Jahre sind, in absehbarer Zeit um etwa acht Prozent zunehmen. Ein großer Teil davon wird professionelle Unterstützung benötigen. Soziallandesrat Dr. Erwin Buchinger fordert vor allem die Gemeinden dazu auf, Menschen so zu unterstützen, dass sie möglichst lange in den eigenen vier Wänden, in kleineren Wohngruppen oder betreubaren Projekten leben können. Ein Heimplatz sei die bei weitem teuerste Variante, und 40 Prozent der derzeitigen Bewohner wären unterhalb der Pflegestufe 3. Das Abgehen von dem Konzept, hauptsächlich durch Neubau von Heimen der demographischen Entwicklung zu begegnen, findet sich ebenso in anderen Bundesländern. Dies bedeutet vor allem auch für die Ärzteschaft in vielen Bereichen neue und weit reichende Herausforderungen. „Auch wenn wir Ärzte bei den mobilen medizinischen Diensten gut einbezogen sind, ist das Thema der Finanzierung der Hauskrankenpflege nach wie vor völlig ungeklärt“, kritisiert Dr. Josef Lohninger von der Kurie der niedergelassenen Ärzte in Salzburg.
In den Budgets, die den kommenden Landesagenturen zur Verfügung stehen, sind zwar gewisse Mittel für mobile medizinische Betreuung vorgesehen. „Es ist aber noch weitgehend ungeklärt, welche Leistungen, die bisher im Spital erbracht werden, nun tatsächlich und in welcher Form ausgelagert werden“, hält Lohninger fest. Angesichts der demographischen Entwicklung müsste sich hier einiges tun, um eine optimale Versorgung, die auch finanzierbar bleibt, sicher zu stellen. Als „sehr positives Beispiel“ bezeichnet Lohninger das Projekt „Gesundheitsnetzwerk im Tennengau“, wo die Verweildauer in Spitälern durch gemeinsame Bemühungen aller Partner im Gesundheits- und Sozialbereich gesenkt werden konnte. Auch in der mobilen medizinischen und sozialen Betreuung haben sich dadurch deutliche Verbesserungen ergeben. „Die Umsetzung dieses Ansatzes wäre in ganz Salzburg wünschenswert“, meint Lohninger, „von der Gebietskrankenkasse kommt aber momentan eher die Botschaft, dies wäre zu teuer, obwohl durch das Projekt nachweislich Kosten eingespart werden.“ Im Bereich der Heimvisiten gibt es jedenfalls jährlich spürbare Steigerungen, und auch der relativ neue Koordinierungszuschlag wird von den Ärzten immer öfter verrechnet. Insgesamt gesehen, ist die Hauskrankenpflege aber nach wie vor vom ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Personen getragen.

Neue Pläne für Kassenstellen?

Lohninger sieht angesichts der Veränderungen (siehe Kasten) auch die dringende Notwendigkeit, Pläne für Kassenstellen neu zu verhandeln: „In Zukunft sind sicher mehr Fachärzte nötig, außerdem brauchen wir rasch Regelungen für innovative Formen der Kooperation zwischen Ärzten oder von Ärzten mit anderen therapeutischen Berufen.“

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