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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Aktion 2005–Kampf dem Rheuma

Die kommenden Monate werden ganz im Zeichen der Aufklärung und Information zum Thema rheumatische Erkrankungen stehen. Der Auftakt erfolgte am 31. März in Wien mit einer Pressekonferenz.

Der „Rheuma-Bus“ rollt. Bis Ende Mai wird er durch Wien touren und interessierte Menschen aufklären und beraten. Höhepunkt der Aktivitäten der „Aktion 2005 – Kampf dem Rheuma“ wird der „EULAR 2005“ sein, der vom 8. bis 11. Juni in Wien stattfindende Kongress der EUropean League Against Rheumatism. Die geplanten Aktivitäten und aktuellen Forderungen dieser Ak-tion wurden bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt. „Durch Aufklärung und Information auf möglichst breiter Basis soll ‚Kampf dem Rheuma’ dazu beizutragen, dass den rheumatischen Erkrankungen jener Stellenwert in der Früherkennung und medizinischen Versorgung, aber auch in der Forschungsförderung der Europäischen Union zukommt, der ihnen schon aufgrund ihrer weiten Verbreitung gebührt“, betonte Prof. Dr. Josef Smolen, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie. „Leider müssen wir in der Praxis immer wieder feststellen, dass Schmerzen und Behinderungen vielfach bagatellisiert und in ihrer gesundheitlichen, psychischen, sozialen und letztlich auch wirtschaftlichen Dimension stark unterschätzt werden.“

Volkswirtschaftliche Folgen

In Österreich leiden rund zwei Millionen Menschen an einer der zahlreichen Formen von Rheuma. Diese enorme Verbreitung hat auch massive volkswirtschaftliche Folgen: In Österreich sind laut Statistik Austria 8,4 Millionen Krankenstandstage pro Jahr durch Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates bedingt. Bei einer Bevölkerung von 8,2 Millionen bedeutet das im Durchschnitt einen Tag pro Person pro Jahr. Zum Vergleich: Bei Herz-Kreislauf-Krankheiten sind es fünf Stunden pro Jahr. Rheumatische Erkrankungen sind für fast 200.000 Pensionen wegen geminderter Arbeitsfähigkeit bzw. dauernder Erwerbsunfähigkeit verantwortlich. Damit findet sich diese Krankheitsgruppe auch bei der so genannten Invaliditätspen-sion an erster Stelle der Ursachen.

Traditionelle Verharmlosung

Doch nicht nur die hohen Kosten für das Gesundheitssystem sind für die Initiatoren der Aktion ein wichtiges Motiv. Rheumatische Erkrankungen bringen für die betroffenen Patientinnen und Patienten eine erhebliche soziale und emotionale Belastung mit sich, die in ihrem Ausmaß und in ihren Folgen nicht unterschätzt werden darf. „Aufklärungsarbeit ist deshalb so wichtig, weil Rheuma in Österreich traditionell verharmlost wird. In den Köpfen der Menschen ist es zu Unrecht als eine ‚unspektakuläre’ Krankheit verankert“, kritisierte Daniela Loisl, Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga. Entscheidend für die Lebensqualität sei deshalb auch eine möglichst frühe Behandlung. Loisl: „Hier stehen Österreichs Rheumakranke aber vor einer schwierigen Situation, da es nur sehr wenige ausgebildete und praktizierende Fachärzte für Rheumatologie gibt. Wir haben noch immer weiße Flecken auf der österreichischen Versorgungslandkarte.“ Anders ist die Situation in Wien. „Das Netz für Betroffene ist dicht geknüpft“, betonte die Amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales, Mag. Renate Brauner. Wien verfügt nicht nur über vier spezialisierte Abteilungen an den Spitälern, sondern auch über 12 Ambulanzen, an denen Additivfachärzte für Rheumatologie zur Verfügung stehen. Dazu kommen fünf Ambulatorien. Für die Gemeinde Wien sei es daher selbstverständlich, diese Aktion zu unterstützen. Unterstützung kommt auch von der Wiener Ärztekammer. Diese beinhaltet intensivierte Aufklärungsarbeit in den Wiener Ordinationen, aber auch verstärkte Bemühungen in Sachen Fortbildung, speziell für die niedergelassene Ärzteschaft. „In Zusammenarbeit mit unserem Fortbildungsreferat werden wir in den nächsten Monaten gezielt Seminare und Vorträge anbieten, die speziell auf die Bedürfnisse der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen abgestimmt sind“, betonte Ärztekammerpräsident MR Dr. Walter Dorner.

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