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Gesundheitspolitik 5. Dezember 2016

Junge Ärzte diskutieren über ihre Zukunft

Einhellige Meinung bei der Konferenz #wirsinddiezukunft: Junge Ärzte müssen das System gemeinsam verändern. Zudem diskutierten die Teilnehmer über Patientenautonomie und Dr. Google.

Die Zukunft des ärztlichen Berufes und die der jungen Ärzte stand im Mittelpunkt der zweiten Auflage von #wirsinddiezukunft, einer von der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) organisierten Konferenz in Wien. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass das österreichische Gesundheitssystem stagniert und durch Einsparungen verschlechtert werde. „Um etwas zu ändern, müssen wir alle die Ärmel hochkrempeln und das System neu denken“, sagte Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Obmann der Bundessektion Turnusärzte. Wenn man als junger Arzt das Studium beende, werde man derzeit in ein System katapultiert, das nicht zeitgemäß sei.

„Ihr seid die Zukunft. Ihr müsst die Versorgung der Bevölkerung übernehmen und eine Neuorientierung vornehmen“, sagte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger in seinem Eröffnungsstatement. Junge Ärzte müssten ihr Berufsumfeld selbst gestalten, anstatt sich in ein System zwängen zu lassen. Gleichzeitig sei zu berücksichtigen, dass sich der Umgang mit Patienten verändert habe, sagte Wechselberger: „Patientenautonomie löst die alten paternalistischen Strukturen ab. Die Ärzte müssen kommunizieren, was das Beste für die Patienten ist und gleichzeitig herausfinden, was die Patienten wollen, wie ihre Wertvorstellungen gelagert sind.“

Politik „auf keinem guten Weg“

Es bedürfe eines funktionierenden Gesundheitssystems, das sich künftig jedoch anderen Herausforderungen stellen müsse als bisher, ergänzte ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann Harald Mayer. Es sei daher essenziell, optimale Rahmenbedingungen sowohl in der Ausbildung als auch für den Arbeitsalltag und damit für die beste Patientenversorgung zu schaffen, sagte Mayer. „Die Politik ist diesbezüglich derzeit auf keinem guten Weg“, konstatierte Mayer mit Blick auf die Art. 15 a-Vereinbarungen. In den Gesprächen mit politischen Vertretern fehle die Augenhöhe, und Kostenreduktion verbessere weder die Qualität noch die medizinische Versorgung.

EU-Sicht auf Österreich

Die Brüsseler Sicht auf das österreichische Gesundheitswesen stand im Mittelpunkt des ersten Themenblocks. Marc Fähndrich, Berater für wissenschaftspolitische Koordinierung im Europäischen Semester, hielt fest, dass Österreich vor großen Herausforderungen stehe. „Die Kooperation von Bund und Ländern ist problematisch. Hier wird viel Geld verschwendet, was sich stark aufs Gesundheitswesen auswirkt.“ Die Primärversorgung sei derzeit schlecht ausgebaut und in Österreich habe de facto die Zwei-Klassen-Medizin schon Einzug gehalten. „Besser wäre es, die Primärversorgung mit einer Gatekeeperfunktion zu versehen und beispielsweise das exzessive Ausmaß der Hospitalisierung zu reduzieren“, so Fähndrich.

Wie mit „Dr. Google“ umgehen?

Patientenautonomie und der Umgang mit „Dr. Google“ bildeten einen weiteren Schwerpunkt. „Jeder Mensch hat das Recht, über sein Schicksal selbst zu entscheiden. Dazu gehört auch das Recht, aus medizinischer Sicht unvernünftige Entscheidungen zu treffen“, betonte Dr. Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt. Der Arzt wiederum müsse die Entscheidungen seiner Patienten respektieren und akzeptieren. Gleichzeitig obliege es dem Arzt, den Patienten ausführlich über seine Krankheiten und mögliche Behandlungen aufzuklären.

Der letzte Themenblock befasste sich mit der Frage, welche Stolpersteine Ärzte berücksichtigen müssen, die eine Führungsposition anstreben. Kommunikations- und Verhaltens-Profilerin Tatjana Lackner sagte: „80 Prozent der Führungstätigkeit laufen über Kommunikation.“ Die Expertin ging auf verschiedene Aspekte der Kommunikation ein und verglich das Hauptproblem in der Kommunikation mit dem Essen: „Die Menschen sprechen zu viel, zu fett und zu wahllos.“ Für eine gute Kommunikation müssten Führungskräfte fünf Eckpunkte beachten, so Lackner: „Kommunikation muss einen Neuigkeitswert haben, sie muss smart sein. Sie muss einen Nutzen für andere beinhalten, sich der Stolpersteine auf dem Weg bewusst sein und schließlich eine Lösung für das aktuelle Problem anbieten.“

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