zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Mehr Kassenstellen für Fachärzte

Der ÖSG (Österreichischer Strukturplan Gesundheit) ist zwar noch nicht abgesegnet, seine Zielsetzung in groben Zügen aber festgelegt. Die Ärztekammer will deshalb „rechtzeitig“ ihre Ideen und Forderungen auf den Tisch legen.

Die Ärztekammer unterstützt den Plan der Politik, mehr Patienten von den Spitälern zu den niedergelassenen Ärzten zu bringen. Dazu müssten aber Strukturen geschaffen werden, „die spitalsersetzend wirken“, sagte Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Konkret fordert die Kammer um 15 Prozent mehr Kassenplanstellen für Fachärzte in den nächsten fünf Jahren und die Möglichkeit, Ärzte-GesmbHs zu gründen. Brettenthaler betonte, dass die derzeitigen Arztpraxen in der Regel nicht geeignet seien, das Spital zu ersetzen. Deshalb müsse man neue Formen der Zusammenarbeit finden: Ärzte sollten die Möglichkeit erhalten, GesmbHs zu gründen. Diese könnten dann zum Teil auch die Spitalsambulanzen ersetzen. Derzeit gibt es jährlich rund 5,4 Millionen Ambulanzfälle, die Kosten von 1,3 Milliarden Euro dafür tragen zu einem Drittel die Krankenkassen und zu zwei Drittel die Spitalsträger. Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Jörg Pruckner, schlug dazu die Einrichtung von Pilotprojekten vor. Als Beispiele nannte er die regelmäßige Kontrolle von Herzschrittmachern und die Nachbetreuung onkologischer Patienten, die nicht unbedingt im Spital erfolgen müssten.

Vorteile einer Ärzte-GesmbH

Über die Einrichtung der GesmbHs habe die Ärztekammer bereits „positive Gespräche“ mit Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat geführt, erklärte Brettenthaler. Widerstand dagegen komme vor allem noch von Seiten der Wirtschaftskammer. Pruckner betonte, eine GesmbH hätte unter anderen die Vorteile, dass sie teurere Geräte anschaffen könnte und Teilzeitarbeit für Ärztinnen und Ärzte möglich wäre. Die derzeit knapp 3.000 Fachärzte mit Kassenvertrag (ohne Zahnärzte) sind nach Ansicht Brettenthalers zu wenig, um die Spitäler entlasten zu können. Deshalb sollte die Zahl der Kassenplanstellen pro Jahr um drei Prozent steigen. In fünf Jahren sollte es damit um 15 Prozent mehr niedergelassene Fachärzte mit Kassenvertrag geben.Über die Kosten der von der Ärztekammer geforderten Maßnahmen habe er keine gesicherten Daten, so der ÖÄK-Präsident. Die Finanzierung könnte aber über den Reformpool, der im Zuge der 15a-Vereinbarung zu der mit Jahresbeginn in Kraft getretenen Gesundheitsreform geschaffen wurde, erfolgen. Dieser Pool ist mit 140 Millionen Euro pro Jahr dotiert. Pruckner betonte dazu, dass die Reformgelder nicht wieder zur Abdeckung von Defiziten verwendet werden dürften. Sie müssten dafür genutzt werden, die Leistungen für die niedergelassenen Ärzte zu verbessern.

Einigkeit mit Spitalsärzten

Die Verlagerung von Patienten zum niedergelassenen Bereich finde auch die Zustimmung der Spitalsärzte, betonte der Kurienobmann der angestellten Ärzte, Dr. Harald Mayer. Brettenthaler stellte dazu klar, es handle sich um keine Politik gegen die Spitäler oder gegen die Spitalsärzte. Die Ärztekammer sieht sich auch als „Anwalt der Patienten“. Dazu Mayer: „Es reicht nicht, den Patienten nur die bestmögliche Medizin anzubieten, sondern es geht um die beste und modernste Medizin für die Bevölkerung.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben