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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Auslagerung ohne Wenn und Aber

Über die Gesundheitsagenturen und ihre konkreten Aufgabenfelder wird nach wie vor eifrig diskutiert. Dessen ungeachtet liefern Pilotprojekte konkrete Ansätze, unter anderem für die Auslagerung von Spitalsleistungen.

Im niederösterreichischen Waldviertel wurden im Rahmen einer Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) unter anderem alle Diagnose- und Entlassungsdaten aus dem Jahr 2003 der vier Spitäler dieser Region unter die Lupe genommen. „Eines der Ergebnisse war einmal mehr: Viele Leistungen können im niedergelassenen Bereich aus volkswirtschaftlicher Sicht günstiger erbracht werden“, berichtet Mag. Friederike Frieß, die als Betriebsökonomin für die Kurie der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich tätig ist. Viele Patienten werden nur für einen Tag stationär aufgenommen. Zahlreiche diagnostische Leistungen, die dann durchgeführt werden, könnten ebenso gut Allgemeinmediziner oder Fachärzte erbringen, z.B. endoskopische Ab-klärungen.

Fokus internistische Leistungen

Viel „Auslagerungspotenzial“ wurde in der Studie im Bereich von internen Abteilungen geortet. „Dort sind viele Patienten, die eigentlich durch mobile medizinische und soziale Dienste bzw. in Alten- und Pflegeheimen betreut werden könnten“, so Frieß. Insgesamt würde es um etwa 10 Prozent der momentanen Bettenkapazität gehen.„Die oberste Ebene des Gesundheitssystems, der Spitalsbereich, sollte vor allem von Routinefällen entlastet werden“, präzisiert Dr. Johann Jäger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in NÖ. Gegenstand von noch ausstehenden Verhandlungen müsse die Frage sein, welche Voraussetzungen im niedergelassenen Bereich nötig sind, damit dies gelingt. „Ausla-gerung bedeutet auch Kostenersparnis, wobei die Qualität der Versorgung eher steigt oder aber gleich bleibt“, ist Jäger überzeugt. Als Lösung sollte keinesfalls der schwerpunktmäßige Ausbau ambulanter Angebote übrig bleiben. „Gerade im Waldviertel geht es um eine dezentrale Versorgung, bei der besonders Hausärzte und niedergelassene Fachärzte vor Ort eine zentrale Rolle spielen“, betont Jäger. Die Erfahrung zeige, dass bei Patienten, die einmal in der Ambulanz „landen“, die Wahrscheinlichkeit für eine stationäre Aufnahme signifikant steigt. Aus ökonomischer Sicht kommen die hohen Kosten dazu, die ein 24-Stunden- Ambulanzbetrieb mit allen nötigen Strukturen verursacht.

Bessere Vernetzung anstreben

Dem Terminus „ambulant“ ordnet Jäger ausschließlich den niedergelassenen Bereich zu, „der auch räumlich von den Spitälern getrennt ist“. Für die Zukunft sei wichtig, die niedergelassene Versorgung intensiver zu vernetzen und insgesamt auf eine bessere Basis zu stellen. Ein Beispiel dafür wäre die Betreuung von Patienten, die sonst auf internen Abteilungen liegen. Voraussetzung dafür seien die Organisation der mobilen medizinischen und sozialen Hilfe, die Einbindung von Berufen wie Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden oder Diätassistenten in diese Dienste und in Ordinationen. Verbesserungspotenzial liege auch in der Kooperation und Kommunikation von Haus- und Fachärzten. Die weitere Umsetzung des Pilotprojekts „Waldviertel“ ist durch die Diskussionen rund um die genaue Ausgestaltung der Gesundheitsagenturen ins Stocken geraten. Jäger ist aber zuversichtlich, „dass in den nächsten Wochen alle an diesem Projekt Beteiligten wieder an einen Tisch kommen: Ärzte, Kassen, das Land, Gesundheits- und Sozialdienste“. Dann würde die konkrete Umsetzung der Studienergebnisse ermöglicht werden. Das Projekt im Waldviertel habe Pilotcharakter für viele Regionen in Österreich.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 11/2005

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