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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Erfolge für pädiatrische Versorgung

Im Vorjahr initiierte das Gesundheitsministerium einen „Nationalen Gesundheitsplan für Kinder und Jugendliche“, unter dessen Dach Arbeitskreise zu verschiedenen Schwerpunkten tätig werden. Ein Thema ist die Schnittstellenplanung.

„Die meisten Kinderärzte bieten keine Bereitschaftsdienste an. Deshalb geht es im Bereich Schnittstellen um den auf lokale Strukturen abgestimmten Aufbau von Journaldiensten und ähnlichen Modellen“, berichtet Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde. Weitere Themen sind die bessere Koopera-tion zwischen Spital und nieder-gelassenem Bereich sowie die Vernetzung mit Allgemeinmedizinern und anderen Berufsgruppen.

Spezialzentren mit Routine

Ein zweiter Arbeitskreis beschäftigt sich mit der Leistungsangebotsplanung. „Vorgesehen ist die Schaffung von Spezialzentren, die auch auf entsprechende Fallzahlen und damit Routine kommen“, so Kerbl. Wien wird ein Zentrum für Epilepsiechirurgie, Graz für Verbrennungskrankheiten und Linz für Herzchirurgie. Auch Lebertransplantationen bei Kindern sollen künftig an einem Ort gebündelt werden. Ein Arbeitskreis hat die lang diskutierte Umsetzung der Begleitung kranker Kinder durch deren Eltern im Spital zum Thema. „Teils müssen Eltern neben dem Bett stehen oder schlafen am Boden davor“, bedauert Kerbl. Es fehlt an Elternzimmern bzw. dazu passenden Finanzierungsmodellen. Im Gesundheitsplan ist das Ziel festgehalten, eine Begleitung durch Mutter und/oder Vater in möglichst vielen Spitälern zu ermöglichen.

Als konkreten Erfolg wertet

Kerbl, dass in einem soeben veröffentlichen Plan des ÖBIG (Österreichisches Bundes-Institut für Gesundheitswesen) festgehalten wird, dass Kinder bis zum 14. Lebensjahr auf Spezialabteilungen für Kinder und Jugendliche betreut werden sollen und nicht, wie nach wie vor oft der Fall, auf Erwachsenenabteilungen „mitlaufen“ müssen. Bei 14- bis 18-Jährigen soll dies bei zumindest der Hälfte der Patienten der Fall sein. Ein anderer Arbeitskreis hat ein entwicklungs- und sozialpädiatrisches Netzwerk zum Ziel. In diesem Bereich – das sind unter anderem chronisch kranke Kinder, Kinder mit Behinderungen, psychischen oder psychosozialen Problemen – gibt es teilweise eine krasse Unterversorgung und Forschungsdefizite. Der Pädiater soll noch stärker die Funktion als Lotse und Begleiter für Eltern übernehmen. Gefördert werden soll die Vernetzung zwischen verschiedenen Leistungsanbietern und Berufsgruppen und - bundesweit – von sozialpädiatrischen Ambulatorien oder Zentren. Als erster Schritt stehen Pilotprojekte inklusive begleitender Evaluation am Plan bzw. Investitionen in die Forschung. Ein weiterer Baustein des Gesundheitsplans ist die Auseinandersetzung mit der speziellen Situation von Kindern und Jugendlichen aus Familien von MigrantInnen.

Vakuum in der Vorsorge füllen

„Was wir derzeit ebenso angehen, ist die Vorsorgemedizin für Jugendliche“, betont Kerbl. So erfolgreich der Mutter-Kind-Pass sei, so sehr herrsche hier noch ein Vakuum. Unklar sei auch die Rolle des Pädiaters, insbesondere im Zusammenspiel mit Schul- und Hausarzt. In vielen Bereichen gebe es großen Handlungsbedarf: Adipositas, Nikotin- und Alkoholmissbrauch, Probleme mit dem Bewegungsapparat sowie der psychischen Gesundheit. Seit einem Dreivierteljahr gibt es theoretisch zwar einen Gesundheitspass des Gesundheitsministeriums für Jugendliche, in der pädiatrischen Realität taucht dieser aber praktisch noch nicht auf. Dass all diese Bemühungen Erfolg haben werden, daran zweifelt Kerbl nicht, „auch wenn manches, wie die Frage der Vorsorge, länger dauern wird“. Ein Erfolg sei jedenfalls, „dass in der Ausbildungsordnung endlich die Spezialfächer der Pädiatrie vorgeschlagen werden sowie vor kurzem auch im Krankenpflegebereich neue Spezialbereiche geschaffen wurden“.

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