zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 29. November 2005

Mängel bei Reanimation im Spital

Mehr als die Hälfte der Bettenstationen in den heimischen Spitälern hat keine manuellen Defibrillatoren. Experten fordern weit reichende Maßnahmen, um unter anderem mehr Rechtssicherheit für Ärzte zu gewährleisten.

Erstmals belegt eine aktuelle Studie Mängel bei Notfällen in Spitälern wie plötzlichem Herzstillstand. Demnach verfügt zwar mehr als die Hälfte der österreichischen Krankenanstalten über ein organisiertes Herzalarm- bzw. Notfallteam. Allerdings gibt es in nur 35 Krankenanstalten (von 114) medizinische Alarmierungskriterien für lebensbedrohliche Erkrankungen der Patienten. In 54 Prozent der Bettenstationen fehlt ein manueller Defibrillator. Diese Fakten wurden vergangene Woche bei einer Pressekonferenz der Ärztekammer für Wien präsentiert. Die Ärztekammer fordert nun regelmäßige Schulungen aller Mitarbeiter in Basisreanimationsmaßnahmen, die Bereitstellung halbautomatischer Defibrillatoren in ausreichender Zahl sowie eine bessere notfallmedizinische Dokumentation. Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat sei dazu aufgefordert, die im Rahmen der Gesundheitsreform 2005 versprochene „Top Medizin für alle“ zu gewährleisten und auf Dauer zu sichern.„Wir wissen nicht, wie viele Patienten tatsächlich einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand in Spitälern überleben, geschweige denn, in welchem körperlichen oder geistigen Zustand sie das tun“, betonte der Präsident der Ärztekammer für Wien, MR Dr. Walter Dorner. Betroffene Ärztinnen und Ärzte verfügten dadurch über keine persönliche Rechtssicherheit. Und es gebe bis dato auch keine Grundlage, auf der man Verbesserungsmaßnahmen fordern könnte. Dorner freut sich aber über die ausgezeichnete Rücklaufquote der Studie (41 Prozent) und die engagierten Kommentare der Kolleginnen und Kollegen in den Krankenanstalten.„Erfolgen die Basismaßnahmen nicht, kommt auch die beste intensivmedizinische Behandlung zu spät“, betonte Dr. Sabine Schneider, Leiterin der Arbeitsgruppe „Innerklinische Reanimation“ des Österreichischen Rates für Wiederbelebung. Ein gutes notfall­medizinisches Risikomanagement sollte potenzielle Fehlerquellen im System im Vorhinein ausschließen bzw. minimieren.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben