zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Übergabe- und Übernahmevisiten zeigen Wirkung

Im Salzburger Tennengau leistet ein Gesundheitsnetzwerk mit Partnern aus dem intra- und extramuralen Bereich wertvolle Arbeit. Auch niedergelassene Ärzte sind engagiert.

Vor zehn Jahren fanden sich im Tennengau erstmals Anbieter von Gesundheits- und Pflegediensten zu einem Pilotprojekt zusammen. Ein Hauptziel war, die Verweildauer im Spital zu verkürzen. Daraus entstand ein umfassendes Netzwerk, das seit dem Vorjahr eine Genossenschaft ist. Mitglieder des „Gesundheitsnetzwerk“ sind unter anderem Spitäler, Alten- und Pflegeheime, die Bezirksärztevertreter, Psychologen, der renommierte Arbeitskreis für Vorsorgemedizin, der Dachverband der Selbsthilfegruppen, das Rote Kreuz, das Hilfswerk, die Hospizbewegung sowie psychosoziale Institutionen wie die „Laube“ und eine Versicherung.

Institutionalisierte Vernetzung

„Oft heißt es: Die Kooperation im Gesundheits- und Sozialwesen funktioniert ohnehin. Leider ist dies nicht der Fall, es braucht eine institutionalisierte Vernetzung“, betont der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Dachs, der zu einem der wesentlichen Motoren des Netzwerkes zählt. „Es wird viel an Zeit, Energie und auch finanziellen Ressourcen verschwendet, weil das Schnittstellen-Management oft unzureichend ist, die Handelnden viel zu wenig voneinander wissen und so auch Angebote zu wenig aufeinander abstimmen können.“ Dazu kommt, dass jeder für sich versucht, auf aktuelle Trends zu reagieren – natürlich mit entsprechendem finanziellen und personellen Aufwand, anstatt gemeinsame Strategien zu entwickeln. Durch das Gesundheitsnetzwerk wurden z.B. Übergabe- und Übernahmevisiten im Krankenhaus eingeführt. „Jede davon spart drei Aufenthaltstage im Spital“, so Dachs. Es komme viel seltener zu einem Drehtüreffekt, der oft auf ein nicht vorbereitetes oder in vielen Bereichen lückenhaftes Auffangnetz außerhalb des Spitals zurückzuführen sei. Selbstverständlich erfolgt mittlerweile auch die elektronische Übermittlung des Arztbriefes und von Befunden. An das gesicherte Datennetz sind neben den Institutionen über 100 niedergelassene Ärzte angeschlossen.

„Pfundiges Abnehmen“

Gemeinsame Fortbildungs- und Diskussionsveranstaltungen runden das Angebot ab, zudem werden Materialien und Bildungsangebote für Patienten und deren Angehörige miteinander realisiert. Ein neuer Bereich ist die Gesundheitsförderung: „Pfundiges Abnehmen im Tennengau“ war das erste gemeinsame Projekt zum Themenfeld Ernährung. Aufgrund des großen Erfolges sind für heuer Folgeprojekte für Erwachsene und Kinder geplant. Gemeinsam entwickelt und umgesetzt wurde ein Demenzprojekt, mit dem der Aufbau eines psychosozialen Netzwerkes verbunden ist. „Alle diese Maßnahmen sind Reaktionen auf aktuelle gesellschaftliche Trends“, betont Dachs. Ein künftiger Schwerpunkt werde auch die Versorgung älterer Menschen sein. Dabei bleibt es nicht beim theoretischen Lamentieren über die Bevölkerungsentwicklung und Forderungen an die Gesundheitspolitik. Das Netzwerk kann auf verschiedenste Ressourcen zurückgreifen und verschiedenste Partner zusammenbringen, bei denen es im Normalfall oft um beinharte Konkurrenz gehen würde oder die wenig bis nichts voneinander erfahren.„Wir konnten jedenfalls mit harten Zahlen nachweisen, dass die gemeinsamen Maßnahmen besonders im Bereich des Schnittstellenmanagements Kosten sparen“, resümiert Dachs. Deshalb gibt es für das Projekt auch Mittel aus dem Topf der Krankenhausfinanzierung. „Es ist keine Frage: Der administrative Aufwand für ein solches Projekt ist nicht zu unterschätzen“, so der Allgemeinmediziner. Die Politik würde von sich aus keine aktiven oder gar fördernden Akzente setzen und müsse um alles und jedes mühsam gebeten werden. Ausnahme ist ein Netzwerk von Bürgermeistern aus dem Tennengau, das den Neuaufbau der WebSite unterstützt, die künftig aktuelle Informationen für alle Mitglieder des Netzwerks sowie für Patienten und ihre Angehörigen bieten wird. „Letztlich zahlen sich all die Mühe und die Investitionen für alle Beteiligten aus“, sagt Dachs, „das kann ich auch aus meiner Perspektive als Hausarzt ganz stark unterstreichen.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben