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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Hausapotheker als Manager gefordert

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Hausapotheker werden laufend schlechter. Erste steuerliche Ergebnisse von 2004 bestätigen diese Befürchtungen. Wer rechtzeitig reagiert, kann weitere Einbußen verhindern.

„Wir haben viel über die letzte Spannenkürzung gehört und werden regelmäßig mit Verschlechterungen der wirtschaftlichen Situation von Allgemeinmedizinern konfrontiert“, resümiert Harald Kuttner, Unternehmensberater in Wien. „Der Hausapotheker ist als Landarzt mit einer wichtigen sozialpolitischen und pharmazeutischen Versorgungsfunktion zusätzlich im Brennpunkt zweier Branchen.“

Spannenkürzungen gewaltig

Die wesentlichen wirtschaftlichen Probleme, welche die Hausapotheker betreffen, sind die Spannenkürzungen, die Konkurrenzsituation mit öffentlichen Apotheken sowie allgemeine wirtschaftliche Veränderungen, die natürlich alle anderen Landärzte auch betreffen. Die ersten Daten zeigen laut Kuttner kein erfreuliches Bild. Im Schnitt haben die Hausapotheker eine Reduktion des Rohaufschlags von fast sechs Prozent hinnehmen müssen. „Das sind bei durchschnittlicher Größenordnung Einbußen in der Höhe von 15.000 Euro pro Jahr, nur im Bereich der Hausapotheke“, rechnet Kuttner vor.

Gesamtgewinn als Maßstab

Der Gesundheitspolitiker mag hier meinen, das wäre ohnehin keine Tragödie, da die Ärzte ja unheimlich reich sind, wie allgemein bekannt sei. Tatsächlich entspricht dies aber im Schnitt einem Fünftel des Gesamtgewinnes der Ordination. Kuttner: „Erst an dieser Zahl kann man feststellen, in welchem Ausmaß dies die Betriebe wirtschaftlich schwächt.“ Als weitere Problematik erweist sich der Niederlassungs-Druck der Pharmazeuten. Immer mehr Hausapotheker erzählen von Plänen, in ihrem Sprengel eine öffentliche Apotheke zu gründen. Viele haben in jüngster Vergangenheit die Hausapotheken schon ersetzt. Die wirtschaftliche Realität zeigt, dass viele Ordinationen ohne die Einkünfte der Hausapotheke nur bedingt lebensfähig wären. Ein ehemaliger Hausapotheker ist laut Kuttner nach Verlust seiner Konzession wirtschaftlich kaum mehr in der Lage, seinen ärztlichen Betrieb aufrecht zu erhalten. „Dadurch ist auch die medizinische Versorgung der Bevölkerung gefährdet“, gibt der Unternehmensberater zu bedenken.

Auswirkungen werden oft erst mit Jahresabschluss evident

Wie angekündigt, hat der Großhandel die Spannenkürzung im Wesentlichen weiter gegeben. Die einzelnen Außendienstmitarbeiter haben sich redlich bemüht, durch Details der Konditionenvereinbarung diese Situation abzufedern. Die wenigsten Hausapotheker haben sich laut Kuttner allerdings die Mühe gemacht, die tatsächliche Nettokondition über alles nachzuprüfen – was zugegebenermaßen auch schwierig ist. Daher werden die Auswirkungen oft erst im Zuge der Jahresabschlussbesprechung Mitte bis Ende 2005 erkannt. Kuttner rät, die aktuellen Konditionen regelmäßig mit dem Betreuer des Großhandels zu besprechen. Weitere Einsparungsmöglichkeiten liegen in der Lagerhaltung, der durchschnittlichen Lagergröße sowie einer vernünftigen Bewirtschaftung. Darüber hinaus kann durch Impfberatung, diverse Impfaktionen, saisonale Schwerpunkte im OTC-Bereich sowie mit Handelswaren eine ganz beachtliche Belebung des Umsatzes erreicht werden.

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