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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Ehemalige Krebspatienten gründen Aktionsgruppe

Der 4. Internationale Kinderkrebstag am 15. Februar 2005 stand in Österreich im Zeichen junger Frauen und Männer, die eine Krebserkrankung in ihrer Kindheit oder Jugend überlebt ­haben und jetzt gemeinsam agieren.

Die so genannten „Survivors“ haben im Rahmen der Kinder-Krebs-Hilfe eine eigene Plattform und Initiativgruppe gegründet. Alle Beteiligten waren in ihrer Kindheit bzw. als Jugendliche an Krebs erkrankt. Auch wenn diese KrebspatientInnen längst wieder gesund sind, bleibt das Geschehen ein fixer Bestandteil in ihrem Leben mit weit reichenden Folgen: Wenn sie wieder in die Schule gehen, wenn sie sich verlieben, wenn sie einen Job suchen, wenn sie einen Kredit beantragen oder wenn sie einfach nur einen Schnupfen kriegen. Der Wiedereinstieg ins Schulleben ist oft schwierig. Betroffene, MitschülerInnen, aber auch LehrerInnen sind verunsichert und wissen nicht, wie sie mit der (neuen) Situation umgehen sollen. Personalchefs rümpfen schnell die Nase, wenn sie von einer – auch Jahrzehnte zurückliegenden – Krebserkrankung der Jobsuchenden erfahren. Zusatzkrankenversicherungen sind für ehemalige KrebspatientInnen ebenso wenig zu haben wie Lebensversicherungen mit Ablebensschutz. Was wiederum zur Folge hat, dass es für Survivors ungleich schwieriger ist, von der Bank einen Kredit zu bekommen. Aus diesen und anderen Erfahrungen entsteht bei vielen ehemaligen KrebspatientInnen das Bedürfnis, den Kontakt mit gleich Betroffenen zu suchen. Ein zen-trales Anliegen der Survivors ist deshalb der Erfahrungs- und Gedankenaustausch. Vor allem jugendlichen KrebspatientInnen fehlen nach ihrer Genesung oft die richtigen GesprächspartnerInnen. Wenn sie das Spital verlassen, sollen sie so sein wie alle anderen. „Aber das geht nicht mehr“, weiß die 21-jährige Eva Branstötter. Nach ihrer Krebserkrankung im Alter von 17 Jahren fiel sie „in ein schwarzes Loch und war Suizid-gefährdet“. Sie wollte „aufzeigen, dass es andere Probleme gibt als die, mit denen sich die meisten Leute herumschlagen“ und hat dabei fast alle FreundInnen verloren.

Vorurteilsfreie Gespräche

In der Survivor-Gruppe können solche Themen und Fragen offen und ohne Vorurteile angesprochen werden. Hier wissen alle Bescheid und können vorurteilsfrei aufeinander zugehen. Hier werden sie nicht wie sonst häufig mit Mitleid überschüttet, und hier gibt es andererseits keine Hemmungen, ihnen zu widersprechen. Hier dürfen sie ohne schlechtes Gewissen auch übereinander lachen. Anlässlich des Internationalen Kinderkrebstages stellte die Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe auch eine Musik-CD mit dem Titel „ÜberLeben“ vor. Die Titel auf der CD wurden von den Survivors selbst ausgesucht. Im 24 Seiten starken Booklet dazu schildern sie, wie sie ihre Krebserkrankung erlebten und mit welchen Folgen sie noch heute konfrontiert sind. Die Liste der Interpreten auf dem Sampler „ÜberLeben“ liest sich wie ein Who-is-who der Popmusik: Gloria Gaynor, Joe Cocker, Diana Ross, The Lighthouse Family, aber auch heimische Stars wie STS oder „Starmania“-Siegerin Verena geben sich ein Stelldichein im Namen der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe. Den letzten Ton hat aber ein ehemaliger Krebspatient mit dem „Krieger-Rap“.

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