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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Kritische Ereignisse zur ­Fehlervermeidung nutzen

Sieben Abteilungen am LKH Feldkirch starteten im Februar mit einem Pilotprojekt, um den bereits bestehenden hohen Sicherheitsstandard für Patienten weiter zu verbessern.

Chefarzt, Qualitätsbeauftragter, Leiter der Beschwerdestelle und Patientenanwalt erarbeiten in Feldkirch gemeinsam ein System zur Entwicklung einer „Sicherheitskultur“ nach Schweizer Vorbild. Ziel dieses Konzeptes zur systematischen Erfassung von kritischen Ereignissen oder Komplikationen (Critical Incident Reporting System, CIRS) im Krankenhaus ist es, Komplikationspotenziale zu identifizieren, Ursachen abzuklären und Folgemaßnahmen zur Verhinderung dieser Komplikationen zu ergreifen. Insgesamt nehmen sieben Abteilungen an dem Projekt teil: die Abteilung für Anästhesie und Intensiv, die Gefäßchirurgie, HNO, die Abteilung für Innere Medizin, die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde sowie die Nephrologie. „Wenn eine kritische Situation entsteht, ist meistens nicht eine einzelne Person Verursacher, sondern es tragen verschiedenste Faktoren dazu bei“, so Initiator Chefarzt Prim. Prof. Dr. Heinz Drexel. „Wir sprechen von Schwachstellen im System, die ausgeschaltet werden können, wenn frühzeitig darauf hingewiesen wird.“ Die anonyme Meldung einer kritischen Situation soll den Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, selbst aktiv die Patientensicherheit zu verbessern. Patientenanwalt Mag. Alexander Wolf begrüßt diesen Vorstoß: „Bisher wurden kritische Ereignisse erst gemeldet, wenn sie bereits zu offensichtlichen Komplikationen geführt haben.“ Trotz relativ geringer Fehlerhäufigkeit ist jedes System, das zur Fehlervermeidung beiträgt, positiv zu bewerten. Der größte Benefit wird vor allem der Patient haben: So kann beispielsweise ein konkreter Gesundheitsschaden durch die Meldung einer Komplikation und anschließende Maßnahmen zur Verbesserung verhindert werden. Qualitätsbeauftragter Dr. Peter Weiß: „Ein vorbildhaftes, Computer-gestütztes System findet bereits in der Schweiz gute Akzeptanz, das so genannte CIRS.“ Im LKH Feldkirch sollen anonyme Meldungen von der Informations- und Beschwerdestelle entgegengenommen und ausgewertet werden. Nach Rücksprache mit einem interdisziplinären Team werden dann entsprechende Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet. Nach einem Zeitraum von einem Jahr werden die Ergebnisse des Pilotprojektes ausgewertet. „Bei positiven Erfahrungen im Pilotprojekt können wir dieses Meldesystem in allen Abteilungen des LKH Feldkirch anwenden“, hofft Drexel für die Zukunft.

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